Hörtheater Lauschsalon präsentiert in Steinhagen ungewöhnliche Lesung zu Halloween
Literarischer Horror in gruseligen Zeiten

Steinhagen -

Mag sein, dass die alte Feuerwehr in Amshausen als ursprünglich vorgesehener Veranstaltungsort die geeignetere Atmosphäre für den »schaurigen Abend« mit Texten von Edgar Allen Poe und Roald Dahl geboten hätte. Wegen der Corona-Maßgaben musste auch das Mystery-Hörstück »Nachtgäste« in die Aula des Schulzentrums verlegt werden.

Sonntag, 01.11.2020, 20:01 Uhr aktualisiert: 01.11.2020, 20:08 Uhr
Anja Bilabel (re.) präsentierte schwarzen Humor und Gänsehaut erzeugende literarische Horrorgeschichten. Verena Volkmer (li.) lieferte den dezenten Soundtrack an der Harfe Foto: Johannes Gerhards

 

Die vorletzte Veranstaltung der diesjährigen Kulturtage ist für Klaus Besser der letzte offizielle Auftritt als Bürgermeister. Er nutzt die Gelegenheit, um sich von den knapp 50 weit voneinander entfernt sitzenden Zuhörern zu verabschieden und wünscht einen schönen Abend. Dieser hätte angesichts des sich abzeichnenden Herunterfahrens jeglicher kultureller Aktivitäten sicher einen passenderen Zeitpunkt verdient gehabt. In Anbetracht des realen Horrors der Corona-Pandemie fällt es schwer, sich genüsslich auf literarischen Grusel einzulassen.

Anja Bilabel ist deutschlandweit als Gastschauspielerin und Radio-, bzw. Synchronsprecherin aktiv. 2008 hat sie den „Lauschsalon“ gegründet und geht seitdem mit mehr als 25 literarisch-musikalischen Programmen auf Tour. Verena Volkmer begleitet die Lesung dezent und äußerst zurückhaltend an der Harfe.

Eröffnet wird der Abend mit der 1842 erschienenen Erzählung »Die Maske des roten Todes« von Edgar Allen Poe. Parallelen zur aktuellen Lage sind durchaus erkennbar: Während die einen in Angst vor der Seuche erstarren und ihr Leben einfrieren, machen die anderen Party.

Prinz Prospero gibt in der scheinbaren Sicherheit seiner Abtei einen pompösen Maskenball, während die Krankheit roter Tod unter der Bevölkerung wütet. Ein ungebetener Gast taucht auf, lang und hager, in Leichentücher gewickelt und mit Blut befleckt. Bei dem Versuch, die Gestalt zu demaskieren findet Prospero den Tod. Unter der Maske befindet sich dagegen nichts: kein Gesicht, kein Skelett – der Rote Tod ist ins Schloss eingezogen und alle müssen sterben.

Eher subtil und hintersinnig kommt Roald Dahls Kurzgeschichte »Die Wirtin« daher. Der 17-jährige Billy Weaver landet auf der Suche nach einer Herberge bei einer freundlichen, aber merkwürdigen Frau, die Zimmer mit Frühstück anbietet. Alle ihre Lieblinge stopft sie kunstfertig aus. Im Laufe der Zeit schwant dem Zuhörer, dass es sich dabei nicht nur um Dackel und Papagei handelt. Möglicherweise gehören auch die Gäste dazu und nicht zuletzt Billy, dem erst viel zu spät der nach Bittermandel schmeckende Tee verdächtig vorkommt.

In einer weiteren Poe-Erzählung von 1849 üben Hofnarr Hopp-Frosch und seine Freundin Tripetta grausame Rache an ihren Peinigern. Der König und seine sieben Minister, allesamt große, korpulente Männer mit Hang zu derbem, flachwitzigem Humor, wollen sich auf Kosten des verkrüppelten Zwerges Hopp-Frosch amüsieren. Sie folgen seiner Empfehlung, sich anlässlich eines Maskenballs als Orang Utans zu verkleiden und aneinander zu ketten, um sich am Entsetzen der weiblichen Gäste zu ergötzen. Schließlich werden sie mit der Kette des Kronleuchters in die Höhe gezogen und finden ein schreckliches Ende, weil ihre geteerten Kostüme angezündet werden. Hoppfrosch und Tripetta gelingt dagegen die Flucht in ihr Heimatland, aus dem sie dereinst verschleppt wurden.

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