Steinhagener Geschäftsleute geben Mehrwertsteuersenkung an ihre Kunden weiter
Wird jetzt wirklich mehr gekauft?

Steinhagen (WB). Seit dem 1. Juli gilt der vorübergehend gesenkte Mehrwertsteuersatz: Bis zum 31. Dezember 2020 wird die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent gesenkt, beim ermäßigten Satz (etwa für Lebensmittel oder Zeitschriften) von sieben auf fünf Prozent. Wie und wo merken das Kunden auch in Steinhagen?

Samstag, 04.07.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 04.07.2020, 05:02 Uhr
Flotter Flitzer: Vor allem beim Autokauf lassen sich jetzt gleich mehrere hundert Euro sparen. Moritz Petersmeyer vom Brockhagener Autohaus Petersmeyer hätte da noch diesen 165 PS starken Abarth 595 Pista auf dem Hof... Foto: Volker Hagemann

Die Mehrwertsteuersenkung ist Teil eines Maßnahmenpaketes der Bundesregierung, mit dem die Wirtschaft besser durch die Coronakrise kommen soll. Die Hoffnung: Das rege den Konsum an und sei sozial gerecht ausgestaltet, weil die Mehrwertsteuer von allen gezahlt werde, heißt es.

Keine Verpflichtung, die Steuersenkung weiterzugeben

Vorab: Händler und Unternehmen sind keinesfalls verpflichtet, die Steuersenkung an ihre Kunden weiterzugeben. Bei ihrer Preisgestaltung steht es ihnen auch durchaus frei, Preise beizubehalten und dadurch ihre Gewinnspanne zu erhöhen. Viele Unternehmen in Steinhagen bieten den Kunden allerdings dadurch ermäßigte Preise. Um nicht sämtliche Preisschilder austauschen zu müssen, empfiehlt das Bundeswirtschaftsministerium, die pauschalen Rabatte erst an der Kasse zu gewähren.

So handhabt man das auch im Modegeschäft „Wandelbar“ an der Bahnhofstraße: „Uns war schnell klar, die Steuersenkung an die Kunden weiterzugeben“, sagt Inhaberin Anja Polkowski. „Natürlich ist auch uns bewusst, dass dadurch nicht plötzlich zig Kunden mehr kommen. Aber in einem kleinen Ort wie Steinhagen mit einer inzwischen sehr überschaubaren Zahl an Geschäften sollte man alles versuchen, um Kunden etwas Attraktives zu bieten. Und beim Kleidungskauf kann man in diesen sechs Monaten schon den einen oder anderen Euro sparen“, findet Anja Polkowski.

Edelmetallpreise sind in Coronazeiten hoch

Ein paar Schritte weiter, in der Goldschmiede Sonnenberg an der Bahnhofstraße, wird ebenfalls an der Kasse der ermäßigte Endpreis berechnet. „Das ist am einfachsten“, sagt Goldschmied Marc André Sonnenberg und merkt zugleich an, dass sich das bei so manchem Schmuckstück deutlich bemerkbar mache: „Die Edelmetallpreise sind in Coronazeiten gerade sehr hoch und recht stabil, beispielsweise Gold. Da ist eine Mehrwertsteuersenkung natürlich willkommen. Günstiger ist momentan Platin“, nennt Sonnenberg zwei Beispiele. „Aber ich denke auch, wer ein besonderes, individuelles Schmuckstück kaufen möchte, wird den Zeitpunkt kaum von der Steuersenkung abhängig machen. Das ist eher ein positiver Nebeneffekt.“

Um noch größere Summen geht es in der Regel beim Autokauf. „Auch wir geben die Mehrwertsteuersenkung direkt an unsere Kunden weiter, das macht für sie finanziell schon richtig etwas aus“, sagen Rainer und Liane Petersmeyer vom Brockhagener Autohaus Petersmeyer in der Horststraße. Um in den Genuss der Preissenkung zu kommen, gilt, wie es offiziell heißt, das Datum des Eigentumsübergangs, also der Tag der Auslieferung. Und wenn oft davon gesprochen wird, Anschaffungen wegen der Steuersenkung vorzuziehen, dann gibt es auch den umgekehrten Fall, wie Juniorchef Moritz Petersmeyer berichtet: „Ein Kunde wollte sich schon im Frühjahr ein neues Fahrzeug bei uns kaufen; als die Mehrwertsteuersenkung ab 1. Juli bekannt wurde, hat er natürlich noch gewartet und kam verständlicherweise erst jetzt zu uns.“

An einer wichtigen Stelle könnten Verbraucher die Senkung der Mehrwertsteuer spüren: bei den Energiekosten. Die Gemeindewerke Steinhagen berechnen bis Ende des Jahres Strom, Gas und Fernwärme mit 16 statt 19 Prozent, Trinkwasser mit fünf statt sieben Prozent, wie Geschäftsführer Stefan Lütgemeier mitteilte. Ebenso sinkt der Eintritt für das Waldbad und das – vorübergehend wegen Reparatur geschlossene – Hallenbad.

Handelsverband äußert Kritik

Nicht jeder sieht die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer nur positiv. Kritik äußerte etwa Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des OWL-Handelsverbandes: „Der bürokratische Aufwand für ein halbes Jahr ist immens.“ Er sehe kaum Chancen, dass die Senkung zu zusätzlichen Kaufanreizen führt. Diejenigen, bei denen das Geld in der Krise besonders knapp sei, würden angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Situation wohl eher sparen. Für jene aber, die ohnehin ausreichend Geld zur Verfügung hätten, sei eine Senkung um drei Prozentpunkte in der Regel kein Argument, deswegen nun mehr zu konsumieren.

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