Nach Heiko und Gabriele Hartleif ist nun auch Tochter Lina für die SPD im Rat
Eine schrecklich politische Familie

Steinhagen (WB). Es gab – und gibt – die unterschiedlichsten Familienkonstellationen im Steinhagener Gemeinderat: Vater und Tochter, Vater und Sohn, Ehepaare. Doch gleich drei aus einer Familie – da sind die Hartleifs die ersten. Nach Heiko Hartleif, SPD- Ortsvereinsvorsitzender und seit 2004 im Rat, und Ehefrau Gabriele, die als Sachkundige Bürgerin anfing und 2014 erstmals gewählt wurde, ist nun auch Tochter Lina (23) Gemeinderatsmitglied. Frei nach dem Titel gewisser TV-Serien könnte man bei den Hartleifs also sagen: „eine schrecklich politische Familie“.

Mittwoch, 07.10.2020, 04:21 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 04:30 Uhr
Die „Hartleif-Fraktion“ der Steinhagener SPD: Mutter Gabriele, Tochter Lina und Vater Heiko. Zum quirligen Familienleben gehören auch die beiden Hunde Oskar (links) und Emma, die zusätzlich zur politischen Diskussion Leben ins Haus bringen. Foto: Bluhm-Weinhold

Und das fängt bereits am Frühstückstisch an – und war 2017 in der Hochphase der Diskussion um die Große Koalition so schlimm, dass Gabriele Hartleif ein temporäres Politikverbot in ihrem Haus aussprach. Lina Hartleif schildert: „Als Juso war ich gegen die GroKo. Papa war dafür, aber er gehört ja auch zum konservativen Flügel.“ Heftiger Widerspruch: „Das sehe ich nicht so“, weist Heiko Hartleif das Konservative von sich und beruft sich auf eine erste Protestaktion mit den Jusos, kaum dass er damals in der Partei war. Und beinah wäre er gleich wieder ausgeschlossen worden. Indes: Das Verfahren wurde eingestellt, und der überzeugte Sozialdemokrat durfte bleiben.

„Wählt Willy“-Zeitschriften ausgetragen

Heiko und Gabriele Hartleif sind durch ihre Elternhäuser politisiert worden. Mit 13 habe sie schon „Wählt Willy“-Zeitschriften ausgetragen und dafür im „schwarzen“ Borken manchen Spruch kassiert: „Da musste man schon bodenständig sein, um sich zur SPD zu bekennen“, sagt sie. Der Vater, DDR-Flüchtling, war Hilfsarbeiter, die Mutter Hausfrau: „Trotzdem konnten meine vier Schwestern und ich Abitur machen und studieren. Wir haben der SPD viel zu verdanken.“ Denn ohne die entsprechenden politischen Beschlüsse für gleiche Bildungschancen, hätte es schlicht an finanziellen Mitteln gefehlt.

Extrem politisiert war Anfang der 80er Jahre auch die Studierendenschaft an der Uni Bielefeld, wo sich Gabriele und Heiko Hartleif beim Lehramtsstudium und in der Juso-Hochschulgruppe kennen lernten. Friedendemos, die Anti-AWK-Bewegung in Hamm-Uentrop, wo Heiko Hartleif aufgewachsen ist (und im benachbarten Kohlekraftwerk in den Semesterferien jobbte) waren prägende politische Erlebnissen.

Politik hat sich vererbt

Kein Wunder, dass sich Politik vererbt hat – nur Sohn Henrik (27) schlägt aus der Art. Aber auch Tochter Hannah (34) ist in der Haller SPD aktiv. Und die jüngste, Lina (23), nun sogar Ratsmitglied in Steinhagen. „Mit 14 war mir Politik noch egal, obwohl ich schon Buttons für den Wahlkampf gebastelt habe“, sagt sie. Mit 17 sei das Interesse langsam gewachsen und habe sich im Freiwilligen Sozialen Jahr extrem gesteigert. Denn als FSJlerin im städtischen Klinikum Bielefeld hat Lina Hartleif den Pflegenot miterlebt und beschlossen: „Da muss definitiv was getan werden.“

Anfang 2017 – im „Schulz-Hype“ – ist sie in die SPD eingetreten, was ihre Mutter nicht gerade erfreute: „Man muss ja nicht gleich Mitglied werden.“ Die Tochter fühlte sich bei den Jusos in Gütersloh besonders wohl: „So viele junge Menschen. Das kannte ich aus Steinhagen gar nicht.“ Seit 2018 ist sie stellvertretende Kreisvorsitzende. Und da man nicht immer nur fordern könne, dass mehr junge Frauen in der Politik aktiv sein müssten, wie sie sagt, hat sie dann Nägel mit Köpfen gemacht und sich als Wahlbezirkskandidatin in Amshausen im Wahlbezirk 1 aufstellen lassen.

Auch als Lehrerin in den Fußstapfen der Eltern

Dort lebt die Lehramtsstudentin inzwischen – ja, auch beruflich folgt sie ihren Eltern. Der Vater ist Sonderpädagoge an der Gesamtschule Harsewinkel, die Mutter stellvertretende Schulleiterin an der Grundschule Amshausen. Und die Tochter ist eine Mischung aus beiden, hat Grundschullehramt und Sonderpädagogik studiert, steckt derzeit in ihrer Bachelorarbeit und unterrichtet bereits an der Grundschule Hörste.

Welche Gemeinsamkeiten wird es im Gemeinderat geben? Darauf haben die drei noch keine Antwort. Auch die Ausschussbesetzungen stehen noch nicht fest. „Aber wir könnten eine eigene Fraktion bilden“, sagt Gabriele Hartleif mit Augenzwinkern. Sie freut sich auf den neuen, erheblich verjüngten Gemeinderat: „Es wird bunter und spontaner. Aber ich hoffe, dass der gute Brauch erhalten bleibt.“ Dazu zählt die Gepflogenheit, dass alle Fraktionen Sitzungsunterbrechungen zustimmen, wenn irgendwo noch Gesprächsbedarf besteht.

Waren die Eltern Vorbilder? „Klar“, sagt Lina Hartleif: „Vor allem meine Mutter, schon weil sie immer gearbeitet hat.“ Und wenn die Tochter nicht in die SPD eingetreten, sondern bei der CDU gelandet wäre? „Das wäre nicht passiert“, betont die Tochter. Und die Mutter sagt: „Dann hätte ich mich gefragt, was ich falsch gemacht hätte.“

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