Ex-Hotel-Restaurant „Graf Bernhard“ in Steinhagen soll 3,2 Millionen Euro kosten
„Der Graf“ steht zum Verkauf

Steinhagen (WB). Unzählige Besucher haben im Hotel-Restaurant „Graf Bernhard 1344“ in den vergangenen 13 Jahren gegessen und getrunken, gefeiert und getagt, übernachtet und viele schöne Stunden verbracht. Corona setzte dem ein abruptes Ende, so dass Peter und Alexandra Krebs ihren Betrieb Mitte März schließen mussten. Die wirtschaftlichen Folgen: nicht abzusehen. Nun steht das Hotel- und Restaurantanwesen samt gegenüberliegendem Geschäftshaus zum Verkauf.

Dienstag, 08.09.2020, 03:00 Uhr
Noch bis Mitte März konnte man hier essen, trinken, tagen, übernachten und feiern, dann kamen mit Corona die Schließung und die Absagen: Das ehemalige „Graf Bernhard 1344“ steht zum Verkauf. Im Inserat ist vom „exklusiven Hotel- & Restaurantanwesen“ die Rede. Foto: Volker Hagemann

Auch im Inserat des Maklers, der Firma von Poll Immobilien, heißt es: „Das ehemalige ‚Graf Bernhard 1344‘ gehörte über die Stadtgrenzen hinaus zu einem der Top-Restaurants und -Hotelanwesen.“ Wie wahr: Familie Krebs bot ihren Gästen bis zur Schließung 23 Hotelzimmer mit insgesamt 40 Betten, einen Restaurantbereich mit etwa 70 Plätzen, weiteren 50 Plätzen im Wintergarten, außerdem eine Außenterrasse und den großen Festsaal, der je nach Bestuhlung und Nutzung mindestens 150 Plätze bot.

Wegen Corona hagelte es Stornierungen

Mit der Corona-Pandemie kam für die Gastronomie Mitte März die gesetzliche Zwangsschließung. Wegen der weiteren nicht vorhersehbaren Entwicklung häuften sich daraufhin laut Peter Krebs die Stornierungen seitens der Gäste: Zahlreiche bereits fest terminierte Hochzeitsfeiern im „Grafen“, Geburtstags- und sogar drei schon geplante große Weihnachtsfeiern sowie das Oktoberfest wurden abgesagt. Parallel dazu wurden geschäftliche und weitere Übernachtungen abgesagt – Peter und Alexandra Krebs zogen die Reißleine und verkündeten Anfang Mai, ihren Betrieb am Brückhof nicht wieder zu öffnen. Nach dem wirtschaftlichen Schaden durch die Ausfälle ordnete das Amtsgericht Bielefeld im Juni schließlich das Insolvenzverfahren an.

Nach WB-Informationen hat die Eigentümerfamilie General nun den Immobilienmakler von Poll mit dem Verkauf des Anwesens beauftragt. Laut Inserat umfasst das Grundstück 16.271 Quadratmeter Fläche, die Nutzfläche auf dem ehemaligen Hofgelände Niederwahrenbrock etwa 2123 Quadratmeter – davon circa 1624 Quadratmeter Gastronomiefläche. Außer dem wohl 1856 errichteten und teils unterkellerten Hauptgebäude wird eine etwa 1933 errichtete Scheune mit inseriert, ebenso eine weitere 1874 gebaute und 1927 umgebaute ehemalige Scheune sowie die von 1965 stammende Remise, die seit Jahren Büro und 400-Quadratmeter-Ausstellungsfläche der Firma Memo Möbel beherbergt. Zum Objekt gehört außerdem der etwa 1974 gebaute noch unrenovierte Kuhstall – in dem die Besucher vor zwei Jahren ein Konzert mit der Irish-Folk-Band „Broken Bread“ feierten.

Ein Kaufpreis wird in der Immobilienanzeige zwar nicht genannt, wohl aber jährliche Mieteinnahmen in Höhe von 136.080 Euro. Legt man den genannten Kaufpreisfaktor von 23,52 zugrunde, würde sich – rein rechnerisch – ein Kaufpreis von etwa 3,2 Millionen Euro ergeben.

Promis und Eisbahn

Die Anfänge des Hotel- und Restaurantbetriebs reichen bis ins Jahr 2004 zurück: Seinerzeit hatte der mittlerweile verstorbene Unternehmer Arno General den Hof Niederwahrenbrock erworben, zum Hotel und Restaurant umgebaut und ans Ehepaar Krebs verpachtet. Im März 2007 war Eröffnung des „Graf Bernhard 1344“. Viele Firmen, darunter Hörmann, Claas und Jung Pumpen, buchten hier Übernachtungen, am Wochenende kamen Touristen, und dank Kulturwerk nächtigten hier schon Promis wie Ingo Naujoks, Berti Vogts und Barbara Wussow.

Zu den vielen beliebten Veranstaltungen gehörten unter anderem mehrere Konzerte, Karnevalsfeiern und Oktoberfeste, 13-mal sorgte die einst mit der IWS initiierte Eisbahn für sportlich-fröhliche Winterwochen.

Erfolgreicher Neustart in Bad Rothenfelde

Am 11. Mai haben Peter und Alexandra Krebs in Bad Rothenfelde das Café und Weinhaus „Komm und bleib“ in unmittelbarer Nähe der Salinen eröffnet. Peter Krebs ist seit 1. September offiziell Betreiber. Das hell und freundlich gestaltete Café bietet seinen Gästen im Innenbereich, im Wintergarten samt Kamin und auf der Terrasse insgesamt 120 Plätze – wegen der Corona-Bestimmungen derzeit entsprechend weniger.

Nach der coronabedingten Insolvenz des „Graf Bernhard 1344“ wolle man nun nach vorne blicken, sagt Peter Krebs: „Wir sind gut in Bad Rothenfelde angekommen, und wir sind froh, dass der Betrieb läuft. Im Übrigen sind unter unseren Gästen immer wieder auch viele Steinhagener, die uns treu bleiben; das freut uns natürlich besonders“, sagt der Gastronom. Inzwischen beschäftigt er einschließlich der Festangestellten und der Aushilfen insgesamt 14 Mitarbeiter. Darunter auch eine Konditorin: „Denn alle Kuchen und Torten sind selbstgemacht, und in der Küche wird stets frisch gekocht.“ Peter Krebs ist selbst gelernter Bäcker, übernahm einst die Räume von Café Dop­heide am Fivizzanoplatz, den „Brückenzauber“ in der ehemaligen Schlichte-Brücke und betrieb lange das Steinhägerhäuschen am Kirchplatz, zwischenzeitlich auch das „Wirtshaus 1802 im Bültmannshof“ in Bielefeld.

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