Männerchor Amshausen trifft sich nach vier Monaten Zwangspause erstmals wieder
Motivation kommt auch aus den USA

Steinhagen-Amshausen (WB). Seit mittlerweile vier Monaten haben sie nicht mehr zusammen gesungen, nicht geprobt – von öffentlichen Auftritten ganz zu schweigen. Und das ausgerechnet jetzt, wo doch im kommenden Jahr das 100-jährige Bestehen gefeiert werden sollte. Der Männerchor Amshausen kämpft derzeit an mehreren Fronten. „Aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, sagt Bernd Meerkötter, zweiter Vorsitzender des Chores. Eine Aufmunterung „zum Durchhalten“ kam jetzt sogar aus Minnesota in den USA.

Samstag, 11.07.2020, 07:00 Uhr
Er bleibt kreativ und optimistisch, dass es trotz Corona irgendwann mit Proben und Auftritten weitergehen kann: Bernd Meerkötter, zweiter Vorsitzender des Männerchores Amshausen, hier in seinem eigenen kleinen Tonstudio. Foto: Volker Hagemann

„Natürlich ist es so schon nicht einfach; unser Männerchor besteht derzeit aus 24 Mitgliedern, und die meisten von uns sind über 70 oder gar über 80“, sagt Bernd Meerkötter. Doch das sei noch lange kein Grund, voreilig das Handtuch zu werfen: „Erst im vergangenen Jahr haben wir ja unser neues Konzept des Mitsing-Konzertes erstmals auf der Bühne ausprobiert – und das kam beim Publikum richtig gut an!“, erinnert sich der zweite Vorsitzende. Klar, dass man das so schnell wie möglich fortführen und darauf aufbauen wollte. Doch dann kam die Corona-Pandemie...

Das Singen und die Aerosole

„Unser letztes Konzert war an Heiligabend 2019 im Friedrich-von-Bodelschwingh-Haus, und im März gab es die vorerst letzte der sonst wöchentlichen Chorproben. Die haben wir aus Vorsicht bisher nicht wieder aufgenommen“, berichtet Bernd Meerkötter. Denn auch der Deutsche Chorverband gibt zwar Tipps zu Proben- und Auftritts-Möglichkeiten mit entsprechenden Abständen, durchlüfteten Räumen und Höchstteilnehmerzahlen. „Andererseits weist der Verband auch ausdrücklich auf das erhöhte Infektionsrisiko hin, das durch Aerosole in der Luft entsteht – insbesondere beim Chorsingen“, so Meerkötter.

Laut Chorverband sollten „alle Sänger, die zu Risikogruppen gehören, nach Möglichkeit auf digitale Probenangebote ausweichen und auf ihre Anwesenheit bei Präsenzproben bis auf Weiteres verzichten“, heißt es. Doch solche digitalen Möglichkeiten habe in den Reihen des Amshausener Männerchores eben auch nicht jeder, weiß Bernd Meerkötter.

Tonstudio zu Hause eingerichtet

Ganz im Gegensatz zu ihm selbst übrigens: Als Radio- und Fernsehtechnikermeister hat der heute 78-Jährige eine große Technik-Affinität. Zu Hause hat er sich ein kleines Tonstudio eingerichtet, mischt Musik und experimentiert gern damit, mehrere Tonspuren an Gesang und Instrumentalem übereinander zu legen. Zur Motivation des gesamten Männerchores Amshausen erhielt er jetzt einen besonderen digitalen Gruß aus den USA: Schlagersänger Tony Sandler schickte ein Tondokument mit persönlich aufgesprochenem Gruß und einem Ausschnitt aus seinem musikalischen Repertoire. „Damit Ihr den Zusammenhalt auch in schwierigen Corona-Zeiten nicht verliert“, so Sandler. Der gebürtige Belgier, der später in die USA auswanderte, war vor allem in den 1950er und 60er Jahren musikalisch erfolgreich, nahm unter anderem am Vorentscheid zum deutschen Schlager-Grand Prix teil und wirkte auch in Spielfilmen an der Seite von Claus Biederstaedt, Harald Juhnke, Gerlinde Locker und anderen mit. In den USA stand er unter anderem mit Ella Fitzgerald und Sammy Davis junior auf der Bühne.

Über Verwandte und Freunde in Steinhagen lernte Sandler in den 50er Jahren Bernd Meerkötter kennen. Im Laufe der Zeit entstand eine Freundschaft mit Briefwechsel und gegenseitigen Besuchen, die bis heute anhält. „Ich habe ihn auch oft in Belgien besucht, wenn er dort im Studio für Polydor Schallplatten aufnahm“, erinnert sich der Steinhagener. Der war schon als junger Mann begeistert von Musik und Tontechnik: „Nach den Besuchen im Studio hatte ich Blut geleckt, also habe ich mir 1955 von meinem ersten Lehrgeld – 45 Mark – ein Telefunken-Tonbandgerät gekauft“, erinnert er sich mit einem Leuchten in den Augen.

Tony Sandler muntert die Sänger auf

Tony Sandler will die Amshau­sener Chormitglieder nun aufmuntern: „Auch ich habe in meiner über 65-jährigen Bühnenkarriere in Europa und den USA immer wieder Höhen und Tiefen erlebt.“ Der Chor solle zuversichtlich bleiben: „Ihr habt mit Eurer Rhythmusgruppe ein attraktives Repertoire zu bieten. Und nach jedem Down folgt immer ein High!“, gibt er ihnen mit auf den Weg.

Das sieht auch Bernd Meerkötter so: „Am kommenden Dienstag treffen wir uns nun das erste Mal wieder nach der langen Zwangspause. Zwar noch nicht zur Probe, aber ich bin gespannt, welche Ideen und Wünsche geäußert werden. Es geht mit Sicherheit eines Tages weiter, vielleicht kriege wir zum 100-Jährigen etwas Schönes auf die Beine gestellt!“

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