Neue Ausstellung im Rathaus Steinhagen der Künstlergruppe „Creartiv“
Zwischen Schneckenhaus und Skyline

Steinhagen (WB). Auch der künstlerische Lockdown im Steinhagener Rathaus hat ein Ende: „Architektonik“ heißt die neue Ausstellung. 32 Bilder und Objekte von zehn Mitgliedern der Steinhagener Gruppe „Creartiv“ sind von Montag, 12. Oktober, an in der ersten Etage des Rathauses zu sehen.

Freitag, 09.10.2020, 04:42 Uhr aktualisiert: 09.10.2020, 05:00 Uhr
Bauwerke prägen die Welt: Das Thema „Architektur“ hat Lore Haubrock baulich-fantastisch interpretiert. Ihre Stadtansichten, die sie in Acryltechnik gemalt hat, gibt es gar nicht – auch nicht die formschönen bunten Giebelreihen. Foto: Bluhm-Weinhold

Für Kunsthistoriker Gregor Lübbert, der an der Kunsthalle Bielefeld und am Hermann-Stenner-Forum arbeitet, ist es die „sehenswerte Vielfalt in der Bearbeitung des Themas“, die den Ausstellungsbesuch so lohnenswert macht. Die Spannweite sei enorm, sagte er jetzt bei einer „Presse-Preview“: „Wir haben da einerseits verschiedene Darstellungen vom Schneckenhaus, dem Inbegriff des Privaten. Und andererseits die Skyline.“ Weltzugewandter, öffentlicher geht es nicht.

Ein Sammelbegriff

Vor zwei Jahren hat die Steinhagener Künstlergruppe letztmalig im Rathaus ausgestellt. Aber bereits im Herbst 2019 haben sich die Mitglieder Gedanken über ein neues gemeinsames Thema gemacht, das sie in der Architektur fanden. Wolfgang Milting, Kopf der Gruppe, hat es auf „Architektonik“ erweitert: „Ein Sammelbegriff“, wie er sagt. Denn Architektur, das ist mehr als Häuser-, Städte- und Industriebau. Auch Landschaften lassen sich darunter fassen. Und die Natur bietet in der Flora und Fauna doch ohnehin die besten Bauformen. Wolfgang Milting nennt Gesetzmäßigkeiten wie das perfekte Teilungsverhältnis beim Goldenen Schnitt, „bereits in der Antike ein Leitfaden in Kunst und Architektur“, wie er sagt. Daraus entstand in der sogenannten Fibonacci-Folge die Goldene Spirale, die sich in der Nautilus-Schnecke wiederfindet.

Nicht umsonst zieht sich also die Schnecke wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Und auch die unterschiedlichsten Stadtansichten entfalten ihre Faszination – in den endlosen Giebelreihen eines Acrylbildes von Lore Haubrock ebenso wie in den realistischen Darstellungen der früheren Steinhäger-Brennerei Niederstadt oder der Hoyelner Mühle bei Riemsloh, die Renate Runge mit feinem Pinselstrich gemalt hat. 3D-Objekte von Bettina Simon machen das Thema regelrecht greifbar. Ihre Kunstwerke bezeichnet sie aus „Spielzeug“ – und fügt hinzu: „Aber nicht für Kinder, dazu sind sie zu wertvoll, sondern nur für Erwachsene.“ Beeindruckende Plastizität entfaltet auch die Skyline aus Holz von Anne Kleyer. Und zur Objektkunst darf man sicherlich ein Werk von Wolfgang Milting rechnen: In einem Setzkasten räumt er der Computertechnologie Platz ein. Architektonik pur.

Quer durch alle Techniken, Materialien, Stil- und Ausdrucksformen reicht die Schaffensfreude der „Creartiven“. Das sind neben den genannten Künstlerinnen und Wolfgang Milting auch Selma Bagci, Annette Meier, Ulla Niekamp, Grazyna Pankowska und Karin Wippersteg. Auch die Fotografie hat ihren Stellenwert.

Vernissage in kleinem Kreis

Coronabedingt ist bei dieser Ausstellung einiges anders als bei allen ihren Vorgängern. Die Vernissage an diesem Sonntag ist wegen der strengen Auflagen im Rathaus mit stark begrenzter Teilnehmerzahl nicht-öffentlich. Von kommenden Montag, 12. Oktober, an, aber sind Besucher zu den Öffnungszeiten des Rathauses willkommen: montags bis donnerstags von 8 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, freitags von 8 bis 12.30 Uhr.

Nach Möglichkeit sollten Besucher nur zu zweit kommen, rät Petra Holländer vom Kulturamt. Wer eine Führung mit einem Künstler wünscht, kann sich bei ihr melden (05204/ 997184). Die Ausstellung endet am 30. November.

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