Ralph Brinkhaus spricht beim Frühlingsempfang der CDU in Steinhagen „Es wird mehr geschimpft als gelobt“

Steinhagen (WB). „Wir haben genug katholische Männer über fünfzig aus NRW, die sich bewerben.“ Das sagte der Vorsitzende der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, am Sonntag beim Frühlingsempfang der Steinhagener CDU auf eine Zuschauerfrage, warum er nicht für den Parteivorsitz kandidiere. Er fühle sich ganz wohl in seiner Rolle und sitze fast überall mit am Tisch.

Von Johannes Gerhards
Freuen sich über ihren Gast Ralph Brinkhaus (Dritter von rechts): CDU-Vorsitzender Dirk Lehmann, Stellvertreterin Dr. Mechthild Frentrup, Bürgermeisterkandidat Hans-Heino Bante-Ortega, Tom Benninghoff und Pressesprecherin Dr. Birgit Lutzer.
Freuen sich über ihren Gast Ralph Brinkhaus (Dritter von rechts): CDU-Vorsitzender Dirk Lehmann, Stellvertreterin Dr. Mechthild Frentrup, Bürgermeisterkandidat Hans-Heino Bante-Ortega, Tom Benninghoff und Pressesprecherin Dr. Birgit Lutzer. Foto: Johannes Gerhards

Als etwas ärgerlich bezeichnet er die Tatsache, dass zu viel über Personalfragen gesprochen werde, weil darüber die erfolgreiche Sachpolitik in den Hintergrund gerate. „Es wird mehr geschimpft als gelobt“, kritisierte Brinkhaus die riesige kommunikative Negativspirale, obwohl die meisten in nie gekanntem Wohlstand lebten.

Mit der Gitarre in den Wahlkampf

Mehr als 80 Gäste begrüßte Dirk Lehmann als Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes zum traditionellen Frühlingsempfang in der Mensa des Schulzentrums. Der frisch gekürte Bürgermeisterkandidat Hans-Heino Bante-Ortega griff sogar zur Gitarre und stimmte die Besucher mit einem selbst getexteten Lied auf den kommenden Kommunalwahlkampf ein. In „Guten Morgen Steinhagen“ heißt es, die CDU mache Politik für Menschen wie ich und du.

„Die Gesellschaft braucht frischen Wind“, betonte der 62-jährige Brockhagener in seiner Antrittsrede und wünscht sich auf den oberen Ebenen klare Worte wie seinerzeit Roman Herzogs geflügeltes Wort vom „Ruck, der durch Deutschland gehen muss“. Auch wenn es das viel beschworene Früher nicht mehr gebe, sehe er sich als Konservativer im besten Sinne: „Das Bewahren der Dinge, auf die sich anderes aufbauen kann“, zählt für den fünffachen Vater und gelernten Malermeister zum Lebensprinzip.

16-jähriger Merkel-Fan

Im Interview mit dem 16-jährigen Tom Benninghoff wollte er darauf aufmerksam machen, dass in der CDU ein Verjüngungsprozess eingesetzt hat. Der Elftklässler am Haller Kreisgymnasium ist seit „ewiger Zeit“ ein Fan von Angela Merkel und zeigt sich fasziniert davon, „wie sie das Land führt“. Gleichaltrige würden sich höchstens dann für Politik inter­essieren, wenn sie selbst betroffen seien, er dagegen habe sich für die Mitte entschieden und gehe dahin, wo er politisch etwas ändern könne, sagte er. Aktivitäten in sozialen Medien seien für politische Akteure heute unabdingbar, die Netzwerke sollen aber durch Reglementierungen „sicherer und zuverlässiger“ werden.

Während sich alle den von Karl-Heinz David zubereiteten Heringsstipp schmecken ließen, traf Ralph Brinkhaus ein, um „von Berlin, der Welt und überhaupt“ zu berichten. Nicht nur wegen der Coronaviren hielt er sich mit dem Händeschütteln zurück. Die Behörden seien gut vorbereitet, es bestehe kein Grund zur Panik, sagte er. Dennoch empfahlt er, sich mit allgemeinen Hygienevorschriften zu beschäftigen.

„All das, was in der Welt passiert, hat mit uns zu tun“, betonte Brinkhaus und verwies auf drei Säulen deutscher Außenpolitik. Neben der Diplomatie unter dem Stichwort „ehrlicher Makler, der mehr Vertrauen genießt als andere“, sind das vor allem Entwicklungs- und Sicherheitspolitik. Den Gedanken, wir seien internationale Zivildienstleistende, bezeichnete Brinkhaus als naiv, bevor er zum Thema „Innovation und Forschung“ als Schlüssel für die Zukunft überleitete.

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Gesellschaftlich müssen wir sehr achtsam sein, wie wir mitein­ander umgehen.

Ralph Brinkhaus MdB (CDU)

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Wirtschaft verändere sich ständig. Dieser Strukturwandel habe sich auch in OWL und Steinhagen vollzogen, wenn man sich Möbel- und Textilindustrie als Beispiel nehme. Andere Länder haben nach seinen Worten „mehr Rohstoffe, billige Energie und eins, wo es uns am meisten dran fehlt: an jungen Leuten“. Im Bereich Nachhaltigkeit und Umwelt habe sich ein Paradigmenwechsel vollzogen. „Regen ist gut, Sonne eher schlecht“, so brachte Brinkhaus den nicht mehr zu leugnenden Klimawandel auf den Punkt. Statt Verboten setzt er auch hier auf Technologie und Innovation.

„Gesellschaftlich müssen wir sehr achtsam sein, wie wir mitein­ander umgehen“, mahnte Brinkhaus: Denn „aus Worten werden Gedanken und Taten“. Für die CDU komme es darauf an, die eigenen guten Ansätze zu betonen und sich nicht über das, was an anderen schlecht sei, zu definieren, so Brinkhaus. Mit Fröhlichkeit und Respekt vor dem politischen Gegner wolle man in den Wahlkampf ziehen – unabhängig davon, wer CDU-Vorsitzender ist.

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