40 Teilnehmer machen sich bei Rundgang Gedanken über den südlichen Fivizzanoplatz Schöner Wohnen an der Kirche?

Steinhagen  (WB). So häufig sind die meisten am alten Haus Brinkmann, am Haus Vogt und an der Schneiderei schon vorbeigegangen. Aber wann haben sie dabei jemals auf den übertünchten Sandsteinsockel des früheren Kaufhauses geachtet oder auf die hohe Kante der rückwärtigen Wand des Museums? Nie. Am Freitagnachmittag war das anders. Beim Ideenworkshop zur Gestaltung des Gebiets südlich des Fivizzanoplatzes schärfte ihnen Perus-Geschäftsführer Horst Neugebauer den Blick für Sichtachsen, die Figur von Gebäuden und die Frage nach einer baulichen Harmonie mit der Dorfkirche.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Die Fassade des Hauses Vogt soll bleiben – so lautete eine Idee. Bürgermeister Klaus Besser, Moderatorin Ursula Mölders und Bauamtsleiter Stephan Walter weisen die Gruppe auf prägnante Punkte in Sichtachsen und Baustruktur hin.
Die Fassade des Hauses Vogt soll bleiben – so lautete eine Idee. Bürgermeister Klaus Besser, Moderatorin Ursula Mölders und Bauamtsleiter Stephan Walter weisen die Gruppe auf prägnante Punkte in Sichtachsen und Baustruktur hin. Foto: Bluhm-Weinhold

Es waren nicht nur Politiker, sondern auch Geschäftsleute sowie Bürgerinnen und Bürger: Etwa 40 Interessierte waren der Aufforderung der Gemeinde gefolgt, Gedanken und Anregungen zu einer künftigen Nutzung des so repräsentativ gelegenen 2300 Quadratmeter großen Areals zwischen der heutigen Spielothek und dem Schlichte-Carree völlig frei zu formulieren. Keine Zwänge beim Nachdenken, hatte Bürgermeister Klaus Besser extra verordnet. Und Ursula Mölders vom Büro Stadt- und Regionalplanung Dr. Jensen aus Köln sagte: „Atmen Sie den Raum ein. Und dann überlegen Sie, was für Sie und für Steinhagen passt.“

Abreißen oder erhalten?

Erste Ideen wurden schon während des Rundgangs laut: „Das Haus Brinkmann sollte man abreißen“, sagte ein Teilnehmer. Denn auch das offenbarte der scharfe Blick auf die Bausubstanz: Die ist in vielen Bereichen hinfällig. Aber es gibt auch schöne Ecken: „Das Haus Vogt sollte erhalten bleiben. Man könnte es entkernen, aber die Fassade ist schön“, hieß es von anderer Seite. Und mehrfach kam die Anregung: Neben dieses alte Gebäude zu dessen Aufwertung ein ganz modernes zu setzen, etwa anstelle des Hauses Brinkmann. Denn direkt dahinter – nicht mehr im Sanierungsgebiet – folgt mit dem Haus Schlichte (Schülerhilfe) die nächste historische Fassade. Und dieses Haus steht nicht zur Disposition.

Vielmehr ist dessen Fassade schöne Optik eines Industrieklotzes, der sich vom Kirchplatz bis zur Woerdener Straße zieht und in dem unter anderem das Historische Museum untergebracht ist. Auch an dem ist nicht zu rütteln. Und Horst Neugebauer machte auch deutlich, wie wichtig einerseits dessen hohe Wand für das Gebäudeensemble ist und wie unmöglich es andererseits bautechnisch wegen unterschiedlicher Bauhöhen sein würde, vom Schlichte-Carree aus die vielzitierten Schlichte-Höfe anzulegen. „Denken Sie doch diese Durchlässigkeit von der anderen Seite her“, forderte Horst Neugebauer auf.

Passage oder Wohnen?

Also vom Fivizzanoplatz. Selbst das Wort Passage fiel. Aber was darin unterbringen? Einzelhandel? Oder lieber Kultur?

Und selbst wenn Bauamtsleiter Stephan Walter bei seinen Erläuterungen zum gültigen Bebauungsplan Wohnnutzung ausgeschlossen hatte, so machte er doch deutlich: Auch Bebauungspläne kann man ändern. Umso besser, meinte ein Bürger: „Ich könnte mir gut Wohnungen am Kirchplatz vorstellen. Mit Terrassen zu einem Innenhof.“ Auch die moderne Wohnform Boardinghouse, die hotelähnlichen Apartments für längere Nutzung, wurde genannt.

„Wohnen bringt Kaufkraft in den Ortskern“, sagte Horst Neugebauer. Und das ist ihm wichtig auch mit Blick auf die am Kirchplatz ansässige Gastronomie. „Das ist ein schöner Bereich, den wir stärken sollten.“ Und so denkt er an kulturelle Veranstaltungen etwa im Schlichte-Carree. Apropos: Gerade bildet sich ein Verein aus Bürgerinnen und Bürgern, die genau das vorhaben – Events aller Art von Public Viewing bis Open-Air Kino im Ortskern anbieten.

Kommentare

Persönlich wünsche ich mir kleine Wohnungen, d. h. billigere Wohnungen. Wenn ich die Neubauten sehe, sind sie alle groß, so verkaufen sie sich schlecht (da der Preis zu hoch ist). Dann sind sie nur Investoren die Geld machen wollen. Es gibt immer 1 Person-Haushalte in Deutschland, dann braucht man kleinere Unterkünfte ( für Jugendliche die das Elternhaus verlassen wollen, für Wenigverdiener, Alleinlebende im Alter,…).
Das Angebot von kleinen Wohnungen ist rar, sofort verkauft oder vermietet, meist alt und im schlechten Zustand, also bitte auch kleine Unterkünfte bauen.
So könnte viel mehr Personen in « Betongold » investieren, und ein Eigenheim ist auch von Vorteil fürs Rentenalter (sonst zahlt man eine Miete sein Leben lang, und wird arm im Alter).
Wenn man nicht die passende Unterkunft findet, muss man pendeln, was eine Katastrophe ist (Zeitverlust, Kosten, Risiken, Bedarf an Verkehrswege und ÖPNV für die Gemeinde).
Es gibt auch die Frage vom Landfraß. Um Landfraß zu vermeiden kann man nach oben und unten bauen. Unterirdisch kann man Infrastruktur bauen (nicht nur Parkplätze), und man könnte höhere Bauten bauen. Da Steinhagen praktisch flach ist, hätten die Einwohner von mehrstöckigen Gebäuden eine schöne Fernsicht auf die Landschaft.

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