Bielefelder Straße: Gemeinde Steinhagen will mit Straßen NRW Radverkehrsführung verhandeln
Neue Verkehrszählung beschlossen

Steinhagen  (WB). 10.000 Fahrzeuge sollen es pro Tag sein, die nach Angaben des Landesbetriebs Straßen NRW über die Bielefelder Straße in Steinhagen fahren. Doch das bezweifeln Gemeindeverwaltung, Politiker und Bürger. Die Belastung ist ihrer Ansicht nach viel höher. Und so beschloss der Bauausschuss am Mittwochabend, eine neue Verkehrszählung in Auftrag zu geben – um damit eine bessere Argumentation gegenüber dem Landesbetrieb zu haben, mit dem die Gemeinde über die Radverkehrsführung auf der Landstraße noch einmal zu verhandeln gedenkt.

Freitag, 28.08.2020, 05:00 Uhr
10.000 Fahrzeuge sind es laut Straßen NRW jeden Tag auf der Bielefelder Straße, mit erheblich mehr rechnet die Gemeinde. Im Bereich zwischen ZOB und Lange Straße fordern Anwohner, beide Parkstreifen zu erhalten.

Die Sanierung der Bielefelder Straße (L778) durch den Landesbetrieb Straßen NRW – eine unendliche Geschichte, die die Gemeindeverwaltung, ihren Berater Thomas Goldbeck (Büro Plan B), Gemeinderat und Bürger seit mindestens 2016 beschäftigt. Gebaut wird nach den Plänen von Straßen NRW, die Gemeinde darf wenigstens Wünsche anmelden. Und das hat sie auch getan. Nach zwei Jahren hat der Landesbetrieb nun auch 14 Fragen zum Bauvorhaben beantwortet. Doch beim Hauptstreitpunkt liegen beide nach wie vor weit auseinander: bei der Radverkehrsführung.

Gemeinde besteht auf Hochbord

Die Gemeinde besteht auf einem Geh-Radweg auf dem Hochbord und begründet das mit der Verkehrssicherheit, Straßen NRW plant Schutzstreifen auf der Fahrbahn und beruft sich auf die Vorgaben. Doch die sehen, wenn auch nicht verpflichtend, wie Thomas Goldbeck erläuterte, unterschiedliche Ausbauvarianten abhängig vom Verkehrsaufkommen vor. Entscheidend sich dafür nicht die Tages-, sondern die Stundenwerte. Und da ist Steinhagen schon nah an einem Belastungsbereich, für den ein Geh-/Radweg auf dem Hochbord empfohlen wird. Thomas Goldbeck hatte Daten aus einer Verkehrszählung des Kreises vom Oktober 2018, also kurz nach Autobahnöffnung, entnommen. Danach waren es an den beiden Messtagen nachmittags zwischen 1000 und knapp 1100 Fahrzeuge.

Bauamtsleiter Stephan Walternannte eine weitere Zahl: Die Gemeinde hatte bereits 2017 in einer Verkehrszählung durch das Büro Röwer an der Kreuzung Brockhagener Straße/Hilterweg 12.500 Kfz pro Tag ermittelt. Damals ging es um den Kreisverkehr dort. „Diese Zahl liegt weit höher als die Prognosen des Landesbetriebs bei der Inbetriebnahme der A33“, so Walter. Und selbst wenn Straßen NRW turnusgemäß 2020 eine Verkehrszählung vornehmen würde: „Die Zahlen werden erst in einem bis anderthalb Jahren veröffentlicht“, so Walter. Also: lieber selbst zählen lassen.

Weitere Themen an der Straße: der Lärm und die Parkstreifen zwischen ZOB und Lange Straße. Anwohner Harald Brune drängte darauf, dass entgegen der bisherigen Planung des Landesbetriebs zu beiden Seiten der Bielefelder Straße die Stellflächen erhalten bleiben, die sonst den Anwohnern fehlen würden. Wolfgang Arens fordert mit weiteren Nachbarn ebenfalls vehement eine neue Verkehrszählung, sonst werde er gegen die Planung klagen. „Schon jetzt werden die Grenzwerte überschritten“, sagte er und berief sich auf die Lärmkartierungen. Wenn wesentliche bauliche Veränderungen vorliegen, dann müsse aktiver Lärmschutz betrieben werden, sagte er.

Anwohner wehren sich gegen Lärm

Diese wesentlichen Änderungen sieht er mit der Neuanlage der Geh- und Radwege und der Wandlung der „Dorfstraße zum Autobahnzubringer“ gegeben. Bürgermeister Klaus Besser wandte ein, dass Straßen NRW nicht einmal mit dem Bau der Anschlussstele eine wesentliche bauliche Veränderung definierte. Wolfgang Arens schlägt vor, zum einen Flüsterasphalt einzubauen – das mache drei Dezibel aus –, zum anderen LKW nicht mehr in beiden Richtungen durch den Ort zur Autobahn fahren zu lassen: „Der Verkehr in Richtung Brockhagen soll über die Anschlussstelle Künsebeck abgeleitet werden.“ Die Belastung sei enorm, sagte er: „Ab morgens 5 oder 5.30 Uhr wackelt bei uns die Wand.“

Eine weitere Frage aus dem Ausschuss: Temporeduzierung auf 30? Doch da macht Thomas Goldbeck wenig Hoffnung: „Straßen NRW hat das vorrangige Ziel, den fließenden Verkehr aufrechtzuerhalten.“ Dem widerspräche Tempo 30.

 

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