Steinhagener Weihnachtsmarkt: Kitas wollten aussteigen
Das Miteinander ist strapaziert

Steinhagen  (WB). Alle Vereine und Institutionen machen mit beim Steinhagener Weihnachtsmarkt – und zwar ehrenamtlich. Das Geld, das sie einnehmen, fließt in den großen Spendentopf, aus dem jeder wiederum Förderung beantragen kann. So weit, so gut: Doch zunehmend wird dieses Prinzip (über)strapaziert.

Donnerstag, 07.11.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 05:01 Uhr
So sieht es an vielen Weihnachtsmarkt-Ständen aus, und das macht den besonderen Charme im Rund am Kirchplatz aus: liebevoll Gebasteltes und Gebackenes, angeboten von ehrenamtlich tätigen Eltern, Erzieherinnen, Lehrerinnen. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Denn jahrelange Mitstreiter meldeten sich ab. Aktueller Fall: Die evangelischen Kindertagesstätten wollten aufgrund interner Probleme nicht mitmachen – was sie aber offenbar nicht kommuniziert haben. »Wir haben zufällig davon erfahren«, sagt Katja Tarun, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Steinhagen. Die AGS veranstaltet den Weihnachtsmarkt. Das Ausbleiben der Kitas hätte ein großes Loch in die Budenreihe am Kirchplatz gerissen. Weggefallen wären zweieinhalb Stände. Zweieinhalb, weil sich jede Kita immer schon mit einer anderen oder einer Grundschule zusammengetan hat.

Der AGS-Vorstand intervenierte – mit Teilerfolg. »Die Kitas sind jetzt mit einem Gemeinschaftsstand vertreten«, sagte Katja Tarun. »Gerade die Kirche müsste doch ein besonderes Verständnis für unser Weihnachtsmarkt-Motto ›Miteinander – Füreinander‹ haben«, sagt die stellvertretende Vorsitzende Renate Kampmann.

Miteinander – Füreinander

Zumal die Evangelische Kirchengemeinde Steinhagen Spendenempfängerin aus dem Weihnachtsmarkt-Topf ist: »Vor ein, zwei Jahren haben wir den Kirchbulli finanziert. Die Spiekeroog-Freizeiten der Jungschar werden ebenfalls unterstützt. Ebenso Anträge der Kitas auf Spielgeräte, Kücheneinrichtung oder ähnliches«, so Tarun.

Doch das Geld müsse auch erwirtschaftet werden. Und dafür sind beim Weihnachtsmarkt Vereine, Schulen, Kitas und weitere Ehrenamtliche, mitunter auch engagierte Privatpersonen, zuständig. Zwar gibt es auch kommerzielle Händler und Gastronomen beim Steinhagener Weihnachtsmarkt, die eine Standgebühr und eine freiwillige Spende zahlen. Aber deren Zahl ist begrenzt. Was den Steinhagener Weihnachtsmarkt in der ganzen Region einmalig macht, ist das hohe Maß an ehrenamtlich geführten Ständen. »Miteinander – Füreinander«, das Motto hat schon Weihnachtsmarkt-Erfinder Dieter Flöttmann geprägt. »Das macht den Charme unseres Weihnachtsmarktes aus«, sagt Katja Tarun.

»Es liegt aber auch in den Einrichtungen, das zu kommunizieren«, sagte Vorstandsmitglied Petra Stockhecke. Denn die AGS stellt fest: »Steinhagen ist Zuzugsgebiet. Es gibt viele neue Familien hier, die unser Prinzip nicht kennen«, sagt Renate Kampmann. Und so schreitet die Aktionsgemeinschaft Steinhagen inzwischen zur Eigenwerbung. Jüngst bei der Fahrradprüfung in der Grundschule, die die AGS seit Jahrzehnten mitfinanziert, war das erste Mal ein Aufsteller im Einsatz: »Auf ihm ist zu lesen, wer die AGS ist und was sie macht«, erklärt Katja Tarun.

Im Schlichte-Carree

Das Schlichte-Carree bleibt zum Weihnachtsmarkt erneut leer. »Wir würden gerne über neue Konzepte nachdenken, haben das aber noch nicht geschafft«, sagt Perus-Geschäftsführer Horst Neugebauer: »Wir stellen den Innenhof gerne zur Verfügung, er schreit danach, belebt zu werden.« Nach einer steuerlichen Auseinandersetzung mit dem Finanzamt wegen der Einnahmen der Stände im Schlichte-Carree hatte Perus sei Engagement 2018 beendet. Der Gerichtsentscheid zum Steuerverfahren steht aus.

Kommentar

Mehr als 1,7 Millionen Euro in 45 Jahren, 50.000 Euro allein 2018: Der Erfolg kommt nicht von ungefähr, sondern nur, weil alle mitziehen. Klar, es wollen auch alle vom Erlös profitieren. Gerne wird die AGS als Steinhagens Bürgerstiftung bezeichnet. Und neben dem finanziellen Ziel eint die Aktiven noch etwas: beteiligt zu sein an einem besonders schönen Erlebnis. Denn ohne die liebevollen Stände wäre der Steinhagener Weihnachtsmarkt nur einer von vielen. Annemarie Bluhm-Weinhold

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