Steinhagens Bürgermeister Klaus Besser ist seit 25 Jahren im Amt – mit Video Auftakt mit einer Stimme Mehrheit

Steinhagen (WB). Bürgermeister Klaus Besser feiert außergewöhnliches Jubiläum: Seit 25 Jahren ist er an diesem Samstag im Amt – so lange wie kein anderer im Kreis Gütersloh. Die Kommunalwahl vom 19. Oktober 1994 und die folgende Bürgermeister-Stichwahl vom 2. November 1994 bezeichnet Klaus Besser im Interview mit WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Annemarie Bluhm-Weinhold als Paradigmenwechsel. Nach Jahrzehnten der bürgerlichen Mehrheit lag Rot-Grün knapp vorn – damit war ein sozialdemokratischer Bürgermeister erstmals seit 1961 möglich.

Er ist der dienstälteste Bürgermeister im Kreis Gütersloh: Klaus Besser.
Er ist der dienstälteste Bürgermeister im Kreis Gütersloh: Klaus Besser. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Wie war das damals am 2. November 1994, als die Ratssitzung war, in der Sie als Bürgermeister gewählt wurden?

Klaus Besser: Das war außergewöhnlich spannend. Rechtzeitig vor der Ratssitzung hatten wir uns in der SPD-Fraktion verabredet, um zu schauen, ob wirklich alle vollständig da sind und sind erst dann in den Ratssaal gegangen. Und dann war es sehr aufregend. Es war eine geheime Abstimmung ohne Aussprache. Jeder musste einzeln in die Stimmkabine. Mit Bekanntgabe des Wahlergebnisses stand dann fest: Jawoll, es hat geklappt. Ich bin ehrenamtlicher Bürgermeister.

War das erwartbar oder Spannung bis zuletzt, weil es eine sehr knappe rot-grüne Mehrheit war?

Besser: Es war eine Ein-Stimmen-Mehrheit und man weiß nie, wie der Einzelne abstimmt. Es hat in der Politik auch schon viele Fälle gegeben, wo das nicht geklappt hat. Und insofern war das Spannung bis zum letzten Moment.

Der Jubel entsprechend groß. Waren Sie erleichtert?

Besser: Es war eine große Erleichterung, Entspannung, große Freude, aber auch Dankbarkeit, dass es so funktioniert hat.

Sie waren damals schon einige Jahre in der Ratsarbeit tätig. War für Sie schon klar mit dem Moment, als Sie Bürgermeister wurden, wo Sie auch ihre politischen Ziele setzen?

Besser: Wir hatten schon sehr klare Vorstellungen im Wahlkampf entwickelt, wie wir uns Politik vorstellen. Dass es nicht eine Politik mit Beziehungen und Mauscheleien oder in geheimen Sitzungen ist. Wir haben einen sehr offenen, sehr transparenten, sehr demokratischen Ansatz gehabt und den auch vertreten. Ich hatte die fünf Jahre zuvor den SPD-Fraktionsvorsitz und habe gemerkt, wie manches läuft, wie Entscheidungsprozesse sind und war froh, einiges verändern zu können.

Sie sind 1996 hauptamtlicher Bürgermeister geworden. War das von vornherein klar?

Besser: Ja, damit haben wir 1994 schon eindeutig Wahlkampf gemacht. Wir haben gesagt, dass wir einen Kandidaten haben, der über die berufliche Qualifikation verfügt und in der Lage ist, nicht nur die Gemeinde zu repräsentieren, sondern auch die Verwaltung zu leiten. Und haben von vornherein den Wählerinnen und Wählern gesagt: 1996 soll unser Kandidat hauptamtlicher Bürgermeister werden und Nachfolger des Gemeindedirektors werden. Mag sein, dass das der UWG am Ende die entscheidenden Stimmen gekostet hat, weil diese Fähigkeit hauptamtlicher Bürgermeister zu werden, dem Mitbewerber abgesprochen wurde.

Was war rückblickend die größte Herausforderung?

Besser: Es gab mehrere große Herausforderungen. Zu Beginn der hauptamtlichen Zeit der Balsam-Skandal mit der großen Finanzkrise. Mein erster Haushalt, der im Dezember 1996 verabschiedet worden war, war im Januar 1997 schon wieder obsolet. Wir waren in einer außerordentlich schwierigen finanziellen Situation, und das war auch eine Bewährungsprobe im Umgang mit der Öffentlichkeit und mit den Medien. Innerhalb weniger Tage waren alle da, vom WDR bis zur Bild-Zeitung und zu Sat1, die meinten, in Steinhagen gingen die Lichter aus. Sie sind nicht ausgegangen. Aber es war ein einschneidendes Ereignis. Auch der Bau des Gymnasiums ist sicherlich zu nennen,

die Ortskernsanierung, die Entwicklung im Kindertagesstättenbereich und vieles andere.

Ist das dann auch immer ein Etappensieg?

Besser: Es motiviert einen, weiterzumachen, wenn man Erfolge hat. Zum Beispiel die Grundstücksverhandlungen mit Detert zum Ankauf der Industrie- und Gewerbeflächen an der A33. Ein 40-jähriger Verhandlungsprozess ist da zum Ende gekommen. Und dann reflektiert man: Daran haben schon viele Vorgänger gearbeitet, aber man selbst hat die Chance, diese Flächen jetzt zu erwerben und für die Gemeinde fruchtbar zu entwickeln.

Apropos A33. Auch für Sie nicht eine so besonders schöne Entwicklung...

Besser: Ich empfinde es eher als Schicksal, dass während meiner Amtszeit diese Autobahn gebaut und in Betrieb genommen wurde. Sie hat mich mein ganzes Leben beschäftigt. Ich erzähle gerne, dass ich schon 1965 als Fünfjähriger bei Verwandtenbesuchen in der Patthorst mit dem Thema konfrontiert worden bin. Dann durfte ich den Bau begleiten, ich habe Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht und schließlich die Einweihung miterlebt.

Was sind die persönlichen Momente in diesen 25 Jahren gewesen?

Besser: Die Wahlabende. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn die Ergebnisse kommen. Die Anspannung, die man bis dahin gehabt hat, fällt ab und weicht einer Erleichterung, einer Freude, einem Glücksgefühl.

Bei Ihnen ja sicherlich einer großen Freude, weil Sie jedes Mal Ihre Ergebnisse gesteigert haben.

Besser: Ja. Aber ich empfinde auch Dankbarkeit. Es ist eine Bestätigung, wenn die Wählerinnen und Wähler mir durch ihr Votum das Vertrauen zeigen, weitere fünf Jahre das Amt ausüben zu dürfen und Steinhagen voran zu bringen.

Wird es noch einmal weitere fünf Jahre mit Klaus Besser als Bürgermeister geben?

Besser: Da bleibe ich meiner Linie treu, dass ich das erst nach meinem 60. Geburtstag, den ich hoffentlich Ostern 2020 feiern darf, bekannt geben werde. Ich habe immer erst ein halbes Jahr vorher gesagt, ob ich kandidiere.

Erinnerung an einen spannenden Wahlabend

Im Jahr 1994 gab es noch die Doppelspitze mit einem ehrenamtlichen Bürgermeister und dem Stadt- bzw. Gemeindedirektor, Werner Goldbeck, in Steinhagen. Spannend war schon der Abend der Kommunalwahl am 16. Oktober 1994 – wie spannend, das schildert Klaus Besser im Video-Interview mit dem WESTFALEN-BLATT. Der Bürgermeister, der heute direkt von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt wird, wurde damals durch die Ratsmitglieder gewählt. Am 2. November 1994 hielt das zuvor von SPD und Grünen geschlossene Bündnis. Mit einer Stimme Mehrheit gewann Klaus Besser in geheimer Wahl gegen Amtsinhaber Heinrich Consbruch (CDU). Dieser verzichtete auf den ersten Stellvertreterposten, so dass Gerhard Goldbecker nachrückte. Zweite stellvertretende Bürgermeisterin wurde Marianne Lepper-Schone (Bündnis 90/Die Grünen).

Schon viermal wiedergewählt worden

Klaus Besser, am 12. April 1960, in Steinhagen geboren, ist Diplom-Verwaltungswirt und hat vor seiner Laufbahn in Steinhagen von 1980 bis 1990 im Bezirksamt Brackwede, danach bis 1996 als Abschnittsleiter im Personalamt der Stadt Bielefeld gearbeitet. 1996 wurde er nach Abschaffung der Doppelspitze zum hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Steinhagen gewählt. Viermal ist er bisher wiedergewählt worden: 1999 mit 59 Prozent der Wählerstimmen, 2004 mit 65 Prozent, 2009 mit 74 Prozent und 2014 mit 84 Prozent.

Seit 1983 ist Klaus Besser Mitglied der SPD. 1984 wurde er Sachkundiger Bürger im Bau- und Planungsausschuss, 1986 als Ratsmitglied gewählt. Von 1987 bis 1989 war er Vorsitzender des Kulturausschusses, von 1989 bis zur Bürgermeister-Wahl 1994 Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion.

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