Kostenlose Corona-Tests: Mitarbeiter in Steinhagen an der Belastungsgrenze
Ansturm auf Arztpraxen

Steinhagen (WB). Kostenlose Corona-Tests für alle Bürger aus dem Kreis Gütersloh beim Hausarzt oder in einem der Testzentren – was die Landesregierung in der vergangenen Woche so vollmundig angepriesen hat, stellt manche Arztpraxis vor große Probleme. Und die Kommunikation dazu vorab lief offenbar nicht gerade ideal.

Donnerstag, 02.07.2020, 12:00 Uhr
Das Berufskolleg an der Kättkenstraße in Halle gehört zu den derzeit fünf Testzentren im Kreisgebiet, an denen sich Bürger aus dem Kreis Gütersloh kostenlos testen lassen können. Vom heutigen Donnerstag an ist es nur noch von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Foto: Kerstin Panhorst

Am Donnerstag, 25. Juni, hatte das NRW-Gesundheitsministerium über diese kostenlose Testmöglichkeit informiert. Die freiwilligen Reihentestungen sollten dazu dienen, „schnellstmöglich herauszufinden, ob das Virus in die breite Bevölkerung hineingetragen wurde oder nach wie vor auf die Belegschaft der Firma Tönnies beschränkt ist“, hieß es da. Und: „Eine frühzeitige und zahlreiche Teilnahme von möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern an den Testungen hilft, zügig entsprechende Erkenntnisse zu sammeln.“ Als dann auch noch immer mehr Bundesländer einen höchstens 48 Stunden alten Corona-Test von Urlaubern verlangten, war der Run auf Praxen und Testzentren riesig – andernfalls drohe neu anreisenden Urlaubern ein Beherbungsverbot .

Telefon steht nicht mehr still

Das spürte man auch in Steinhagen: „Schon gleich am Donnerstag und Freitag hatten wir einen enormen Ansturm zu bewältigen“, berichtet etwa Dr. Michael Klessing. In seiner Brockhagener Hausarztpraxis habe das Telefon seitdem nicht mehr still gestanden. „Unser Praxisteam arbeitete an der Belastungsgrenze. Ein weiteres Problem war, dass wir damit kaum noch Zeit für unsere anderen Patienten hatten“, sagt Michael Klessing. „40 Corona-Test-Kits waren in den ersten 24 Stunden weg.

Als sich der Ansturm dann am Montag noch zuspitzte, sind wir dazu übergegangen, den Leuten Tüten mit Test-Kits zum Selbstabstrich mitzugeben. Das ist für jeden recht einfach zu bewerkstelligen: Mit dem Tupfer aus dem Röhrchen streicht man mehrfach über die Mundschleimhaut im hinteren Teil der Mundhöhle. Der Tupfer kommt dann wieder in das Röhrchen, das fest verschlossen wird“, erklärt der Allgemeinmediziner.

Und Patienten, die mobil sind und ohne Corona-Symptome, schicke man inzwischen zu den Testzentren wie beispielsweise am Haller Berufskolleg oder am Städtischen Klinikum Gütersloh. „So können wir den Ansturm etwas besser steuern“, so Klessing. Auch für den Besuch der Testzentren unbedingt an Personalausweis und die Versichertenkarte der Krankenkasse denken!

48-Stunden-Frist läuft erst ab Befund

Dr. Michael Klessing hätte sich eine insgesamt bessere Vorbereitung für all das gewünscht. „Man hätte vielleicht Abstrichzentren schon eher einrichten können“, überlegt er. Außerdem habe es anfangs noch bei vielen Patienten Unsicherheit hinsichtlich der Aktualität eines Corona-Tests gegeben. Doch dazu betonte Kreis-Sprecherin Beate Behlert erst kürzlich: „Die 48-Stunden-Frist, die vielerorts eingefordert wird, läuft ab Befund –  nicht ab Zeitpunkt des Abstrichs.“

Schlange stehen für den Abstrich hieß es in den ersten Tagen auch vor der Steinhagener Gemeinschaftspraxis Metzner/Müller. Dr. Ute Müller wünscht sich insgesamt mehr Gelassenheit: „Die kostenlosen Tests sind in erster Linie dazu da, um Aufschluss über das Infektionsgeschehen im Kreis Gütersloh außerhalb der Tönnies-Belegschaft zu geben. Selbst wenn im schlimmsten Fall eine Urlaubsreise flach fällt – es geht doch um eine sehr, sehr ernst zu nehmende Pandemie!“ Doch sie betont: „So ein Abstrich sagt längerfristig kaum etwas aus, das Testergebnis ist schließlich nur eine Momentaufnahme.“

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