Gut etabliert: Doch Corona bringt Ausbildungszentrum in Brockhagen neue Herausforderung BANG – der Sprung in die digitale Welt

Steinhagen  (WB). Der Betrieb kommt gerade so richtig in Fahrt. Zwei Jahre des Aufbaus liegen hinter Leiter Markus Kamann und seinem Team im Trainingszentrum des überbetrieblichen Netzwerks BANG in Brockhagen. Da bremste die Corona-Krise den Schulungsbetrieb in den Werkstätten abrupt aus – und verleiht BANG zugleich einen ungeheuren Schub nach vorn: mitten hinein in die digitale Welt.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Im Hintergrund die Blechprozessing-Anlage: Markus Kamann (re.) und Prof. Dr. Magnus Horstmann setzen auf Hightech.
Im Hintergrund die Blechprozessing-Anlage: Markus Kamann (re.) und Prof. Dr. Magnus Horstmann setzen auf Hightech. Foto: Bluhm-Weinhold

BANG, das ist das „Berufliche Ausbildungsnetzwerk im Gewerbebereich“, deutschlandweit vertreten, getragen von mittelständischen Unternehmen, die durch die überbetriebliche Ausbildung ihren zukünftigen Fachkräftebedarf zu sichern suchen. Bislang war das eine hochtechnisierte, aber analoge Welt der persönliche Kontakte. Doch bedingt durch den Erlass des Landes waren auch im Trainingszentrum an der Michaelisstraße von heute auf morgen keine Seminare mehr möglich. Dafür ist nun E-Learning angesagt. „Wir waren noch in zarten Anfängen, nun haben wir unsere Webaktivitäten in kürzester Zeit hochgefahren. Denn die Betriebe wollen, dass es weitergeht. Im Juni stehen Prüfungen an“, so Kamann.

Von Webinar bis Video-Chat

Und so gibt es das Webinar mit interaktiven Einheiten zum Werkunterricht, Online-Aufgaben und Video-Chats mit den Betreuern. Der Praxisunterricht wird später nachgeholt, der Theorieteil der Ausbildung nun eben vorgezogen – und das auch noch digital. Möglicherweise noch ein Pluspunkt für das junge Trainingszentrum.

Vier neue Firmen jedenfalls hat das aus 47 mittelständischen Betrieben der Region bestehende Netzwerk dadurch dazugewonnen. „Die Firmen wollen alle die Betreuung ihrer Auszubildenden sicherstellen“, so Kamann.

BANG hat sich etabliert. 78 Teilnehmer sind in den Schulungsprogramm en im Metallbereich und in der Elektrotechnik– 80 Prozent Auszubildende der Netzwerkfirmen, weitere 20 Prozent sind zur Umschulung oder Qualifikation vom Jobcenter Gütersloh vermittelt. Die Schulungsstätte in Brockhagen ist die größte von 13 bundesweit. Darauf ist Markus Kamann zu recht stolz.

Hörmann schickt alle Azubis

Eine der tragenden Säulen ist die Firma Hörmann, letztlich auch Vermieter der Räume an der Michaelisstraße. Hörmann schickt alle Auszubildenden aus dem gewerblich-technischen Bereich hierher. Und Hörmann hat auch die „Lehrfabrik Plan B(lech)“, das Lernzentrum für Blechbearbeitungstechniken, ko-finanziert.

Wenn Markus Kamann von den zwei Leuchttürmen des Trainingszentrums spricht, dann meint er damit erstens die High-Tech-Anlage im Blechprozessing: Laser-Stanze und Gewindeschneider sowie ein Roboter zum Abkanten und Biegen der Bleche. „Robotic sichert den heutigen Auszubildenden auch in Zukunft ihre Arbeitsplätze, weil sie gelernt haben, die Programme zu fahren“, so Kamann. Finanziert worden ist die Anlage aus privaten Mitteln und mit Landeszuschüssen. Und genutzt wird sie seit kurzem auch von der Fachhochschule Bielefeld.

Kooperation mit der FH Bielefeld

Diese Kooperation ist der zweite Leuchtturm für den BANG-Geschäftsführer. Prof. Dr.-Ing. Magnus Horstmann nutzt die optimalen Bedingungen des Trainingszentrums für Seminare zur „Lean Production“, also zu schlanken, sprich: effizienten Produktionsabläufen. „Einen solchen Laser stellt sich die FH nicht hin. Für eine gelegentliche Nutzung ist der viel zu teuer“, so Horstmann, der ebenso die Roboter-Einheit lobt: „Da lernen die Studenten schon, Robotic anzuwenden. Dadurch werden sie wertvoll für Industrieunternehmen“, sieht Horstmann in Brockhagen exzellente Möglichkeiten zur Qualitätssteigerung in der Lehre. Doch setzt er nicht nur die Theorie des Hörsaals im Trainingszentrum praktisch fort. Er bietet zudem Seminare für Meister, Teamleiter und weitere Führungskräfte aus Unternehmen zum Lean Management an. Denn Horstmann weiß, dass sich in den Firmen mit der Entwicklung von Abteilungen vielfach ineffiziente Prozesse einschleichen, die es aufzuspüren und zu verändern gilt.

Auch diese Seminare – coronabedingt vertagt. Und das wird vielleicht auch noch die offizielle Eröffnung des Schulungszentrums treffen. Diese soll eigentlich am 16. Juni sein.

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