Neue Ausstellung im Steinhagener Rathaus Die Welt des Woldemar Winkler

Steinhagen  (WB). Fantastische Welten eröffnen sich seit Sonntag an den Wänden des Steinhagener Rathauses – oder anders gesagt: Es ist die wunderbare Welt des Woldemar Winkler, die Einblicke voller Poesie und Magie gibt.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Zwei von zwölf Bildern von Woldemar Winklers Florenz-Zyklus bewundern (von links) Ulrich Kniesel (Vorstand Stiftung), Kuratorin Christiane Hoffmann und Bürgermeister Klaus Besser. Bis Ende Januar sind die fantastischen Arbeiten des 2004 verstorbenen Niehorster Künstlers im Rathaus zu sehen.
Zwei von zwölf Bildern von Woldemar Winklers Florenz-Zyklus bewundern (von links) Ulrich Kniesel (Vorstand Stiftung), Kuratorin Christiane Hoffmann und Bürgermeister Klaus Besser. Bis Ende Januar sind die fantastischen Arbeiten des 2004 verstorbenen Niehorster Künstlers im Rathaus zu sehen. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Denn der Gütersloher Künstler Woldemar Winkler, der 102jährig am 30. September 2004 starb, war ein »Weltenbummler der Fantasie«. Und so lautet auch der Titel der Steinhagener Ausstellung. »Darf man aber am Totensonntag überhaupt eine Ausstellung eröffnen?«, fragte Bürgermeister Klaus Besser in seiner Begrüßung – und gab die Antwort gleich selbst: »Ja, denn heute erinnern wir uns an verstorbene Menschen.« Und dass Woldemar Winkler auch 15 Jahre nach seinem Tod unvergessen ist, dafür standen etwa 40 Gäste bei der Vernissage – viele von ihnen Weggefährten. Und unter ihnen auch Woldemar Winklers Sohn Christoph mit Ehefrau Kerstin.

Bilder lassen der Fantasie Raum

Auch Kunsthistorikerin und Kuratorin Christiane Hoffmann sagte: »Der Ewigkeitssonntag ist der letzte ruhige Tag, bevor die hektische Adventszeit beginnt.« Ein Tag also wie dafür gemacht, den Blick in der fantastischen Welt des Woldemar Winkler versinken zu lassen. »Seine Kunst ist ganz offen. Wir können jeden Tag wieder zu Herrn Besser ins Haus kommen und den Sinn immer wieder neu bestimmen«, sagte Christiane Hoffmann. »Die Bilder sind alles andere als eindeutig. Sie sind fantastisch und geben der Fantasie raum«, so auch Ulrich Kniesel, Vorstand der Woldemar-Winkler-Stiftung der Sparkasse Gütersloh. Alle in Steinhagen zu sehenden Bilder und Plastiken stammen aus dem Besitz der Stiftung.

Die ersten 40 Jahre seines Lebens hat Winkler, der mit seinen fantastischen Werken in einer romantischen Tradition à la Max Ernst steht, in Dresden verbracht. Danach lebte er mehr als 60 Jahre lang in Gütersloh-Niehorst und hat einen reichen Schatz an künstlerischen Werken hinterlassen.

Vielleicht sind es die Sehnsuchtsorte wie Florenz, die dem Betrachter den Zugang zu Winklers Werk so einfach machen: 80jährig reiste der Künstler zu einer Preisverleihung in die Stadt Michelangelos – und holte dabei auch den Meister der Renaissance-Kunst ein Stück weit vom Sockel. Christiane Hoffmann wies auf eine Persiflage hin: In Winklers Michaelangelo-Bild finden sich ausgerechnet Arbeitshandschuhe. Mit zwölf Bildern ist der Florenz-Zyklus ein Schwerpunkt der Steinhagener Schau.

Themen des Alltags als Angelpunkt

Es sind überhaupt die alltäglichen Dinge, die im Reich der Fantasie auftauchen und den Betrachter nicht mehr loslassen. Eine Schuhsohle ist da etwa zu nennen. »Das ist der Angelpunkt vieler Bilder: Ganz oft spricht er Themen des Alltags an, die scheinbar banal sind, aber uns in diesem Moment beschäftigen und uns intensiv in ein Zwiegespräch hineinziehen«, so Hoffmann.

Woldemar Winklers Bilder wirken als Assemblage fast schon dreidimensional. »Das ermöglicht uns, unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen.« Die gefühlte Dreidimensionalität – sie wirkt in den Raum hinein.

Die Vernissage bildete auch den Rahmen für eine musikalische Premiere: Oliwia und Pierre Locher sind Steinhagener Bürger und Musiker der Nordwestdeutschen Philharmonie. Die Violinistin und der Klarinettist sind mit dem Orchester auch schon in ihrer Heimatgemeinde aufgetreten – aber noch nie als Duo.

Die Ausstellung ist für zwei Monate bis Freitag, 24. Januar, während der Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.

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