Trockenheit hinterlässt immense Schäden – ein Spaziergang mit Förster Lübke
Selbst starke Buchen gehen ein

Steinhagen (WB). 100 Jahre haben die Buchen im Wald in Amshausen oberhalb der Lindenstraße überstanden. Doch zwei trockene Sommer haben gereicht, dass viele von ihnen sterben. »Dramatisch ist, dass es nicht nur die kümmerlichen sind, sondern auch dominante Bäume eingehen«, sagt Förster Johannes-Otto Lübke.

Mittwoch, 09.10.2019, 03:00 Uhr
Auseinandergebrochen: Dieser Buche sind die Äste förmlich vom Stamm gefallen. Foto: Schillig

Die Schäden, die gleich zwei Extremsommer hintereinander verursacht haben, sind immens. Zehn bis 15 Prozent der Buchen in Lübkes Zuständigkeitsbereich, der private und kommunale Waldflächen in Steinhagen, Halle und Werther umfasst, weisen starke Schäden auf – vor allem Bäume in exponierten Südlagen. Bei den Fichten ist es mehr als die Hälfte, die vom Sturm oder Borkenkäfer betroffen sind.

Das volle Ausmaß ist noch gar nicht sichtbar

In Amshausen hat der Förster die geschädigten Buchen markiert. Zwar haben diese Laubbäume keine Last mit dem Borkenkäfer. Aber durch die Trockenheit kommt es zu physiologischen Störungen, die der Baum, wie Lübke erläutert, nicht überwinden kann. »Die treiben nicht wieder aus«, sagt er. Und das Ausmaß der Schädigungen ist derzeit noch nicht einmal voll absehbar: »Das kann bis zu drei Jahre nach einem Stressjahr dauern, bevor man alles sieht.«

Und manches kündigt sich auch gar nicht an: wie die spröden Brüche, verursacht durch Trockenheit und Pilzbefall. Auch bei Windstille können große Äste aus den Kronen herausbrechen. »Jeder, der in den Wald geht, ist auf eigene Gefahr unterwegs. Zurzeit sind aber die waldtypischen Gefahren besonders hoch«, so Lübke.

Nur einzelne Bäume, die geschädigten Exemplare, sollen dem Wald entnommen werden. Aufgeforstet wird nicht, stattdessen soll sich der Wald verjüngen. So kann eine größere genetische Variabilität entstehen – sprich: Der Nachwuchs ist robuster. Im Wald oberhalb der Lindenstraße kommen jetzt schon Eschen und Ahorn nach. Lübke ist zuversichtlich, dass der Wald sich dort auch selbst helfen kann. Was ihm auch Mut macht: »Die Eichen, die hier stehen, sehen viel vitaler als die Buchen aus.« Offenbar sind sie resistenter.

Neue Arten oder Verjüngung des Waldes?

Muss man nicht auch über neue Arten nachdenken, die den extremen Wetterlagen besser trotzen? Das sei von Standort zu Standort verschieden, so Lübke. Grundsätzlich nennt er ausländische Baumarten wie Roteiche, Küstentanne und Douglasie sowie die Esskastanie. Aber auch die deutsche Traubeneiche sei gut an Trockenheit angepasst. In Waldschutz- und FFH-Gebieten ist hingegen Vorsicht angesagt mit Pflanzung neuer Arten. Schließlich ist es in diesen Gebieten Ziel, die typische Buchenwaldgesellschaft zu erhalten. Das passen Ahorn und Esche hinein. Lübke setzt aber auch auf die Anpassungsfähigkeit künftiger Generationen: »Die Buche ist seit 5000 bis 6000 Jahren in unserer Gegend. Wenn man nicht irgendwann angefangen hätte, Kiefer und Fichte zu pflanzen, wären 80 Prozent von NRW Buchenwald.«

Die Koniferenarten wie Douglasie und Küstentanne, die Lärche, aber auch Eiche und Roteiche werden zu den Aufforstungen gehören, die man auf den großen Fichten-Schadflächen vornehmen muss. »Mischbestände, um das Risiko zu streuen«, so Lübke. Denn die Bäume brauchen unterschiedliche Nährstoffe und sie zeichnen sich durch unterschiedliche Resistenz gegen Trockenheit aus. Das kann dem Wald nur gut tun.

Schlimm findet der Förster, wie er sagt, »dass die Idee der Nachhaltigkeit gerade über die Wupper geht«. Eigentlich nutze man nicht mehr als man auch nachhalten könne: »Doch wir hauen gerade das Dreifache des Fichtenbestands um. Aber wenn wir das nicht täten, dann wäre die Krankheitsausbreitung noch höher.«

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