Fotograf Phillip Gätz aus Steinhagen-Brockhagen fährt mit dem Containerschiff nach Südamerika
Er ist dann mal weg

Steinhagen (WB). Er ist 1111 Kilometer von Flensburg nach Füssen gewandert. Das war 2010. Nun sucht Phillip Gätz wieder das Abenteuer und fährt auf einem Containerschiff mit nach Südamerika. Das ist seine »Reise in den Verstand«.

Samstag, 28.09.2019, 07:30 Uhr
Phillip Gätz hat schon mal Tuchfühlung mit seinem »Traumschiff« aufgenommen. Seine »Fahrt in den Verstand« und dessen Route hat er sich als Logo auf Shirts und Basecaps drucken lassen – seine »Arbeitskluft« auf dem Schiff. Foto: Phillip Gätz

Sonntag geht er an Bord, Montag geht’s los. Knapp einen Monat wird der 36 Jahre alte gebürtige Brockhagener, der heute als freischaffender Fotograf in Hamburg lebt, an Bord der »Cap San Marco« der früher zum Oetker-, heute zum Maersk-Konzern gehörenden Reederei Hamburg-Süd sein. Mit dem 334 Meter langen, 55.000 PS starken, 9.000 Container fassenden Schiff geht es über den Atlantik ins brasilianische São Paulo. An Bord will er natürlich Fotos machen, sich aber auch, wie er sagt, »in den Dienst der Mannschaft stellen«.

Über einen Mittelsmann in die Hierarchien der Großunternehmen

Eine solche Reise kann man sich nicht einfach kaufen. Und das macht für Phillip Gätz ihren Reiz aus. Schwer genug erkämpft hat er sich seine »Große Fahrt«. Sieben Monate hat er nach einem Containerschiff gesucht, das er nicht als Tourist, sondern als »sichtbarer blinder Passagier« besteigen kann. Das ist alles nicht so einfach: »Es gibt so viele Restriktionen. Man muss schon einen Mittelsmann haben, um in die Hierarchien der Großunternehmen zu kommen.« Klinkenputzen war also angesagt, was in der Hafenstadt Hamburg vielleicht leichter fällt als von Brockhagen aus. Dennoch hagelte es Absagen. Vielleicht lag’s auch am Ziel seiner Traumreise: Asien.

Dass es schließlich doch noch klappte, hat auch etwas mit Hartnäckigkeit und Frechheit zu tun, denn von Hamburg-Süd ließ die Antwort auf seine Bewerbung und sein Exposé auf sich warten – Gätz aber fragte einfach noch mal nach. Das Wunschziel Asien konnte ihm die Reederei mit eigenen Schiffen nicht erfüllen. Aber Südamerika. Auch gut. Schließlich ist, ähnlich wie bei seiner Wanderung 2010, auch diesmal der Weg das Ziel. Man wurde sich handelseinig. Und dann musste alles ganz schnell gehen. Dem Brockhagener blieben nur zwölf Tage für seine Reisevorbereitungen inklusive der Beschaffung aller benötigter Dokumente.

Minimalziel sind coole Bilder und Material für die eigene Werbung.

Phillip Gätz

Was erwartet ihn nun? Darauf ist der Fotograf selbst auch gespannt. »Ganz viel wird sich von Seemeile zu Seemeile entscheiden«, so Gätz. Wichtig ist ihm, Kapitän und Crew die Sorge ständiger Beobachtung zu nehmen. »Minimalziel sind coole Bilder und Material für die eigene Werbung.«

Ein bisschen wie im Kloster

Am Anfang werde er viele Fotos machen, irgendwann wird auch das abnehmen. Und irgendwann wird es auf dem weiten Meer eintönig. »Eine solche Reise ist natürlich ein Rückzug mit Ansage«, so Gätz. Deshalb hat er sein Abenteuer »Reise in den Verstand« genannt. Wenn die »Cap San Marco« die Elbe hinunterfährt, gibt es kein Zurück mehr: »Es ist wie im Kloster. Du kannst nicht mehr raus.« Er ist dann eben mal weg.

In Küstennähe will Phillip Gätz Lebenszeichen geben auf seinen digitalen Kanälen. Aber es kommen auch elf Tage auf hoher See zwischen Gibraltar und São Paolo, an denen er keine Verbindung hat. »Hinterher werde ich alles als Tagebuch veröffentlichen.«

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