Gemeindebibliothek Steinhagen legt gute Ausleihzahlen vor
Corona macht großen Lesehunger

Steinhagen -

Nicht nur in Restaurants, auch in der Gemeindebibliothek Steinhagen geht zurzeit nichts außer „Takeaway“. Das Prinzip ist das gleiche: Online aussuchen (im Bibliothekskatalog), telefonisch oder per E-Mail bestellen und zur vereinbarten Zeit abholen – und schon kann der (Lese-)Hunger gestillt werden.

Montag, 04.01.2021, 18:31 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 18:34 Uhr

 

Doch er ist offenbar groß – gerade in Zeiten von Corona. Obwohl die Einrichtung im vergangenen Jahr durch den Frühjahr-Lockdown, den Tönnies-Lockdown im Sommer und den Shutdown jetzt zehneinhalb Wochen geschlossen war, zieht Bibliotheksleiterin Manuela Heinig eine positive Bilanz: „Das Lesejahr 2020 war trotz Corona sehr gut.“

Zwar fehlt die detaillierte Auswertung noch, aber schon jetzt kann sie sagen. „Wenn man sich die Zahlen ansieht, waren wir nicht soviel schlechter als 2019.“ Damals sind 64.000 Medien ausgeliehen worden, für 2020 rechnet sie mit etwa 62.000. „Die Leute haben mehr gelesen in Zeiten von Corona“, sagt Manuela Heinig. Nicht nur analog, sondern auch digital: Bei der „OWL-Onleihe“ kommt Steinhagen auf etwa 14.500 Ausleihen.

Und was wird gelesen? Nur Heiteres gegen eventuellen Corona-Blues? Oder mehr Tiefgründiges? Ist mehr Information gefragt? „Belletristik läuft gut, Kinder- und Jugendliteratur auch. Und Krimis gehen immer“, fasst Manuela Heinig zusammen – und nennt Titel aus der Bestseller-Liste der Gemeindebibliothek: Auf Platz 1 steht Michelle Obamas Autobiografie „Becoming – Mein Leben“. Die Exemplare sind praktisch immer unterwegs, die Liste der Vormerkungen noch immer lang. Und auch Barack Obama schickt sich mit „Ein verheißenes Land“ an, bei den Steinhagenern ähnlich beliebt zu werden. Einen Spitzenplatz nehmen auch die „Schwesternromane“ von Lucinda Riley ein – der Band „Sommerschwestern“ etwa war 2020 in mehreren Exemplaren 25 Mal unterwegs bei einer Ausleihzeit von vier Wochen.

Alles zur Ernährung und Lebensführung, Yoga-Anleitungen, Fitness-Bücher – ebenfalls sehr beliebt in Zeiten, da mehr zu Hause gekocht und Sport getrieben wird. Und: Homeschooling schlägt sich auch in der Gemeindebibliothek nieder – etwa in den E-Learning-Angeboten des Brockhaus-Verlages, die im Sommer kostenlos für Bibliothekskunden nutzbar waren.

Doch Präsenz ist ein Problem: Die Gemeindebibliothek, im Juni 2018 an den Kirchplatz umgezogen, ist auf ihrem Weg, in Steinhagens Mitte ein Ort nicht nur der Ausleihe, sondern des Aufenthalts zu werden, durch Corona hart ausgebremst worden. „Unsere Rechner sind immer gut gerade von Kindern und Jugendlichen zum Arbeiten genutzt worden. Wegen der Corona-Maßgaben durfte aber nur ein Platz offen sein, und das nicht über längere Zeit“, sagt Manuela Heinig. Dabei wäre das gerade in Zeiten der geschlossenen Schulen ein wichtiges Angebot gewesen: „Anfragen , die es immer wieder gegeben hat, zeigen das.“ Und auch viele, die sich schon daran gewöhnt hatten, im Lesecafé der Bibliothek Tageszeitungen und Zeitschriften zu studieren, haben das Angebot vermisst. Auch Veranstaltungen, frühzeitig Anfang 2020 geplant, und Treffen von Gruppen: gestrichen. Lediglich zwei Lesungen blieben übrig. Und ein abgespeckter Sommerleseclub. Und schließlich die Kulturtage: gerade noch hinübergerettet vor dem November-Lockdown.

Die Bibliothek, den Kirchplatz und das Schlichte-Carree als „Dritten Ort“ zu etablieren, ist Ziel des Teams um Manuela Heinig – jetzt auch als Kulturprojekt im Verbund mit weiteren Akteuren und Geld vom Land. 2021 kann das was werden.

 

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