Erster Spatenstich für das Hörmann-Sportzentrum in Steinhagen – Ärger um Auftragsvergabe
Auftakt in der Baugrube

Steinhagen (WB). Nein, hier entsteht kein Freibad, auch wenn der erste Eindruck von der metertiefen Baugrube das vermuten lassen könnte. Am Cronsbach lassen sich die Dimensionen der künftigen Sporthalle erahnen – des Hörmann-Sportzentrums. Am Freitag kamen Mitglieder des Spvg.-Vorstands, Tiefbauer Mark Metzger und als Vertreter des Hauptsponsors Martin J. Hörmann zum symbolischen ersten Spatenstich.

Samstag, 03.10.2020, 04:00 Uhr
Gut gelaunt, dass es sichtlich weitergeht, sind (von links) Volker Cloes (Spvg.-Kassenwart), Axel Börgers (Spvg., Marketing), Martin J. Hörmann (geschäftsführender Gesellschafter der Firma Hörmann), Mark Metzger (Geschäftsführer der Firma Vollmer) und Christian Scholl (2. Vorsitzender der Spvg. Steinhagen). Foto: Volker Hagemann

12.000 Kubikmeter Erde hat die Firma Vollmer auf dem Areal ausgehoben, auf dem die Halle mit ihren Grundmaßen von 75 mal 42 Metern errichtet werden soll. Diese Mengen an Aushub müssen irgendwo bleiben: „Einen Großteil können wir auf einem Nebenplatz verteilen“, erklärt Vollmer-Geschäftsführer Mark Metzger. Die Ausschachtung ist abgeschlossen, Schotter und Drainage sind verlegt. Für Mitte Oktober rechnet der Spvg.-Vorstand mit dem Beginn der Hochbauphase. „Ende Dezember sollen die ersten Betonfertigteile geliefert werden“, berichten Axel Börgers (Spvg.-Marketing), Volker Cloes (Vorstand/Kassenwart) und Spvg.-Vizechef Christian Scholl. „Läuft alles nach Plan, soll die Halle Ende April 2021 regen- und winddicht stehen.“

Gerade in heutiger Zeit ein tolles Beispiel, wie man mit­einander dem Ziel näher kommen kann, wieder gemeinsam seinem Lieblingssport nachzugehen.

Hauptsponsor Martin J. Hörmann

Auch Martin J. Hörmann, dessen Unternehmen 1,5 Millionen Euro für den Bau des Vereinszentrums sponsert, freut sich, dass es voran geht: „Gerade in heutiger Zeit ein tolles Beispiel, wie man mit­einander dem Ziel näher kommen kann, wieder gemeinsam seinem Lieblingssport nachzugehen.“

War das Investitionsvolumen des Sportzentrums anfangs mit 4,4 Millionen Euro veranschlagt, geht man inzwischen von 6,4 Millionen Euro aus. Die Spvg. begründet das mit dem hinzu gekommenen vierten Hallenteil, statischen Veränderungen und der Teuerungsrate bei den Baukosten. Drei Millionen steuert die Gemeinde bei, einen weiteren Teil finanziert die Spvg. als Darlehen und aus Spenden. „Da sagen wir allen Spendern ein großes Dankeschön“, betont Axel Börgers. Weiterhin werbe man fleißig um Spenden, um noch 300.000 Euro für weitere Einrichtungs- und Technikkomponenten aufzubringen.

Firma aus Sachsen-Anhalt erhält Vorzug gegenüber langjährigem Spvg.-Mitglied

Verstimmung gibt es indes an anderer Stelle. So wurden noch 2018 bei der Vorstellung des Spendenkonzeptes heimische Firmen hoch gelobt: „Wenn die Spvg. Steinhagen aufruft, in Steine zu spenden, dürfen lokale Baugrößen nicht fehlen.“ Beispielhaft genannt wurden „Mark Metzger von der Firma Vollmer und Nils Twelmeier vom gleichnamigen Bauunternehmen“ mit ihrer „lokalen Verantwortung und ihrer persönlichen Verbindung zur Spvg. in den Abteilungen Tischtennis und Handball“. Geschäftsführer Nils Twelmeier erinnert sich: „Es hieß seitens der Spvg.: ‚Heimische Firmen werden bevorzugt‘. Also haben wir uns als Bietergemeinschaft mit dem Haller Betonfertigteile-Hersteller ‚Betont‘ an der Ausschreibung für die Rohbauarbeiten beteiligt.“

Die Vergabe erfolgte allerdings an die Firma Sasse, wie Volker Cloes am Freitag bestätigte. Sasse ist im 280 Kilometer entfernten Aschersleben in Sachsen-Anhalt ansässig. Dass ein Anbieter zum Zuge kommt, der günstiger ist, ist für Twelmeier und für „Betont“-Geschäftsführer Jerome Rasfeld nicht das Problem: „Das ist der normale Wettbewerb.“ Beide stört die Art der Kommunikation: „Die Spvg. hat versichert, wir hätten ‚das letzte Wort‘. Zudem kamen Pläne und Statik äußerst spät. Als dann der Auftrag an Sasse ging, wurde uns auf Nachfrage nicht mitgeteilt, warum“, wundert sich Twelmeier.

Volker Cloes erklärte am Freitag auf der Baustelle auf WB-Nachfrage, der Preis der Bietergemeinschaft habe „nicht gepasst“. Wieviel Euro günstiger Sasses Angebot ist, teilte er nicht mit.

Nils Twelmeier ist seit 45 Jahren Spvg.-Mitglied, hat jedes Jahr Trikots und Bandenwerbung gesponsert. Für die Spvg.-Abrissparty in der alten Sporthalle ließ er die geforderten Notausgänge kostenlos aufstemmen – im Wert von 5000 Euro. Zudem hatten er und die Firma „Betont“ jeweils 10.000 Euro für Werbezwecke an die Spvg. zugesagt. Jerome Rasfeld ist ebenfalls enttäuscht: „Von einem Sportverein hätte ich mehr Teamgeist und Fairness erwartet.“

Kommentar

Im neuen Sportzentrum will die Spvg. Steinhagen „Werte wie Nachhaltigkeit und Chancengleichheit“ leben. Ob die Chancengleichheit bei der Vergabe der Rohbauleistungen gewahrt blieb, sei dahin gestellt. Ein Unternehmen aus dem 280 Kilometer entfernten Aschersleben auf die Steinhagener Baustelle zu holen und damit einen heimischen Anbieter zu verprellen, der jahrzehntelang Sponsor war und dessen Chef als Ex-Handballer 45 Jahre Spvg.-Mitglied ist, das klingt nicht besonders nachhaltig. Hier gab es offenbar auch ein Kommunikationsproblem. Volker Hagemann

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