Ökumenischer Gottesdienst in Steinhagen: Was Pfingsten Corona entgegen setzen kann
Kraft, Liebe, Besonnenheit

Steinhagen (WB/jog). „Der strahlende Sonnenschein passt zu Pfingsten«, sagt Gemeindereferent Simon Wolter bei der Begrüßung der etwa 60 Gottesdienstbesucher. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, dass »das Strahlen auf uns übergeht und wir mit Kraft, Liebe und Geduld gestärkt in den Alltag zurück kehren«.

Dienstag, 02.06.2020, 07:00 Uhr
Mitsummen erlaubt, Singen verboten: Auch der ökumenische Pfingstgottesdienst in Steinhagen stand in diesem Jahr im Zeichen von Corona und wurde nicht in, sondern vor der Kirche Sankt Hedwig gefeiert. Foto: Johannes Gerhards

Wie so vieles in diesen Tagen, steht auch der ökumenische Pfingstgottesdienst ganz im Zeichen von Corona. Die Besucher können zwar auf die übliche Gesichtsverhüllung verzichten, müssen sich aber am Eingang namentlich registrieren lassen und die Hände desinfizieren bevor sie zu einem Sitzplatz geleitet werden. Einige Gäste haben vorsichtshalber die eigenen Stühle mit.

Summen statt singen

Auch das aktive Mitsingen der Kirchenlieder ist noch untersagt, stattdessen sorgt ein Bläserensemble für musikalische Untermalung und feierliche Stimmung. Wie Klaus Besser in seinem ersten offiziellen Grußwort seit der Eröffnung der Frühjahrskirmes am 6. März erläutert, stehen Details zur Ausrichtung eines Gottesdienstes im 20-seitigen Anhang der aktuellen Landesvorgaben zur Corona-Situation. »Die Pandemie wird auch weiterhin unser Leben verändern«, sagt der Bürgermeister mit Blick auf die zurück liegenden 28 Treffen des Krisenstabes und die Tatsache, dass das Internet zunehmend zum Sprachrohr der Verwaltung geworden ist.

Wie sehr Corona das Leben bestimmt wird deutlich, als Menschen zu Wort kommen und von ihren ganz persönlichen Empfindungen und Erfahrungen berichten. »Ich fühle mich verlassen, hast du mich verlassen? « fragt eine Seniorin, die die Nachbarn hinter den Gesichtsmasken kaum noch erkennen kann. »Homeoffice und Homeschooling mit drei kleinen Kindern, das ist wie Zähneputzen mit Nutella – es geht gar nicht«, gibt eine junge Mutter Einblick in ihr Familienleben. Als besonders tragisch wird in einem weiteren Redebeitrag empfunden, dass selbst endgültiges Abschiednehmen nur mit Sondergenehmigung möglich ist und Beerdigungen nur im engsten Kreis stattfinden können.

Nur nicht verzagen

»Der Geist Gottes lässt uns nicht verzagen«, betont Pfarrerin Petra Isringhausen und erinnert an den Brief des Paulus an Timotheus, der dem diesjährigen Pfingstgottesdienst sein Motto gibt. »Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit« heißt es in der Bibel (2. Tim 1,7). Pastor Dr. André Heinrich stellt in seiner Predigt die individuelle Gabe in den Mittelpunkt, die jeder von uns besitze. Sie bedürfe allerdings wie ein Feuer der ständigen Nahrung durch das Wort Gottes und nicht durch »von Bosheit, Aggression und Hilflosigkeit geprägtem sinnlosen Geschwätz« in sozialen Medien.

»Immer hören, was der Trainer sagt«, so zieht Simon Wolter eine Parallele zum derzeit ebenfalls arg gebeutelten Sportgeschehen. Er empfiehlt, mit einer gelegentlichen Auszeit Abstand vom eigenen Leben zu nehmen und sich nicht der Angst vor Ansteckung oder Jobverlust hinzugeben. »Leben wir diesen Geist, dann sind wir als Kirche systemrelevant«, so sein Appell.

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