Historiker Dr. Jürgen Büschenfeld und Studenten bereiten Ausstellung im Rathaus vor
NS-Zeit anschaulich machen

Steinhagen (WB). Sein Buch haben zahlreiche Steinhagener gelesen, und 140 Interessierte haben auch den Vortrag im Steinhagener Ratssaal dazu gehört. Ende Mai wird der Bielefelder Historiker Dr. Jürgen Büschenfeld den dritten Teil seiner Aufarbeitung „Steinhagen im Nationalsozialismus“ folgen lassen – diesmal in Form einer Ausstellung im Rathaus. An der Universität Bielefeld steckt er mit Bachelor-Studenten derzeit mitten in der Konzeption und er weiß: „Es wird eine Herausforderung, ein solches Projekt termingerecht fertigzustellen.“

Samstag, 04.01.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 04.01.2020, 05:01 Uhr
Felix Tiemann (rechts) und seine Kommilitoninnen und Kommilitonen bereiten mit Dr. Jürgen Büschenfeld (Zweiter von rechts) die Ausstellung vor. Das Buch „Steinhagen im Nationalsozialismus“ gibt ihnen Orientierungshilfe. Foto: Bluhm-Weinhold

Denn die Gruppe hat „viele Fässer mit Themen aufgemacht“, wie der Dozent sagt: „Jetzt ist es die Kunst zu reduzieren.“ Und schließlich geht es nicht darum, das Buch, das im Herbst 2018 veröffentlicht wurde, „nachzuerzählen“, sondern dessen Inhalte durch Dokumente, Fotos und Objekte und mittels prägnanter Texte begreifbar zu machen. „Wir sind noch in einer sehr frühen Phase der Konzeptionierung“, so Büschenfeld. Das Seminar diente bisher dazu, die theoretischen Grundlagen zu vermitteln, wie man eine Ausstellung erarbeitet, strukturiert und präsentiert. Kaum eine der Studentinnen und kaum einer der Studenten hat bisher Ausstellungserfahrung.

Das Thema Nationalsozialismus im ländlichen Raum fasziniert

Aber das Thema fasziniert sie alle: der Nationalsozialismus im ländlichen Raum. Steinhagen stehe da auch für den Rest der Region, sind sich die Studierenden einig. Und so lautet auch der Arbeitstitel der Ausstellung: „Nationalsozialismus im ländlichen Raum am Beispiel Steinhagens“. Noch nicht griffig genug: „Wir müssen noch einen zündenden Titel finden“, so Büschenfeld.

Exponate gesucht

Alle Steinhagener sind gebeten, die Dachböden und Keller nach geeigneten Objekten zu durchstöbern. Trotz der lokalen Ausrichtung der Ausstellung: „Diese müssen auch nicht unbedingt aus Steinhagen stammen“, so Jürgen Büschenfeld. Melden kann man sich im Steinhagener Rathaus bei Petra Holländer (05204/997184 oder per E-Mail petra.hollaender@steinhagen.de)

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Fest steht bisher nur, dass auch die Ausstellung im Rathaus der zeitlichen Gliederung des Buches folgen wird. Erster Teil: die Zeit vor 1933 und die Frage, wie es zum Machtgewinn der Nazis auch in Steinhagen, Amshausen und Brockhagen kommen konnte. Zweiter Teil: die Jahre 1933 bis 1939 – die NS-Diktatur im Frieden. Teil drei: die Kriegsjahre 1939 bis 1945. Und Teil vier, ein Abschnitt, dessen Bedeutung auch für die weitere Forschung Jürgen Büschenfeld stets betont hat: die Nachkriegsjahre, die Entnazifizierung. Daraus sind sechs Themenschwerpunkte entwickelt worden.

Termine im Historischen Museum und beim Heimatverein

Nun geht es für die Studierenden, die sich das Projektseminar über zwei Semester als Praktikum anrechnen lassen können, zurück in die Archive. „Da gibt es noch viel mehr Material als für das Buch Verwendung gefunden hat“, so Büschenfeld. Gemeinsam war die Gruppe schon im Historischen Museum in Steinhagen, wo sie gehofft hatte, noch mehr zur Orts- denn zur Steinhäger-Geschichte zu finden. Ende Januar lassen sie sich von Wilken Ordelheide und dem Heimatverein Brockhagen mit Berichten über Ereignisse in Brockhagen versorgen.

Und dann stehen Termine im Stadtarchiv Halle, aber auch im Landesarchiv in Detmold, im Kreisarchiv in Gütersloh und möglicherweise auch im Wirtschaftsarchiv in Dortmund an. Jürgen Büschenfeld empfiehlt zudem den genaueren Blick auf die Situation der Landwirtschaft in den Jahren vor 1933.

Gesucht: Fotos, Plakate, Dinge des täglichen Lebens

„Das Buch dient nicht als Blaupause“, betont der Seminarleiter. Nun werden auch neue Fotos, Wahlplakate, Zeitungsartikel gesucht – ebenso wie Alltagsgegenstände aus der Zeit: Schulhefte, Spielzeug, Dinge des täglichen Lebens wie Lebensmittelkarten und Porzellan, aber auch Abzeichen und Auszeichnungen. Jürgen Büschenfeld hat im Digitalarchiv des WDR auch Filmszenen der Steinhagener Firma Niemann&Harde sowie von der Einweihung des Sportplatzes 1934 gefunden: „Das kannte ich bisher nur als Foto.“ Der Traum der Ausstellungsmacher: ein Volksempfänger. „Der NS war äußerst modern. Er wollte alle erreichen“, kommentiert Jürgen Büschenfeld die Propaganda.

 

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