Innenstadtgestaltung südlich Fivizzanoplatz: Workshop-Teilnehmer legen Grundzüge fest
Öffnung zum Kirchplatz

Steinhagen (WB). Alle wollen einen Platz in der Mitte und Wohnen, wenn nicht im Erdgeschoss, so doch in den oberen Etagen. Auch der Durchbruch zum Kirchplatz ist Konsens ebenso wie ein Gebäuderiegel zur Woerdener Straße – schon wegen des Verkehrslärms. So könnte man die Ergebnisse des Ideen-Workshops zum Gebiet südlich des Fivizzanoplatzes zusammenfassen.

Dienstag, 04.02.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 05:03 Uhr
Kein schönes Stück Steinhagen derzeit: der Hinterhof zwischen Spielothek und Friseursalon. Doch er könnte schön werden, wenn sich dort an seiner Stelle irgendwann ein Innenhof eines neuen Gebäudeensembles erstreckt. Foto: Bluhm-Weinhold

Wie berichtet , sind am Freitag auf Einladung der Gemeinde mehr als 40 Bürger, Geschäftsleute und Politiker mit Vertretern aus dem Rathaus, Perus-Geschäftsführer Horst Neugebauer und Ursula Mölders vom Kölner Büro Stadt- und Regionalplanung Dr. Jensen aus Köln als Moderatorin in dem 2300 Quadratmeter großen Areal zwischen Spielothek und Schlichte-Carree unterwegs gewesen. Vor Ort sowie später in fünf Arbeitsgruppen haben sie sich Gedanken zur künftigen Nutzung dieses prädestinierten Innenstadt-Geländes gemacht.

Der Blick auf die Bausubstanz der Häuser Vogt und Brinkmann und erst recht in ihre Hinterhöfe hat sie möglicherweise ernüchtert – aber offenbar auch zu neuer Inspiration gebracht. Und so kamen die Arbeitsgruppen zu greifbaren Vorschlägen, denen man eine gewisse Einigkeit nicht absprechen kann. Vom Durchbruch vom Schlichte-Carree aus in einen weiteren Hof, nicht möglich aus baulichen und statischen Gründen, hatten sich alle alsbald verabschiedet. Doch ein zusätzlicher Zugang vom Kirchplatz aus in das neue Stadtquartier ist vielen offenbar wichtig. Auch vom Fivizzanoplatz soll man hineinkommen.

Abgeschottet zur Woerdener Straße, offen zum Kirchplatz

Abgeschottet zur vielbefahrenen Woerdener Straße, offen zum Zentrum, könnten sich dort Handel, Kunst und Kultur ansiedeln. Auch ein Bistro wurde vorgeschlagen – aber ausdrücklich nicht als Konkurrenz zur bestehenden Gastronomie am Kirchplatz, sondern eher für den kleinen Mittagstisch. Schön wäre auch, wenn das Gebrauchtwaren-Kaufhaus inte­griert werden könnte, hieß es: „Das hat sich offenbar gut etabliert“, kommentierte Bauamtsleiter Stephan Walter.

Des Weiteren sind sich alle darüber einig, dass auch Wohnen ein Gewinn für das Areal wäre. Die Vorschläge gingen vom seniorengerechten über „normalen“ Wohnraum bis hin zu Appartements für Studenten. Schließlich wird Bielefeld durch die Medizinische Fakultät noch mehr Studierende haben – davon könnte doch auch Steinhagen profitieren. Doch da wurden auch kritische Stimmen laut: Dann müsste die ÖPNV-Verbindung zur Uni aber verbessert werden, wurde eingewandt. Die Idee der Uni-Linie über den Peter ist indes längst in der politischen Abstimmung. Und auch Horst Neugebauer weiß: „Wir profitieren in Steinhagen ohnehin gerade vom engen Bielefelder Markt.“

Ideen werden jetzt gebündelt und weiter diskutiert

Offenbar realistisch bewerten die Workshop-Teilnehmer die Hinfälligkeit bestehender Bausubstanz – so schön deren Erhalt auch wäre. Vielleicht könnte man wenigstens die Struktur des Hauses Brinkmann aufnehmen, hieß es einerseits. Andererseits sprechen sich einige auch für eine giebelständige Bauweise wie am Marktplatz aus.

Wie geht es weiter? Die Ideen werden laut Stephan Walter vom Kölner Büro zusammengefasst und zu einer Präsentation entwickelt, so dass sie politisch und öffentlich diskutiert werden können. Die Teilnehmer wünschen sich, dass zwei, drei Entwürfe visualisiert werden, gerne auch in 3D. „Und vielleicht muss man irgendwann auch zur Bebauungsplanänderung kommen“, stellte Stephan Walter in Aussicht.

Kommentar

Luftschlösser sind nicht gebaut worden. Ganz realistisch haben die Workshop-Teilnehmer Chancen des Quartiers ausgelotet und Kreativität gezeigt. Dass sich alle in den Grundzügen einig sind, spricht dabei für sich. Positiv zu vermerken ist allemal, dass die Gemeinde den Prozess der Entwicklung dieses Quartiers von vornherein so offen gestaltet. So kann jeder, der sich angesprochen fühlt, mitmischen. Und alle dürfen erst einmal alles denken. Der gemeinsame Blick hinter die Fassaden hat aber auch gezeigt: Viel zu retten an alter Bausubstanz ist hier nicht. Umso wichtiger, neue Leitlinien zu entwickeln.Annemarie Bluhm-Weinhold

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7236946?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516077%2F
Ein Ende und ein Anfang
Rheda-Wiedenbrück: Eine Luftaufnahme der Tönnies Holding. Foto: Guido Kirchner/dpa
Nachrichten-Ticker