Dominique Horwitz gastiert mit dem Jourist Quartett im Kulturwerk Das farbenfroheste Kopfkino

Steinhagen  (WB). Russische Erzählungen treffen Konzerttango – was daraus werden kann, beschreibt Dominque Horwitz als »das farbenfroheste Kopfkino«. An diesem Sonntag können sich die Theaterfreunde im Kulturwerk davon selbst überzeugen, wenn der bekannte Charakterdarsteller mit dem international renommierten Jourist Quartett auf der Bühne steht. Vorab hat Annemarie Bluhm-Weinhold mit ihm über das Programm gesprochen.

Man kennt ihn aus Filmen wie »Stalingrad«, Serien wie »Der große Bellheim« und dem »Tatort«: Nun liest Dominique Horwitz in Steinhagen von »Liebe und anderen Unglücksfällen«.
Man kennt ihn aus Filmen wie »Stalingrad«, Serien wie »Der große Bellheim« und dem »Tatort«: Nun liest Dominique Horwitz in Steinhagen von »Liebe und anderen Unglücksfällen«. Foto: Ralf Brinkhoff

Warum Bunin? Wie kam es dazu, die Texte des russischen Erzählers für ein Programm zu wählen und dieses dann auch noch »Liebe und andere Unglücksfälle« zu nennen?

Dominique Horwitz: Das ist der Name eines Bandes der »Anderen Bibliothek«, in dem sie herausgebracht wurden. Bunin, der 1933 den Literaturnobelpreis bekam, hat sehr facettenreich über das Menschheitsthema Nr. 1 geschrieben. Die Liebesgeschichten, die ich ausgesucht habe, erzählen auf zuweilen humorvolle Weise von Begierde und Leidenschaft. Auch wenn sie nicht gut enden, so lassen sie uns doch von der Gewissheit zehren, dass innerer Widerstand zwecklos ist. Der Eros als Heimsuchung.

Und wie kommt die Musik dazu? Die Konzerttangos des Jourist Quartetts.

Horwitz: Unsere musikalische Auswahl ist breit gefächert: vom Tango über Jazz bis hin zu Brahms. Wir haben für diesen Abend die vergessene Form des Melodrams gewählt. Das heißt, der Text wird auf melodische Bögen oder Akzente so platziert, dass eine neue Partitur entsteht. Die Sprache als fünftes Instrument des Quartetts, wenn Sie so wollen. Bei Lesungen trennt man üblicherweise den Text von der Musik. Wir haben uns für eine gleichberechtigte Form entschieden. Wort und Töne bedingen ein­ander. Heraus kommt das farbenfroheste Kopfkino.

Neulich mit der Musik-Revue »Me and the Devil« in Gütersloh, jetzt mit russischer Literatur in Steinhagen. Stehen Sie auf Abgründiges?

Horwitz: Kunst, die unseren Blick nicht nach Innen lenkt, ist nur Unterhaltung. Nichts gegen das reine Entertainment, aber andere sind dafür begabter als ich. In den vielen Jahren habe ich feststellen dürfen, wie sehr sich die Zuschauer nach Inhalten sehnen, die etwas von ihrem Selbsterlebten widerspiegeln. In der Tat sind diese Erlebnisse bisweilen abgründig. Aber so ist nun mal der Mensch. Jeder Weg ist steinig, egal ob man ihn nach oben oder nach unten geht. Ich habe mir angewöhnt, dabei immer zu pfeifen.

Sie gehören zu den großen Charakterdarstellern, haben erfolgreiche Filme gedreht, im »Tatort« gespielt, sind präsent auf den großen Bühnen. Was aber macht den Reiz einer kleinen Bühne wie in Steinhagen aus?

Horwitz: Die Bühne und ihre Größe sind nie so wichtig wie die Zuschauer. Sie sind unser Adressat, Intimität bedingt durch den Raum kann durchaus hilfreich sein. Aber in der Kunst ist es wie in der Liebe. Wir können nur geben, ob es auch angenommen wird, entscheidet das Steinhagener Publikum selbst. Das Jourist Quartett und ich sind jedenfalls bereit und willig.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7096272?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516077%2F