Landwirte lernen auf dem Hof Goldbecker in Steinhagen widerstandsfähige Sorten kennen
Trockenheit macht Mais zu schaffen

Steinhagen-Brockhagen (WB). »Wir sind mit der Vegetation drei Wochen später dran. Das liegt daran, dass es im Mai recht kühl war. Hinzu kommt die Trockenheit, die uns im Juli zur Unzeit getroffen hat«, erklärt Jörg-Henrik Goldbecker.

Freitag, 06.09.2019, 03:00 Uhr
Jörg-Henrik Goldbecker, Marlit Matthes (Raiffeisen) und Burkhard Linneweber (LWK Gütersloh; v.li.) informieren über den Stand der Dinge auf den Feldern. Foto: Malte Krammenschneider

Der Brockhagener Landwirt, der in diesen Tagen mit der Ernte seiner insgesamt 200 Hektar großen Maisfelder begonnen hat, muss also auch in diesem Jahr mit Ernteeinbußen rechnen. Doch wie bei der jüngsten Maisdemo deutlich wird, versuchen die Landwirte bereits, sich mit neuen Saaten für die klimatischen Veränderungen zu rüsten.

Kleine »Getreideschau« auf dem Feld

Zur kleinen »Getreideschau« sind neben Vertretern der Agrar-Industrie und einigen Landwirten auf dem Hof Goldbecker auch Burkhard Linnemann von der Landwirtschaftskammer Gütersloh sowie Marlit Matthes von der Raiffeisen-Genossenschaft erschienen. Letztere beklagt vor allem den fehlenden Niederschlag. »Es gab zwar ab und an Regen, doch das war nur ein Tropfen auf dem heißen Stein«, sagt Marlit Matthes, bevor Jörg-Henrik Goldbecker es anhand der Niederschlagszahlen verdeutlicht. Während die Monate April (46,9 mm), Mai (61,2 mm) und Juni (49,0 mm) noch relativ normale Feuchtigkeit brachten, war es im Juli (31,33 mm) und August (34,8 mm) viel zu trocken.

Bei den Maisbauern mache sich diese späte Trockenheit besonders bemerkbar, da sich in dieser Zeit neben der Blüte später auch die Maiskolben ausbilden. Fehlendes Wasser bedeutet also kleinere oder mancher Orts sogar gar keine Kolben.

»Es gibt zum Teil erhebliche Unterschiede durch die Bodenbeschaffenheit. Dort ist eine Pflanze 5,50 Meter hoch und fünf Meter weiter nur halb so groß«, erklärt Gastgeber Goldbecker. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, werden laut Marlit Matthes deshalb aktuell Mais-Sorten wie »Talisman«, »Gustavius« oder »Benedictio« im Trend liegen, welche sich dadurch auszeichnen, dass sie auch mit schwierigen, sprich wasser- und nährstoffärmeren Böden zurechtkommen.

Mit Infrarot-Messung wird der Bedarf für Wasser und Dünger ermittelt

»Mit dem Anbau von neuen Sorten möchten wir die Landwirte dabei unterstützen, in Zeiten von Klimaveränderungen ökologisch, aber zeitgleich auch ökonomisch zu arbeiten«, sagt Marlit Matthes, die den Gästen auf dem Hof Goldbecker – der sich als Bindeglied zwischen Handelsvertretern und Landwirten sieht – auch die so genannten Management-Zonenkarten vorstellt: eine per Infrarot durchgeführte Messung der Biomasse eines Ackers. Auf diese Weise wird sichtbar, welche Flächen künftig mehr Wasser und Dünger benötigen und welche auch ohne Unterstützung zurechtkommen. »Es steigert die Effizienz und den Ertrag«, so Matthes.

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