42. Steinhagener Gemeindechronik enthält spannende und informative Geschichte(n) Trauriger Fund in der Kirche

Steinhagen (WB). Eine Babyleiche, in ein Paket gewickelt, gefunden von zwei Elfjährigen im Frühjahr 1858: Auch dieser traurig-schockierende Fund und seine Hintergründe finden sich in den Aufzeichnungen von Steinhagens früherem Kantor Kolwes. Nachzulesen in der 42. Gemeindechronik des Heimatvereins Steinhagen.

Von Volker Hagemann
Petra Holländer, Jürgen Obelode und Udo Waschkowitz (von links) haben jede Menge Arbeit in die Chronik gesteckt.
Petra Holländer, Jürgen Obelode und Udo Waschkowitz (von links) haben jede Menge Arbeit in die Chronik gesteckt. Foto: Volker Hagemann

Und das ist nur eines der spannenden und vielseitigen Themen, die der Arbeitskreis Geschichte des Heimatvereins Steinhagen mit in die neu erschienene Gemeindechronik aufgenommen hat. Das 74-seitige Werk ist für fünf Euro in der Buchhandlung Lechtermann, im Historischen Museum und am Stand des Heimatvereins auf dem Weihnachtsmarkt zu haben.

Exhumierung und ein Drama im Haller Gefängnis

Auf den grausamen Leichenfund stieß Carl August Friedrich Kolwes – im 19. Jahrhundert in Steinhagen Kantor, Küster, Organist und Lehrer – eher zufällig: Sein elfjähriger Sohn war an jenem 11. April mit einem gleichaltrigen Freund in der Steinhagener Dorfkirche, »um die zum Gottesdienste bestimmten Gesänge anzuschreiben«. Unter einer der Kirchenbänke fanden die Kinder »ein in Leinen gewickeltes Paquet« und informierten den Kantor. Kolwes eilte mit dem Schuhmacher Ludewig Lütgemeier in die Kirche und fand in dem Paket einen toten, schätzungsweise sechs bis sieben Wochen alten Säugling.

In der Chronik folgen Details zu den Hintergründen, es geht um eine Exhumierung und ein weiteres Drama im Haller Gefängnis.

Schwierige Recherche in Archiven

Jürgen Obelode, der wie Petra Holländer und Udo Waschkowitz zum Chronik-Team des Heimatvereins gehört, führt damit die 2018 in der Gemeindechronik begonnene Serie fort; sie enthält die überlieferten Aufzeichnungen der früheren Steinhagener Kantore und Lehrer. »Diesmal von 1833 bis 1842 und von 1853 bis 1858. Leider gibt es dazwischen eine Lücke von neun Jahren, zu der es keine Aufzeichnungen gibt«, erklärt Obelode. Seine Recherche etwa im Landeskirchlichen Archiv in Bielefeld ist ohnehin eine absolute Fleißarbeit: »Die Handschrift ist oft verwittert und schwer lesbar.«

Faszinierend auch ein weiteres Thema der neuen Gemeindechronik: die Geschichte der Bienenhaltung. Dabei erhielt das Chronik-Team Unterstützung vom Länderinstitut für Bienenkunde im brandenburgischen Hohen Neuendorf und vom Steinhagener Imkerverein.

Als die Höfe Bienenwachs abgeben mussten

Wie wichtig die Bienenhaltung schon immer war, zeigt allein der Bedarf an Wachs zur Kerzenherstellung, um Innenräume zu beleuchten. So ist im Ravensberger Urbar von 1556 exakt aufgelistet, welche Steinhagener Höfe jedes Jahr wieviel Wachs – später auch monetäre Abgaben – an die Kirche liefern mussten: Reelmann (Steinhagen Nummer 16) etwa »einen Wachspenninck«, Grewe (Steinhagen Nummer 6) »in die Kirchen ein Pfund Wachs«.

Darüber hinaus enthält die Chronik jede Menge Ortsgeschichte(n), darunter zur Gedenkveranstaltung in Fivizzano im August, zum 70-jährigen Bestehen des Schwimmclubs und zur Geschichte der Heimchen-Siedlung. Der Heimatverein Steinhagen informiert über seine Aktivitäten und gibt einen Programmausblick.

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