Wie Dirk Isringhausen und sein Team im Steinhagener Combi die Lebensmittelversorgung sichern
„Die Wertschätzung ist gestiegen“

Steinhagen (WB). Der Combi-Markt in Steinhagen am Donnerstagvormittag: Alle vier Kassen sind besetzt, überall Warteschlangen. Doch die sind gar nicht so lang wie sie aussehen. Denn alle Kunden halten sich an die Markierungen und stehen luftig auf Abstand. Letztlich geht’s flott an der Kasse. Und das muss es auch: In Zeiten der Pandemie sind effizient durch den Markt gesteuerte Kundenströme wichtiger als das ausgiebige Einkaufserlebnis, wie Combi-Inhaber Dirk Isringhausen erklärt. Er und sein 75-köpfiges Team sind im Corona-Krisenmodus – auch wenn er sagt: „Es ist nur unser Job, wenn auch unter anderen Bedingungen.“ Doch was sind derzeit die größten Herausforderungen? Und warum wird so viel Toilettenpapier gekauft?

Samstag, 04.04.2020, 07:00 Uhr
Neue Ware ist eingetroffen: Abteilungsleiterin Stephanie Drabinski räumt Obst und Gemüse vom Rollwagen in die Auslage. Dirk Isringhausen packt mit an. Alle Hände werden gebraucht, damit die Lieferungen in den Laden kommen. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Das wichtigste ist, dass alle gesund bleiben.

Marktleiter Dirk Isringhausen

„Das wichtigste ist, dass alle gesund bleiben“, sagt Dirk Isringhausen. Seine 75 Mitarbeiter braucht er in voller Stärke. Denn zum einen gilt es, an allen Stellen des Marktes für einen schnellen Ablauf zu sorgen, damit sich erst gar keine langen Schlangen bilden – weder an der Fleischtheke noch an der Kasse. Passiert das doch, begrenzt das Combi-Team den Einlass. Doch an einem Donnerstagvormittag ist das nicht nötig, die Kundenfrequenz bei weitem nicht so hoch wie freitagnachmittags, samstags oder schlimmstenfalls kurz vor Ostern – dringender Appell deshalb an die Kunden: „Nutzen Sie nicht nur die letzten beiden Tage, sondern die ganze Woche“, so Isringhausen.

„An einem Donnerstagvormittag wären normalerweise nicht vier Kassen parallel besetzt“, so Isringhausen. Vielmehr würde, wenn es dann doch zu viele Kunden auf einmal werden, eine weitere Kasse aufgemacht und ein Mitarbeiter aus einer Abteilung abgezogen werden. Aber das geht jetzt nicht: Denn auch dort werden alle Hände gebraucht, um die angelieferte Ware zeitnah in die Regale zu räumen, damit auch da keine Lücken entstehen. Ausnahme: Toilettenpapier. Das wird gar nicht mehr von der Palette geräumt. Gerade ist mal keins da. „Kommt aber. Wir kriegen jeden Tag Ware“, so Isringhausen. Wenn Kunden ihn fragen, sagt der Marktleiter meist: „Die Ware ist da, aber noch nicht hier.“

Kunden sind sehr verständnisvoll

Den Großteil seiner Kunden erlebt Isringhausen als sehr verständnisvoll: „Über Meckerpötte kann ich mich nicht beschweren.“ Im Gegenteil: „Viele bedanken sich oder schenken uns Schokolade.“ Auch die Blumenstraußaktion eines anonymen Spenders (WB vom 1. April) kam gut an. Die Wertschätzung für diese systemrelevanten Berufe in der Versorgung sei gestiegen: „Ich hoffe, das bleibt auch nach Corona so.“

Doch zurück in den Markt: Engpässe gibt es in den Lieferketten der Supermärkte eigentlich nicht. Und doch war die plötzliche starke Nachfrage nach Toilettenpapier, Nudeln, Mehl und Hefe vor allem zu Beginn der Corona-Krise mit zum Teil doppelt so hohen Mengen eine riesige Herausforderung – die aber zu bewältigen war: „Wir haben ein automatisches Warenbestellsystem, in dem wir für diese Warengruppen eine hohe Priorität einstellen mussten“, so der Combi-Inhaber. Aber auch in der Logistik muss ein Rädchen ins andere greifen.

Regale wieder in jedem Bereich gut bestückt

Inzwischen sei ein gewisser Sättigungsgrad bei privaten Haushalten erreicht: Beim Brot, bei den Konserven und Fertiggerichten, bei den Nudeln seien die Regale wieder gut bestückt. Angst, dass Pasta aus dem besonders coronagebeutelten Italien ausbleiben könnte, hat er nicht: „Alle Hersteller liefern, und wir haben sogar noch einen neuen aus Süditalien dazugenommen.“

Verändert Corona das Kundenverhalten? Isringhausen nennt ein Beispiel. Die Verbraucher seien bewusster, kauften mehr Obst und Gemüse – und mehr davon in Bioqualität. Zwar hat sich nicht die Kundenzahl erhöht, aber sie kaufen mehr: „Klar, durch Homeoffice und Schulschließungen sind ja alle zu Hause.“ Und deshalb wird natürlich auch mehr Toilettenpapier gebraucht, erklärt Dirk Isringhausen die gewisse Knappheit. Doch es gibt noch einen Aspekt: das Gefühl von Sicherheit.

Kommentare

Negrau  wrote: 06.04.2020 00:42
Hallo
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