Vor dem Abriss des Hauses Cronsholl: Architekt macht historischen Fund Heimatverein rettet alten Torbalken

Steinhagen  (WB). Die Tage des Hauses Cronsholl Am Markt 13 sind gezählt. Demnächst wird es abgerissen. Doch ein historischer Torbalken wird dank des Bielefelder Architekten Hendrik Nitschke und des Steinhagener Heimatvereins der Nachwelt erhalten bleiben. Und nicht nur das: Er hat seinen Weg zurück nach Hörste gefunden. Denn daher stammt er eigentlich. Der 230 Jahre Torbalken erzählt Geschichte und Geschichten.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Etwa 40 Jahre war der Torbogen im Wohnzimmer der Cronsholls als eine Art Raumteiler eingebaut. Auch als dort Mieter lebten, wurde er offenbar gut erhalten und ist nach Auskunft des Heimatvereins nach wie vor in einem hervorragenden Zustand.
Etwa 40 Jahre war der Torbogen im Wohnzimmer der Cronsholls als eine Art Raumteiler eingebaut. Auch als dort Mieter lebten, wurde er offenbar gut erhalten und ist nach Auskunft des Heimatvereins nach wie vor in einem hervorragenden Zustand. Foto: Heimatverein Steinhagen

Hendrik Nitschke hat den Torbalken bei den Vorbereitungen für den Abriss in der ersten Etage des Hauses Cronsholl entdeckt, dort wo die Cronsholls einst ihr Wohnzimmer hatten. Nitschke gab in der Gemeindeverwaltung Bescheid: „Eine großartige Sensibilität historischen Dingen gegenüber“, findet Petra Holländer, Gemeindearchivarin und Heimatvereinsvorstand. Udo Waschkowitz und Jürgen Obelode vom Heimatverein haben sich den Balken daraufhin näher angeschaut: „Es war aufgrund der genannten Namen schnell klar, dass er leider nicht aus Steinhagen stammt. Wir hatten gehofft, dass er etwa aus dem Anwesen Cronsholl am Kirchplatz sein könnte“, sagt Jürgen Obelode. Trotzdem: „Für uns stand von vornherein fest, dass wir ihn retten müssen“, sagt Udo Waschkowitz. Und so nahm der Verein das Angebot Nitschkes an, den Balken auszubauen.

Viel Mühe beim Abbauen erforderlich

Einen halben Tag haben sich Udo Waschkowitz und sein Enkel abgemüht: „Eiche ist schwer. Und die Tischlerei Beintmann hatte ihn mit versteckt angebrachten Schrauben und Nägeln gut befestigt“, so Waschkowitz. Jürgen Obelode indes wendete sich der Inschrift zu: „Catharina Maria Humans Witwe Kuhlmanns und ihr Sohn als Erbe Johann Henrich Matthias Kuhlmann Haben dieses Haus mit Gottes Hülfe bauen und Aufrichten lassen d 29 ten Julius...ANNO 1789“.

Kuhlmanns und Humans, die gab es in Steinhagen nicht. Jedenfalls nicht als Bauern. Wie kommt aber dieser Balken ins Wohnzimmer der Cronsholls? Über verwandtschaftliche Beziehungen. Das hat Bürgermeister Klaus Besser in einem Telefongespräch mit dem früheren Besitzer Ulrich Cronsholl herausgefunden. Und so wusste man auch: Der Balken stammt eigentlich aus Hörste vom früheren Hof Brune. Als der Hof, der schon im Westfälischen Urbar von 1556 erwähnt wird, abgerissen wurde, war der Balken frei und gelangte wohl in den 1970er Jahren zu den Cronsholls.

Familienrat entscheidet über weitere Verwendung

Elke Feldhaus, Vorsitzende des Heimatvereins Hörste, stellte den Kontakt zu Ernst August Brune, Cousin von Marianne Cronsholl, her. Am 14. Januar brachte Udo Waschkowitz ihm den Balken zurück. „Derzeit habe ich ihn gut geschützt in der Halle bei meinen Oldtimern. Wir wollen mit der Familie besprechen, wie und wo wir ihn wieder einbauen“, sagte Brune dem WESTFALEN-BLATT. Er habe immer gewusst, dass der Balken noch existiere, so Brune weiter. Kürzlich hätte er mit der Familie noch alte Fotos auch vom Hof angeschaut, sagte er weiter.

Der Balken weist, wie Jürgen Obelode berichtet, eine Besonderheit auf. Ursprünglich war er wohl gerade. Irgendwann im Laufe seines über 200-jährigen Lebens aber ist ein Bogen hineingeschnitten worden: „Außer den Daten zu Besitzer und Entstehungsjahr ist er auch mit einem Sinnspruch versehen gewesen, den man aber heute nicht mehr entziffern kann, weil die Buchstaben abbrechen“, so Obelode.

Heimatverein will Daten sammeln und dokumentieren

Allenthalben werden alte Gebäude abgerissen, erwartet Udo Waschkowitz das auch im Zuge der weiteren Steinhagener Ortskernplanung: „Natürlich sollte man so viel wie möglich erhalten, jedenfalls an Fassaden und dahinter das Gebäude erneuern.“ Jürgen Obelode ergänzt: „Wenn das aber nicht möglich ist, dann müssen wir hinein, um Daten zu sichern und zu dokumentieren“, sagt er. „Irgendwo muss man die Geschichte aufschreiben, damit man sie nicht vergisst“, so Waschkowitz.

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