Brockhagen bekommt Allgemeinmedizinerin und DRK-Pflegedienst
Gesundheitszentrum fürs Dorf

Steinhagen (WB). Es ist ein Projekt, das offenbar einmalig ist, vielleicht sogar mit Pilot-Charakter für den ländlichen Raum: Mitten in Brockhagen entsteht in den früheren Räumen der Kreissparkasse ein Gesundheitszentrum für das Dorf und sein Umland mit einer Hausärztin und dem ambulanten Pflegedienst des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Gütersloh.

Donnerstag, 05.03.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 05:01 Uhr
Freuen sich auf das Gesundheitszentrum Brockhagen: (vorne v.l.) Tanja Wöbke-Hermbecker mit Hund Ulla Schmidt und Marcel Flores Sanchez, (hinten v.l.) Ilka Mähler, Rolf Meise, Anne Wortmann und Dennis Schwoch. Foto: Bluhm-Weinhold

Anne Wortmann, gemeinsam mit Ehemann Rolf Meise, Eigentümerin der Immobilie schräg gegenüber der St. Georgskirche hatte die Idee zu dem Projekt „Gesundheit im Dorf“. Als die Kreissparkasse nach 17 Jahren auszog habe sie Brockhagen ein Stück lebenswerter gestalten wollen: „Mehr Leben, mehr Attraktivität, mehr Versorgungssicherheit“, sagt sie. Die Immobilie hat eine Top-Lage, ist auf 240 Quadratmetern im Erdgeschoss komplett barrierefrei, hat Parkplätze direkt vor der Tür. Im Gespräch mit Tanja Wöbke-Hermbecker nahm die Idee einer Arztpraxis Gestalt an.

Die 47-jährige Fachärztin für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Notfallmedizin, ist derzeit Weiterbildungsassistentin in der Steinhagener Praxis Hirsch: „Ich hatte den Wunsch, den Klinikalltag zu verlassen und wieder näher am Menschen zu arbeiten“, sagt sie über ihren Quereinstieg in die Allgemeinmedizin. In Brockhagen wird sie ihre Praxis allein betreiben – nicht als Gemeinschaftspraxis: „Ich möchte mir meine eigenen Strukturen aufbauen.“

Pflegedienst kommt im Frühsommer, Ärztin zum 1. Oktober

Zweite Säule des Gesundheitszentrums mitten im Dorf ist der ambulante Pflegedienst. Anne Wortmann sprach auch den DRK-Kreisverband Gütersloh an. „Es ist eine wünschenswerte Konstellation. Denn wir haben eine gewachsene Struktur im ländlichen Bereich mit alten Menschen, die lange in ihren eigenen vier Wänden bleiben.“ Ein Pflegedienst schien ihr unbedingt nötig – und das DRK war „Wunschpartner“. Ilka Mähler und Dennis Schwoch vom Vorstand des DRK Gütersloh waren begeistert von den Plänen. Brockhagen ist auf ihrer Landkarte bisher ein weißer Fleck. „Wir haben einen Patienten in Brockhagen, der aber von Versmold aus betreut wird“, so Schwoch. Tatsächlich braucht es für die ambulante Pflege aber kurze Wege. Den Pflegedienst wird Marcel Flores Sanchez (33) koordinieren. Der gelernte Gesundheits- und Krankenpfleger, ausgebildet auch als Altenpflegefachkraft, hat eine zweijährige Weiterbildung zur Pflegedienstleitung absolviert.

Zwei Büroräume wird das DRK nutzen. Tanja Wöbke-Hermbecker bekommt neben dem großen gemeinsamen Empfangsbereich und dem Wartezimmer, einen Notfallraum für Akutbehandlungen, zwei Sprechzimmer und ein Labor. Sie will zum 1. Oktober, wenn sie ihre erneute Facharztprüfung abgelegt und die Zulassung durch die Kassenärztliche Vereinigung erlangt hat, in Brockhagen starten. Das DRK ist eher da: „im Frühsommer“, sagt Ilka Mähler und kündigt einen Tag der offenen Tür an.

Mit Martin Franz als Physiotherapeut hat das Gesundheitszentrum gleich nebenan die dritte Säule. Fehlt nur noch eine Apotheke: „Auch daran arbeiten wir und suchen einen Kooperationspartner – vielleicht für eine mobile Apotheke“, so Anne Wortmann.

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„Unser Dorf hat Zukunft“ hieß der Wettbewerb, an dem engagierte Brockhagener vor etlichen Jahren teilgenommen haben – Anne Wortmann und Rolf Meise gehörten damals nicht dazu: Aber nun tragen sie erheblich dazu bei, dass das Dorf tatsächlich Zukunft hat. Just haben die Brockhagener den Verlust ihrer Banken beklagt, doch mit dem Neubaugebiet, mit der Millioneninvestition in eine neue Schule als kommunale Projekte und jetzt mit der Privatinitiative für eine langfristig gesicherte Gesundheitsversorgung für den ländlichen Bereich, bieten sich hoffnungsvolle Perspektiven. Annemarie Bluhm-Weinhold

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