Steinhagener Gastronomen zwischen Zuversicht und Verärgerung
Corona, Tönnies und die Kneipen

Steinhagen (WB). Turbulente Zeiten auch für Steinhagens Gastronomie : Seit Mitte März waren die Stühle für zwei Monate hochgestellt, dann durfte unter strengen Auflagen wieder geöffnet werden. Der erneute, diesmal kreisweite Lockdown fiel jetzt etwas milder aus, doch drei Bierchen mit fünf Freunden aus vier Haushalten mussten abermals verschoben werden. Wie sieht es aktuell aus in den Steinhagener Kneipen und Restaurants?

Mittwoch, 08.07.2020, 07:30 Uhr aktualisiert: 08.07.2020, 12:04 Uhr
Wolfgang Lehnert serviert auf seiner umgebauten Veranda in Sussiek’s Mühle ein Zötler-Weizenbier. Die Umsatzeinbußen durch die Corona-Einschränkungen halten sich in Grenzen, sagt er. „Die Gaststätte ist eh mein Hobby.“ Foto: Volker Hagemann

„Der jetzt zu Ende gegangene Lockdown hat uns in der Tat wieder ein Stück weit herunter gerissen“, wie es Carina und Ruim Budzaku vom Restaurant „La Fucina“ in der Alten Schmiede ausdrücken. „Durch die Beschränkung der Zahl der Haushalte, die zusammen Essen gehen durften, fielen mehrere kleinere und mittlere Geburtstagsfeiern zumindest vor Ort bei uns aus.“ Doch Carina Budzaku lobt das Verständnis und die Treue ihrer Gäste: „Viele von ihnen haben sich nämlich während des Lockdowns die Speisen bei uns abgeholt oder liefern lassen, um dann eben privat zu feiern.“ Denn diese Außer-Haus-Angebote für alle Gerichte der Karte biete man auch weiterhin an. Die finanziellen Einbußen seit Mitte März hielten sich „gerade noch in Grenzen“: „Als Familienunternehmen geht das noch. Und auch wenn wir coronabedingt weiter nur die Hälfte unserer Plätze nutzen dürfen, bleiben wir optimistisch“, sagt die Chefin.

Zeit für Renovierung nutzen

Optimistisch bleibt auch Guido Wolkenstein – auch wenn seine Brockhagener Gaststätte Wolkenstein vorerst weiterhin nur die Abholung von Gerichten auf Bestellung anbietet: „Alles andere rechnet sich für uns unter den aktuellen Beschränkungen einfach nicht“, sagt er. Möglich sind bei ihm vor Ort dennoch Familienfeiern mit 25 bis 50 Gästen als geschlossene Gesellschaft unter Berücksichtigung der aktuellen Corona-Vorschriften, und auch der Partyservice ist wieder zunehmend gefragt. Guido Wolkenstein überlegt, seine Gaststättenräume vielleicht ab Oktober wieder für Gäste zu öffnen. Bis dahin ist er nicht untätig: Der Thekenraum wurde bereits neu gestrichen, der Eingangsbereich neu gefliest und eine neue Bestuhlung geordert. Zudem wird der Anlauf einer der beiden Kegelbahnen erneuert.

Investiert hat in den vergangenen Monaten auch Wolfgang Lehnert, Eigentümer von Sussiek’s Mühle an der Lönsstraße in Brockhagen. Damit der Zugang zur Gaststätte barrierefrei wird, wurde ein Teil der Außengastronomie zur höher gelegenen Veranda umgebaut, mit der neuen Rampe dürften nun auch Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen keine Probleme mehr haben. Natürlich musste auch in der Mühle das Platzangebot wegen des Abstands deutlich verringert werden, „aber wir sind dank der Ausflügler ganz gut ausgelastet“, sagt Wolfgang Lehnert, der in der Gaststätte von einer Köchin unterstützt wird. Zusätzlich zur kleinen Speisekarte will er ab August an jedem ersten Wochenende im Monat auf Vorbestellung Forellen räuchern.

Auch bei ihm halten sich die Corona -Einbußen immer noch im Rahmen: „Als Eigentümer muss ich zum Glück keine Pacht zahlen. Das Ganze hier ist ohnehin mein Hobby“, sagt er.

Klage gegen Firma Tönnies

An mehreren Fronten kämpft Denis Mann, Betreiber des Restaurants „Mann & Metzger“ am Kirchplatz: „Erst der große Lockdown im Frühjahr, dann der Ärger mit der Baustelle vor unserer Tür , jetzt der zweite Lockdown mit Stornierungen von mehreren Familienfeiern sowie obendrein verunsicherte Kunden“, zählt er auf. Denn: „Viele essen kein Fleisch mehr, weil sie befürchten, es könne bei Tönnies geschlachtet worden sein“, berichtet Denis Mann. Doch er betont: „Unser Fleisch kommt nicht von Tönnies; wir beziehen es von Bauern und kleinen Schlachtern, etwa aus Versmold. Da bieten wir größtmögliche Transparenz.“

Dennoch habe er wegen dieser Verunsicherung „größere Umsatzeinbußen“ – und schließt sich nun einer Klage gegen den Schlachthof Tönnies an, die die Anwaltskanzlei von Langsdorff aus Berlin-Tempelhof einreicht. „Darin geht es um den Tönnies-Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz“, sagt Denis Mann. „Mal sehen, was dabei herauskommt...“

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