Nach SPD-Anfrage: Landesregierung sieht keinen Bedarf, A33-Schilder in Steinhagen zu ändern
Lkw quälen sich weiterhin durchs Dorf

Steinhagen (WB). Mit dem Lkw-Durchgangsverkehr zwischen der A 33 und Harsewinkel werden die Steinhagener erst einmal weiterhin leben müssen. Einer Neubeschilderung der Autobahnabfahrt Steinhagen hat das NRW-Verkehrsministerium jetzt eine Absage erteilt.

Freitag, 02.10.2020, 04:40 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 05:01 Uhr
Dass Lkw-Fahrer von der Steinhagener A33-Abfahrt aus in Richtung Harsewinkel geleitet werden, sorgt für vermehrten Schwerlastverkehr durchs Dorf – hier auf der Woerdener Straße. Das NRW-Verkehrsministerium lehnt eine Neubeschilderung ab. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Die Landesregierung antwortet damit auf eine entsprechende Kleine Anfrage des SPD-Landtagsmitglieds Georg Fortmeier. Der hatte sich, wie wohl auch viele Steinhagener, eine andere Antwort erhofft. Zur Erinnerung: Vor der Eröffnung des A33-Teilstücks von Bielefeld bis Künsebeck am 4. April 2018 erhielt die Anschlussstelle Steinhagen in Fahrtrichtung Osnabrück die Beschilderung „Steinhagen/Harsewinkel“. Das hatte zur Folge, dass der Lkw-Verkehr vor allem über die Bielefelder, Woerdener, Brockhagener und Harsewinkeler Straße deutlich anstieg: Denn aus und in Fahrtrichtung Süden nutzen Lkw-Fahrer von und zu den Harsewinkeler Gewerbegebieten meist die Route über Steinhagen.

Bürger sind genervt

Anwohner und weitere Bürger sind genervt, insbesondere an der A33-Auf- und Abfahrt, am Kreisel nahe der Firma Vollmer und in der Ortsdurchfahrt Brockhagen. Auch Fahrradfahrer berichten immer wieder von brenzligen Situationen.

Die SPD argumentiert in ihrer Kleinen Anfrage vom 27. August, dass mit der Fertigstellung der Anschlussstelle Halle dort eine deutlich besser ausgebaute Ausfahrt Richtung Harsewinkel entstanden sei – Grund genug für eine „Verlegung“ des Harsewinkel-Hinweises an die Haller A33-Abfahrt. In A33-Fahrtrichtung Bielefeld sei Harsewinkel ja ebenfalls schon in Halle ausgeschildert. Im Übrigen fragte die SPD nach Verkehrszählungen.

Automatische Zählstellen gebe es in diesem Bereich nicht, antwortet die Landesregierung. Die gebe es nur „an hochbelasteten Autobahnabschnitten“, und es gebe „keine Veranlassung, gesonderte Erhebungen durchzuführen“. Daher stütze man sich in diesem Fall auf die alle fünf Jahre durchgeführten Verkehrszählungen auf den Fernstraßen. Die letzte dieser Art erfolgte 2015, die für 2020 vorgesehene sei coronabedingt verschoben worden, werde aber nachgeholt, „sobald sichergestellt ist, dass die erhobenen Daten tatsächlich belastbar sind“.

Keine Überprüfung der Verkehrsmengen geplant

Derzeit sei nicht geplant, die Verkehrsmengen auf der A 33 oder in den Ortsdurchfahrten zu überprüfen, heißt es aus Düsseldorf. Und weiter: „Die örtlichen Behörden werden bei entsprechenden Auffälligkeiten in eigener Zuständigkeit tätig und entscheiden über geeignete Maßnahmen.“

Das Verkehrsministerium erinnert daran, dass es vor der Verkehrsfreigabe der A 33 eine Anhörung zur Benennung der Anschlussstellen und der Auswahl der Ausfahrtziele unter Federführung des Landesbetriebs Straßenbau NRW gegeben habe. Seinerzeit hätten auch die betroffenen Städte und Gemeinden, der Kreis Gütersloh und die Bezirksregierung Detmold mit im Gremium gesessen. Der dort erarbeitete Vorschlag für das Fern- und Nahzielverzeichnis dieses A33-Abschnittes sei danach vom Verkehrsministerium genehmigt worden.

Argument: Kürzeste Entfernung

Zudem beruft man sich in der Antwort an Georg Fortmeier auf die kürzesten Entfernungen für Verkehrsteilnehmer: „Das Ziel Harsewinkel wird in A33-Fahrtrichtung Norden in der Anschlussstelle Steinhagen ausgewiesen und in Fahrtrichtung Süden in der Anschlussstelle Halle. Diese Aufteilung erfolgte aufgrund der geografischen Lage. In Fahrtrichtung Norden wäre Harsewinkel bei Nennung in der Anschlussstelle Halle ein rückläufiges Ziel. Die Fahrtstrecke nach Harsewinkel ist aus Richtung Süden über die Anschlussstelle Steinhagen sechs Kilometer kürzer. Eine Änderung der Beschilderung erscheint aus diesen Gründen nicht zweckmäßig und ist deshalb nicht vorgesehen.“

Jannes Tilicke aus dem Büro Georg Fortmeier betont dennoch, man wolle in dieser Sache nicht locker lassen: „Diese erste Anfrage sollte erst einmal Druck erzeugen. Ich denke, Georg Fortmeier und Steinhagens künftige Bürgermeisterin Sarah Süß werden sich dazu weiter beraten. Auch bei Straßen NRW wollen wir noch einmal nachhaken.“ Bürgermeister Klaus Besser gibt derweil zu bedenken, dass sich Lkw-Fahrer auf ihrer Route durch Steinhagen und Brockhagen nicht zwangsläufig von Hinweisschildern beeinflussen ließen: „Im Zweifel fahren die nach Navi, und da führt die kürzeste Route oft durch Steinhagen.“

Beschwerden von Anwohnern habe es dazu im Rathaus zuletzt kaum noch gegeben: „Ich fürchte, die meisten haben sich wohl oder übel daran gewöhnt“, so Besser.

Kommentare

Rolf  wrote: 02.10.2020 07:49
Trotz Coronakrise wächst der Kreis Gütersloh ohne Ende, dann muss man die Infrastruktur und die Anzahl der Unterkünfte und Unternehmensgebäude anpassen: Nur in Steinhagen werden Häuser massiv gebaut, obwohl Flächen vorhanden sind: Kasernen, Flughafen, Karstadt-Gebäude.
Ausbau B61 ist gut, aber wenn man mehr Eisenbahnverkehr will, insbesondere mehr Güterverkehr, dann muss man die Reaktivierung der TWE forcieren: Doppelgleisig von Anfang an (oder Doppelgleisigkeit von Anfang an vorgesehen), Anschluss Gütersloh Flughafen behalten, Strecke zumindest von Hövelhof nach Harsewinkel. So weniger LKWs und Autos durch Steinhagen.
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