Bei Podiumsdiskussion raten Experten zu Vielfalt in Wald und Garten Was Pflanzen in Dürrezeiten hilft

Steinhagen-Amshausen (el). Regionale Selbstheilung oder tropische Unterstützung sind die beiden Pole zwischen denen die schwanken, die heimische Wälder und Gärten vor zunehmenden Hitzeattacken schützen wollen. Die Podiumsdiskussion des Aktionsbündnisses Amshausen dazu am Freitag fand viel Interesse.

Von Eische Loose
Man müsse auf die Vielfalt der heimischen Pflanzen setzen, meinen (von links): Adalbert Niedermeyer-Lüllwitz, Dr. Karl-Josef Dietz, Dr. Birgit Lutzer, Ernst Niedermeyer und Ralph Upmann diskutierten die zunehmenden Hitze- und Dürreperioden.
Man müsse auf die Vielfalt der heimischen Pflanzen setzen, meinen (von links): Adalbert Niedermeyer-Lüllwitz, Dr. Karl-Josef Dietz, Dr. Birgit Lutzer, Ernst Niedermeyer und Ralph Upmann diskutierten die zunehmenden Hitze- und Dürreperioden. Foto: Loose

Rund 50 Personen strömten zu dem Abend mit verschiedenen Vorträgen und Meinungen. Vorgetragen wurden sie von Adalbert Niedermeyer-Lüllwitz vom Naturschutzverein BUND, Ralph Upmann von der gleichnamigen Bioland-Baumschule, Dr. Karl-Josef Dietz als Professor der Biochemie an der Universität Bielefeld sowie Ernst Niedermeyer, Agraringenieur, Lehrer und Forstwirt. Moderation und Organisation hatte Dr. Birgit Lutzer übernommen.

Pflanzen können lernen, mit Wassermangel zu leben

Nach einem Waldrundgang mit Ernst Niedermeyer fasste sie zusammen mit ihm die Idee zu diesem Abend. Denn die beiden Hitze- und Dürresommer in den Jahren 2018 und 2019 haben bei den Pflanzen deutliche Spuren hinterlassen. Der jüngste Befall mit Borkenkäfern gehört ebenso dazu wie verbrannte Zierrasenflächen. Zum Ausgleich ausgebrachte Ersatzpflanzen sind dem Vernehmen nach schon jetzt vertrocknet.

Dabei könne man im Garten noch gut und gezielt wässern, waren sich Besucher und Experten einig. Doch, wenn das Wasser insgesamt, also auch das Grundwasser zurück geht, wird die Hilfe durch den Menschen schwieriger. Ralph Upmann riet daher nicht nur zu regionalen Pflanzen, sondern auch zu einem stufigen Aufbau der Gartenfläche. »Außerdem können Pflanzen lernen. Wenn man ihnen nur manchmal wenig Wasser gibt, stellen sie sich auf den Mangel ein«, sagte er.

Die sterbenden Fichten nicht wieder mit Monokulturen aufforsten

Auch Dr. Karl-Josef Dietz verwies darauf, dass viele Eigenarten und Methoden der Pflanzen noch gar nicht bekannt und erforscht seien. In einem Lichtbild-Vortrag erläuterte er, wie sehr sich Tiere und Pflanzen im Grunde ähneln. So hätten Pflanzen beispielsweise mindestens vier der fünf Sinne mit den Tieren gemeinsam und würden auch ihre Umwelt gezielt wahrnehmen. Dadurch könnten sie entsprechend reagieren.

Gemeinsam mit Adalbert Niedermeyer-Lüllwitz sprachen sich alle Experten für eine möglichst große Vielfalt im Garten, vor allem aber auch in den Wälder aus. Die Vielfalt könne Schäden besser ausgleichen. »Wenn jetzt die sterbenden Fichten erneut mit Monokulturen aufgeforstet werden, haben wir schnell das gleiche Problem wieder«, meinte Niedermeyer-Lüllwitz. Anders hingegen sah das der Forstwirt. Er erklärte, wie sich die Wachstumsgrenze um 750 Kilometer pro Wärmegrad nach Norden verschiebe. »Wir können daher gezielt nach südlichen Varianten aus entsprechenden Gebieten suchen und sie in unserem jetzt wärmeren Klima anpflanzen«, sagte Ernst Niedermeyer.

„Umweltabende“ sollen fortgesetzt werden

Einigen interessierten Zuhörern erschien das jedoch etwas zu kurz gedacht. Immerhin muss nicht jeder Sommer wieder so warm und trocken werden. Zugezogene Pflanzen kämen dann nicht mit dem Regen klar. Sie interessierte hingegen, wie man privat besser Wasser, sprich Regen, sammeln könne. Viele waren der Ansicht, das dies in Steinhagen sogar verboten sei. Doch das stimmt nicht.

Solchen und anderen Missverständnissen will Dr. Birgit Lutzer weiterhin entgegen wirken. Die »Umweltabende«, wie dieser erste seiner Art, sollen auch in Zukunft wichtige Themen aufgreifen und möglichst von unterschiedlichen Standpunkten aus beleuchten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7317272?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516077%2F