Markierungen und Maske: Friseure arbeiten wieder und sind auf Wochen ausgebucht
Über den Catwalk zum Waschen

Steinhagen  (WB). Zwei aufgeklebte weiße Linien markieren den Hauptlaufweg im Friseursalon Hop an der Bahnhofstraße in Steinhagen, den jede Kundin, jeder Kunde nehmen muss. „Unser Catwalk“, kommentiert Inhaberin Zehra Kopal-Hop. Erster Halt ist an der Desinfektionsstation, dann geht’s direkt zum Haarewaschen – und erst dann an den Platz vorm Spiegel. Seit Montag darf Coiffeur Hop, wie alle Friseurbetriebe im Land, wieder öffnen. „Wir freuen uns riesig, endlich arbeiten zu dürfen“, sagt Zehra Kopal-Hop. „Sechs Wochen, das war eine lange Durststrecke“, sagt auch Anja Frank, die ihren Salon an der Roten Erde hat. Stellvertretend für alle hat das WESTFALEN-BLATT mit diesen beiden gesprochen.

Dienstag, 05.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 05:02 Uhr
Der Hauptlaufweg von der Eingangstür zur Desinfektionsstation und weiter zum Waschbecken ist mit Linien auf dem Boden bei Coiffeur Hop markiert: „Unser Catwalk“, scherzt Zehra Kopal-Hop (re.). Eine Plexiglasscheibe ist an der Kasse montiert. Foto: Bluhm-Weinhold

Die sechs Wochen haben Zehra Hop und ihr Team gut genutzt, viele Meetings im Videochat abgehalten und ein Konzept auf die Beine gestellt, das über den vorgeschriebenen Sicherheitsstandard hinausgeht. So sind die ohnehin schon zwei Meter auseinanderliegenden Serviceplätze zusätzlich mit Plexiglasscheiben voneinander getrennt, eine weitere Scheibe ist vor den Kassenbereich gezogen worden. Und Zehra Kopal-Hop hat ihr Team in zwei Schichten eingeteilt. Vier arbeiten von 8 bis 15 Uhr, die anderen vier von 15 bis 22 Uhr. So könnte im Fall der Fälle eines Corona-Verdachtsfalls die andere Schicht weitermachen.

Ungewohnt: Arbeiten mit Maske und Handschuhen

Gewöhnungsbedürftig: „Es ist schon eine Umstellung mit Maske und Handschuhen zu arbeiten.“ Sie macht deutlich: „Wir fühlen uns sicher. Und auch für die Kunden ist die Sicherheit wichtig.“ Am Montag überwog die Freude auf beiden Seiten. „Wir haben so liebe Kunden“, sagte Mitarbeiterin Sabine. Bereits im Vorfeld, seit der Neustart am 4. Mai feststand, haben die Kunden telefonisch Termine vereinbart. „Auf drei Wochen sind wir ausgebucht“, so die Saloninhaberin. Während der sechs Wochen der Schließung hat sie ihre Mitarbeiterinnen und ihren Mitarbeiter weiterbezahlt, das zunächst beantragte Kurzarbeitergeld gar nicht abgerufen. „Ich bin froh, dass wir in Deutschland sind und Hilfen beanspruchen könnten“, sagt sie. Das gebe es in keinem anderen Land. „Länger als vier, sechs Wochen hätte ich das aber nicht durchgehalten“, sagt sie und erinnert deshalb auch an die Kosmetikerinnen, denen man die Öffnung dringend wieder erlauben sollte.

Große Erleichterung auch bei den Kundinnen und Kunden

Was für eine Durststrecke auch für die Kundinnen und Kunden. Manch einer der Herren hatte ein ganz ordentliche „Matte“, als er sich Montag im Salon von Anja Frank einfand. Und auch eine Kundin meinte erleichtert: „Ich bin glücklich. Ich war acht Wochen nicht draußen. Nicht mit diesen Haaren.“ Auch Anja Frank ist für die nächsten zwei Wochen komplett ausgebucht, hat schon weit im Voraus telefonisch Termine vergeben und arbeitet in ihrem „Eine Frau“-Betrieb nun erst einmal in Doppelschicht von morgens 7.30 bis abends um 21 Uhr. „Ich arbeite gerne, und nun darf ich das auch wieder“, sagt sie voller Freude.

Wirtschaftlich waren die sechs Wochen der verordneten Schließung zu ertragen. „Ich hatte Soforthilfe beantragt, und das hat auch gut geklappt. Montags habe ich den Antrag gestellt, mittwochs war das Geld da.“ Dennoch: Zu arbeiten ist besser. Und wenn das im Moment auch bedeutet: viel Planung, dass die Kunden richtig getaktet kommen, auf Sicherheitsabstand achten, Kundinnen und Kunden ganz ungewohnt unter Masken, und die Friseurmeisterin selbst trägt einen Gesichtsschutz aus Plexiglas. „Nach fünf Stunden fängt die Platte vor der Stirn aber an zu drücken. Dann wechsel ich zur Maske“, schildert sie ihre Erfahrungen im Alltag mit der Corona-Schutzverordnung.

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