Das WESTFALEN-BLATT stellt die Steinhagener Bürgermeisterkandidaten vor: Hans-Heino Bante-Ortega (CDU)
Der Mann fürs „Wir“-Gefühl

Steinhagen  (WB). Alleine ist man wenig, in Gemeinschaft kann man alles erreichen – das hat der Steinhagener CDU-Bürgermeisterkandidat Hans-Heino Bante-Ortega schon in seiner Kindheit verinnerlicht, ist er doch in den dörflichen Strukturen Brockhagens aufgewachsen. Dieses „Wir“-Gefühl will er auf die ganze Gemeinde übertragen. Demokratie ist für ihn ohne Gemeinschaft nicht denkbar. Auch darüber hat Redakteurin Annemarie Bluhm-Weinhold mit ihm gesprochen.

Freitag, 14.08.2020, 03:00 Uhr
Apropos Kirchturm: Zwar ist Hans-Heino Bante-Ortega in Brockhagen zu Hause, aber als Politiker und Bürgeremisterkandidat der CDU hat er die ganze Gemeinde im Blick, deren Bevölkerung er ein „Wir“-Gefühl, eine Gemeinschaft geben will. Foto: Bluhm-Weinhold

Herr Bante-Ortega, wie bodenständig sind Sie? Bei der Wahlversammlung der CDU haben Sie sich kürzlich als Bürgermeister in Gummistiefeln vorgestellt. Auch sagen Sie, dass Sie lieber bei den Bürgern ans Gartentörchen kommen als eine Nachricht zu schreiben.

Hans-Heino Bante-Ortega: Bodenständig begründet sich, weil ich hier in Brockhagen geboren bin und hier lebe. Sie begründet sich auch durch den ländlichen Raum, durch das Dorf, aber auch durch die Veränderungen wie das Minimieren des Einzelhandels, den Wandel in der bäuerlichen Kultur. All das sind prägende Erfahrungen über die Jahrzehnte. Und wer hier Familie hat, selbstständig ist als Handwerker, der kann gar nicht anders als mit dem Ort leben. Ich brauche nicht den großen Kosmos, sondern die vielen, die hunderte Menschen. Daraus setzt sich mein Gesellschaftsbild zusammen. Und deshalb bezeichne ich mich als bodenständig.

 

„Wir. Machen. gemeinsam“, das ist der Slogan der CDU. Ist das auch Ihrer als Bürgermeister, und wie füllen Sie ihn mit Leben?

Bante-Ortega: Selbstverständlich ist das auch mein Slogan. Meine Aussage ist auch „Demokratie braucht Lebendigkeit“. In einem demokratischen Austausch, in einer demokratischen Konsensfindung bei Beschlüssen und bei der Arbeit im Rathaus sollte Lebendigkeit vorhanden sein. „Wir machen gemeinsam“, da komme ich wieder auf meinen Ursprung hier im Ort zurück: Wenn man hier nicht gemeinsam wirkt, dann kann man gar nichts erreichen. Die Vielschichtigkeit, die Eigenverantwortung ist hier vor Ort stark und nur dadurch kann Gemeinsames entstehen. Vielfach aus Privatinitiativen. Das zeigt etwa im TuS, damals bei der Future Parade oder auch beim Sternchenmarkt. Heute sagt die Politikverdrossenheit häufig: Da wird ohne uns entschieden. Dem muss man etwas entgegen setzen. Wenn es um Ansiedlungen und Baugebiete geht, ist der bessere Weg, erstmal die Dinge gemeinsam anzugehen und zu formulieren. Die Leute sehnen sich einerseits nach Leitung und fordern andererseits das Mitspracherecht. Als CDU vor Ort wollen wir herausfiltern, wo diese Gemeinsamkeit dringend erforderlich ist. Das natürlich aufwändig, das ist ein zusätzlicher Auftrag. Ich fühle ich mich auch selbst nur in dieser Gemeinsamkeit wohl. Ich will hier nicht alleine spielen. Das Team ist entscheidend. Ich will Bürgermeister aller Bürger sein.

 

Alle Bürger ist ein gutes Stichwort. Sie haben sich schon viel auf Brockhagen bezogen, aber wie sind Sie auch mit den Steinhagenern und Amshausenern im Gespräch.

Bante-Ortega: ich bin nun nicht der Ur-Steinhagener. Ich bin aber dort zur Schule gegangen. Steinhagen ist schon meine Kommune. Ich kenne die alten Steinhagener Strukturen. Ich weiß noch wie die Bielefelder Straße an der Kirche entlang führt. Ich kenne die politischen Diskussionen, auch schon die ums heutige Schulzentrum, jetzt Realschule.

 

Mich würde interessieren, wie Sie mit den Steinhagenern ins Gespräch kommen. Digital über Social Media oder mit einem Stand auf dem Markt?

Bante-Ortega: Mit den Steinhagenern kommt man immer ins Gespräch, indem man sie persönlich anspricht. Über Veranstaltungen, die ich besucht habe. Beim Einkaufen, im Park. Durch meinen persönlichen Ansatz ergibt sich das. Ich brauche nicht unbedingt eine Thema oder eine Aktion. Aber am Randes des Wochenmarktes sind wir natürlich vertreten.

 

Welches wäre Ihre wichtigste „Baustelle“ als Bürgermeister?

Bante-Ortega: Ich glaube, der Brockhagener wird nicht Amshausener und Steinhagener, und der Steinhagener kein Amshausener und Brockhagener. Die drei Ortsteile sind einerseits ein zusammenhängendes Konstrukt und müssen andererseits eine eigene Definition behalten. Trotzdem: Das Verständnis der Bürgerschaft sollte eins sein – es ist unsere Gemeinde. Diese Ortsteile, die Siedlungsstrukturen wie der Ströhen muss man gleichwohl immer sehen und die Lebensbereiche der Leute dort begleiten. Es gab früher immer Straßen- oder Siedlungsfeste. Das kann ich als Bürgermeister auch fördern. Der Zusammenhalt ist enorm wichtig. Wir haben mittlerweile auch viele ethnische Gruppen. Das ist Kernaufgabe, in Zukunft zu schauen, wie ich alle, die ganze Gesellschaft erreiche. Wie kann ich ein „Wir“-Gefühl erzeugen? Auch zwischen Neu- und Alt-Steinhagenern. Es geht um Vermittlung.

 

Was muss sich noch ändern?

Bante-Ortega: Steinhagen ist schon ganz gut aufgestellt. Steinhagen muss sich finden, da wo es jetzt angekommen ist. Zum Beispiel mit der Autobahn und den Zubringerstraßen. Da muss man in den nächsten Jahren schauen, wo man Strukturen anpassen muss. Verkehrsführung ist zentraler Punkt. Wie bewege ich mich in Zukunft? Wie sind die Verkehrsmittel? Sind die Außenbereiche angebunden? Damit die Lebensqualität erhalten bleibt, gilt es auszutarieren, welche Möglichkeiten wir haben, den Verkehr zielgerichtet zu führen.

 

Der CDU gilt die Wirtschaft als Kernkompetenz. Wie sieht Wirtschaftsförderung bei Ihnen aus?

Bante-Ortega: Man muss sehen, dass die Gewerbesteuern eine finanzielle Basis der Gemeinde sind. Dementsprechend muss sich Verwaltung und Politik für die heimischen Betriebe interessieren. Nicht behördliches Auftreten, sondern ein partnerschaftliches Verhältnis gegenüber den Firmen ist gefragt – ohne die gebotene Distanz zu verlieren. Wirtschaftsförderung ist vielfältig. Das kann ein Preis sein, den man etwa für Innovationen oder Nachhaltigkeit vergibt, das kann das Bemühen um Baugrund sein, aber auch die Vermittlung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Alles im Rahmen der Gemeindeordnung. Man muss immer Gerechtigkeit wahren und alle gleichermaßen sehen. Zwischen Groß- und mittelständischen Unternehmen und dem kleinen Handwerker liegen große Unterschiede. Wir müssen nicht als Gemeinde Geld in die Hand nehmen. Wir müssen Unterschiedliches bieten: den elektronischen Austausch über eine App oder das Gespräch darüber, welche Form von Ansiedlung gewünscht wird.

 

Sie gelten als gut vernetzt, haben 2014 bei der Kommunalwahl das beste Einzelergebnis in der Gemeinde erzielt. Wird Ihnen das auch für das Bürgermeisteramt Pluspunkte bringen?

Bante-Ortega: Aus Brockhagen heraus natürlich. Ein gutes Ergebnis wiederholt sich nicht von allein. In Brockhagen kennt man mich durch meine jahrelange unentgeltliche Ehrenamtsarbeit im Sport in der Grundschule, beim TuS, sporadisch auch beim Heimatverein und in der Kirchengemeinde, in Steinhagen wird man mich noch besser kennenlernen wollen oder müssen.

 

Was qualifiziert Sie als Verwaltungschef?

Bante-Ortega: Als Verwaltungschef qualifiziert mich, dass mir einerseits die Prozesse der Verwaltung sehr bekannt sind. Ich bin seit zehn Jahren im politischen Geschäft in Steinhagen. Ich weiß, wie Vorlagen entstehen und was sie aussagen, ich kenne die Mitarbeiter im Rathaus und die Gemeindeordnung. Andererseits denke ich als Brockhagener, als Handwerker, als Familienvater. Klar gibt es Spielräume, Verwaltung noch anders aufzustellen. Wir haben hervorragende Amtsleitungen. Als Handwerker habe ich mich immer schon mit Zahlenwerk auseinander gesetzt und die Gesetzgebung beachten müssen. Das Verwaltungsrecht habe ich natürlich nicht studiert. Die Frage ist, ob das nötig ist oder ob es nicht aus demokratischer und gesellschaftlicher Sicht besser ist, wenn nicht alles auf Verwaltung ausgerichtet ist. Wenn jemand mit einer anderen Sichtweise ins Rathaus kommt, entstehen zwangsläufig Nachfragen und Diskussionsprozesse, die es sonst vielleicht nicht geben würde.

 

Wie sind Sie zur Politik gekommen? Gab es Vorbilder?

Bante-Ortega: Politik war immer Thema bei uns zu Hause. Insofern bin ich damit groß geworden. Zu meiner Jugend waren die großen Debatten mit Franz Josef Strauß, mit Brandt, mit Wehner. Es gab politisches Kabarett mit Hildebrandt. Und es gab hier in der Gemeinde Leute wie Harald Schroeder von der CDU, mit denen man sprach, und Rudi Wolf, der mich fragte, ob ich nicht bei der UWG mitmachen wollte, später Henning Kienker, der mich zurückgeholt hat in die UWG. Politik ist für mich Verpflichtung. Wenn ich eine Demokratie haben will, muss ich meinen persönlichen Anteil leisten.

 

Volllenden Sie bitte den Satz: „Als Bürgermeister möchte ich für Steinhagen...“

Bante-Ortega: ...einen zukunftsorientierten Ort, in dem sich Aufenthaltsqualität zeigt, das kulturelle Leben stark ist, die Wirtschaftskraft bleibt wie sie ist, in dem sich die Menschen verstehen und in dem es sich gut und gerne leben lässt.

 

Zur Person

Hans-Heino Bante-Ortega (62), ist Malermeister, ehemals selbstständig, verheiratet und als Vater von fünf Kindern seit 2002 Hausmann. Seitdem ist er freiberuflich und vor allem ehrenamtlich tätig, unter anderem von 2013 bis 2018 als Vorsitzender des TuS Brockhagen, seitdem als zweiter Vorsitzender.

1985 kandidierte er das erste Mal für die UWG, 2009 bis 2014 erneut im Gemeinderat. Als die UWG 2014 nicht wieder antrat zur Kommunalwahl, wechselte er zur CDU und zog erneut in den Rat ein. Seit Ende 2019 ist er Fraktionsvorsitzender.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7533981?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516077%2F
Neuhaus glaubt an „mächtig Stimmung“
Uwe Neuhaus (links, mit Assistent Peter Nemeth) setzt auf die Hilfe der Fans. Foto: Starke
Nachrichten-Ticker