„Trio con abbandono“ eröffnet Kulturwerk-Saison
Die Magie der Musik inErinnerung gerufen

Von Nicolas Müller

Montag, 05.10.2020, 06:00 Uhr
So klingt ein fulminanter Saisonauftakt! Dem „Trio con abbandono" (v.l. Beate Funk, Claudia Quackernack und Anne-Lise Atrsaie) unterhielten virtuos mit Tango, Jazz und Klassik. Foto: Müller

 

Steinhagen (WB). „Trio mit Hingabe“ - mit dem Erklingen der ersten Töne in der Aula spürt der Zuhörer, was ihm in den zurückliegenden Monaten so schmerzlich fehlte – die Magie und der Zauber von Kultur, hingebungsvoll dargeboten und in seiner Einmaligkeit nicht zu überbieten.

Das „Trio con abbandono“ entführt an diesem Samstagabend die 250 Zuhörer auf Abstand mit Virtuosität und einem charmant-selbstironischem Augenzwinkern in die Welt des argentinischen Tango, feurigen Csardas, mitreißenden Klezmer und der schwungvoll-heiteren Klassik.

Dabei besticht die kammermusikalische Formation, bestehend aus Beate Funk, Klarinette. Claudia Quakernack, Akkordeon und Anne-Lise Atrsaie, Violoncello, mit ihrer außerordentlichen Spielfreude und schafft es, mit einem hohen Grad an künstlerischer Freiheit die Unterschiedlichkeit der Musikstile zu vereinen. Wie gerät denn Gershwins „Summertime“ in Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“? Und wie vertragen sich die kleinen, aber unüberhörbaren Accessoires aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ mit Astor Piazollas stimmungsvoll-unverwechselbaren „Jahreszeiten“?

Hörenswerte Arrangements

Auch wenn der Klassikfreund geniert sein Ohr abwendet, den Damen gelingt es, in ihren eigenen, durchaus hörenswerten Arrangements mit Ausdruckskraft und vor allem mit einer unforciert eingesetzten Virtuosität das Publikum mitzureißen. Hier werden Gegensätze ausgelotet. Stimmungen wechseln wie Licht und Schatten. Ein hinreißendes musikalisches Spiel aus grenzenloser Lebensfreude und tiefgründiger Melancholie, aus hingebungsvollem Tanz und pulsierend-punktgenauen Pathos.

Beate Funk entlockt als kreativer Motor des Trios ihrem Instrument eine unglaubliche Klangfülle, setzt immer wieder auch sensible, beinahe fragile Impulse. Die Cellistin Anne-Lise Atrsaie liebt die großen musikalischen Bögen, weiß aber auch besonders in der „Ungarischen Czardas-Fantasie“ von August Nölck mit einer exzellenten ausgewogenen und vital-rhythmischen Brillanz zu überzeugen. Den extravaganten Klang und die Einmaligkeit des Trios macht aber das Akkordeon aus. Claudia Quackernack setzt gerade im argentinischen Tango, in Astor Piazollas „Die Jahreszeiten“ oder in Richard Gaillanos „Tango pour Claude“ exakt ausgehörte und beseelte Momente, agiert detailfreudig und mit expressiver Fingerartisik, wie in Leroy Andersons „The Typewriter“ oder in der Zugabe von Rimsky-Korsakoffs „Hummelflug“.

Dieses Konzert in Steinhagen ist für das Trio der erste öffentliche Auftritt seit Beginn der Corona-Krise und es unterstreicht die Einmaligkeit und auch die Leuchtkraft dieses Abends. Denn auch für das Kulturwerk Steinhagen ist dieser Start in die neue Spielzeit aufgrund hygienetechnischer Auflagen alles andere als einfach. Und doch – nach mehr als einer Stunde ausgelassenem und feinsinnig-präzisem Ensemblespiel feierte das enthusiastische Publikum das sympathische „Trio con abbandono“ und die Verantwortlichen des Kulturwerks für einen mehr als gelungenen Saisonauftakt.

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