CDU diskutiert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Der Spagat für Eltern

Steinhagen  (WB). Der Corona-Lockdown hat viele Familien an ihre Belastungsgrenze gebracht. Aber schon in „normalen“ Zeiten ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf keineswegs einfach. Was bringt die Reform des Kibiz-Gesetzes? Was brauchen Eltern zur Entlastung? Und wie ist die Kita- und Tagespflegesituation in der Gemeinde? Diese und zahlreiche weitere Fragen hat die Steinhagener CDU am Donnerstag an ihrem Stand auf dem Marktplatz erörtert, zum einen mit dem heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Raphael Tigges, zum anderen mit zwei Müttern der Elterninitiative Steinhagen.

Freitag, 04.09.2020, 04:45 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 05:01 Uhr
Diskutierten über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: (v.l.) Dr. Mechthild Frentrup, Ulrike Meyer-Wilmes, Landtagsabgeordneter Raphael Tigges, Andreas Schultmayer, Dr. Birgit Lutzer und Bürgermeister-Kandidat Hans-Heino Bante-Ortega. Foto: Bluhm-Weinhold

Eines wurde dabei ganz deutlich. Das größte Problem ist der Fachkräftemangel. Zwar wird im neuen Kibiz-Gesetz, das nach Angaben von Raphael Tigges 1,3 Milliarden Euro mehr in der frühkindlichen Betreuung vorsieht, auch der Fachkräfteschlüssel weiter ausfinanziert. Aber: Tatsächlich ist kaum Personal zu bekommen, „der Markt leergefegt“, so Tigges. „Allein bei uns in der Kita fehlen drei Fachkräfte“, sagte eine Mutter.

Ausbildung stärken

„Wir haben in Steinhagen gute Einrichtungen. Wir müssen auch die Attraktivität des Berufes fördern“, sagte Bürgermeister-Kandidat Hans-Heino Bante-Ortega. Wo er da die Rolle der Kommune sieht, ließ er offen. Raphael Tigges betonte aber, dass die Ausbildungsstätten gestärkt worden seien und die Ausbildung auch finanziell gefördert werde. Indes: An der augenblicklichen Situation der Kitas ändert das nichts.

Deshalb hat man zur Entlastung der Erzieherinnen schon Alltagshelfer eingestellt, etwa für die Küche oder auch für den morgendlichen Telefondienst, wenn etwa kranke Kinder abgemeldet werden. „Wir als Elterninitiative sehen die Alltagshelfer kritisch. Wir fragen uns, ob es tatsächlich bei ihren festgelegten Tätigkeiten bleibt, wenn Not am Mann ist in der Betreuung? Und hilft das etwas für die Aufwertung des Erzieherinnenjobs?“

Noch schwieriger wird die Situation, weil von den Kitas flexible Öffnungszeiten gefordert sind. „Wir brauchen nicht die 24-Stunden-Kita, sondern Öffnungszeiten nach dem Bedarf der Eltern“, so Tigges. In Steinhagen ist die Betreuungssituation laut der CDU zufriedenstellend, die 13. Kita entsteht demnächst, die Planung verläuft dank einer verbesserten Kommunikation mit dem Kreis-Jugendamt nun frühzeitiger.

Kernarbeitszeiten immer länger

Doch die Kinderbetreuung ist, wenn beide Eltern mit langen Arbeitstagen berufstätig sind, kaum von Kitas und Tagespflege abzudecken: Dr. Ulrike Meyer-Wilmes, die mit ihrem Ehemann die Tierklinik in Brockhagen betreibt, hat immer auf private Hilfe zurückgreifen können und müssen. „Die Kernarbeitszeiten werden allgemein immer länger“, sagte sie: „Eltern haben einen Spagat zu leisten. Einerseits wollen sie sich beruflich verwirklichen, gerade auch Frauen. Andererseits stellen sie sich die Frage, ob sie denn ihr Kind zwölf Stunden jeden Tag in der Kita haben wollen.“

CDU-Mitglied Dr. Mechthild Frentrup, selbst berufstätige Mutter, wies darauf hin, dass die Arbeitgeber noch mehr ins Boot geholt werden müssten: „Jede Familie braucht ein Modell, das auf ihren Bedarf zugeschnitten ist.“

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