Gerhard Goldbecker ist im Alter von 75 Jahren plötzlich gestorben Trauer um einen Großen der Gemeinde

Steinhagen  (WB). Die Gemeinde Steinhagen hat einen ihrer ganz Großen verloren: Am Sonntagvormittag ist Gerhard Goldbecker im Alter von 75 Jahren in der Uniklinik Hamburg verstorben. Nach einer Knie-Operation hatte es Komplikationen gegeben.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Gerhard Goldbecker ist im Alter von 75 Jahren gestorben.
Gerhard Goldbecker ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Foto: Andreas Schnadwinkel

„Ich bin sehr traurig und betroffen“, sagt Bürgermeister Klaus Besser dem WESTFALEN-BLATT und würdigte den CDU-Politiker und persönlichen Freund, mit dem er Motorradtouren durch ganz Deutschland unternahm, als engagierten, zuverlässigen, gradlinigen und zielstrebigen Menschen. Für Gerhard Goldbecker habe der Leitsatz gegolten „Ein Mann, ein Wort“, wie sein langjähriger Weggefährte Herbert Mikoteit sagt: „Auf ihn konnte ich mich immer verlassen“, so der frühere CDU-Fraktionschef. Und weiter: „Als ich 1989 in die Politik ging, war er Fraktionsvorsitzender. Was ich kann, das habe ich von Gerd gelernt.“ Doch Mikoteit sagt auch: „Er war einer, der sich von Regeln nicht aufhalten ließ, wenn er etwas für richtig hielt.“

Die Kruke war ein Husarenstück

Paradebeispiel: die Kruke im Kreisverkehr – ein Husarenstück. Gegen alle Widerstände der Behörden, getragen von einer Welle der Solidarität, die die Steinhagener Bevölkerung ebenso wie den Landrat erfasste, setzte sich Gerhard Goldbecker 2012 dafür ein, dass Steinhagens berühmtestem Produkt, dem Steinhäger, an einer prägnanten Stelle ein Denkmal gesetzt wurde. Das machte ihn in der ganzen Region bekannt. Diese Aktion zeigt aber auch seine große Heimatverbundenheit. Diese prädestinierte ihn auch zum Vorsitzende des Historischen Museums Steinhagens. Seine Führungen sind legendär.

In Amshausen geboren, in Steinhagen aufgewachsen, in Brockhagen sesshaft geworden: Gerhard Goldbecker hatte immer den weiten Blick auf die ganze Gemeinde, war mit allen Ortsteilen verwachsen. Das zeichnete ihn aus, wie Hans-Heino Bante-Ortega, CDU-Fraktionsvorsitzender, Sonntagnachmittag sagte. „Gerd war beständig, zuverlässig und gesetzt in der Politik“, so Bante-Ortega. Er habe seinen festen Standpunkt gehabt, konservativ und bodenständig: „Er war kein Hektiker“, nennt Hans-Heino Bante-Ortega als ein Wesensmerkmal Goldbeckers die „vertraute Gemütlichkeit“. Diese dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er sehr engagiert und von großer Beharrlichkeit gewesen sei. Dafür spricht etwa, dass er den quälend langen Prozess der Flurbereinigung Brockhagen als Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft nach 44 Jahren im September zu Ende geführt hat.

Ein Praktiker in der Politik

Gerhard Goldbecker war Unternehmer, führte den einst vom Onkel bewirtschafteten Hof am Schwarzen Feld weiter, den er als Landwirtschaftsmeister zu einem Vollerwerbsbetrieb machte. Schweinezucht auf der einen Seite, seit 1966 auf der anderen Seite das landwirtschaftliche Lohnunternehmen. Zudem produzierte er für das Landmaschinenunternehmen Hanneforth. Erst kürzlich sagte Goldbecker in einem Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT: „Ich war immer der Meinung, dass Selbstständige, die Praktiker, in die Politik gehören. heute sind die meisten Lehrer und Akademiker.“

Seine politischen Lehrmeister waren der damalige Bürgermeister Rudi Wolf “mit seiner Schlitzohrigkeit“, so Goldbecker, darüber hinaus Dieter Eckert, der ihm die Fraktionsführung beibrachte, und der frühere Gemeindedirektor Werner Goldbeck, ein Meister der Strategie und Taktik. Was Gerhard Goldbecker in die Politik brachte, das waren zunächst eigene Interessen: Mit anderen jungen Eltern machten sich die Goldbeckers 1970 stark für die Beschulung der Brockhagener Kinder auf den weiterführenden Schulen in Steinhagen – und nicht in Halle. Goldbecker dachte schon damals strategisch: „Wo die Kinder hingehen, geht auch die Gemeinde hin.“ Und so war es 1973 bei der Kommunalreform dann auch.

Ebenso wie über Ortsteilgrenzen dachte er auch über Landesgrenzen hinaus. Die Städtepartnerschaften lagen ihm stets am Herzen: das holländische Woerden etwa, wohin er unzählige Bürgerfahrten begleitete, und zuletzt Rujiena in Lettland, für dessen stärkere Bindung an Steinhagen er sich stark machte.

Aufsichtsratsvorsitzender der Gemeindewerke

Große Freude hat ihm, dem technisch Versierten, dem Unternehmer, der langjährige Aufsichtsratsvorsitz der Gemeindewerke gemacht. Den Schritt vom Eigenbetrieb zur GmbH hat er aktiv mitgestaltet. Für die eigene Branche engagierte er sich als Ortslandwirt in Brockhagen, Vorsitzender des Vereins für Landschaftspflege und Landschaftsschutz im Kreis Gütersloh und als Mitglied im Bundespräsidium des Lohnunternehmerverbandes.

Ein weiteres Unternehmen schuf er sich als Stromerzeuger: Goldbecker betrieb seit 1999 eine Turbine in Sussieks Mühle am Abrooksbach. Das Gewässer lieferte ihm zudem die Spielwiese für eine gleichermaßen lustige wie wohltätige Veranstaltung: das Brockhagener Badewannenrennen.

Gerhard Goldbecker hinterlässt Ehefrau Elke und die vier Söhne Jörg-Henrik und Torsten, die den Betrieb führen, Lars und Andreas sowie sieben Enkelkinder.

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