Schon zweimal um die Welt gereist: Steinhagener Tobias Böhmer (25) fährt als Nautiker zur See
Junge aus der Patthorst wird Kapitän

Steinhagen (WB). Seine Wurzeln hat er in der Patthorst. Aber seine Wahlheimat ist das Meer: Der Steinhagener Tobias Böhmer (25) hat seinen Traumjob gefunden und fährt als Nautischer Wachoffizier (Nautiker) über die Weltmeere.

Sonntag, 01.09.2019, 07:30 Uhr aktualisiert: 02.09.2019, 10:02 Uhr
Tobias Böhmer auf der Brücke, den Blick auf Instrumente und das Meer gerichtet. Containerschiffe fährt er derzeit nicht, sondern Tanker. Foto: Böhmer

Das Patent ist noch ganz frisch und bringt den Steinhagener seinem Ziel, Kapitän zu werden, einen großen Schritt näher. Derzeit ist Tobias Böhmer wieder auf See. An Bord eines Tankschiffs fährt er nach Norwegen. Zweimal ist er bereits um die Welt gereist – Skandinavien fehlt ihm noch auf seiner persönlichen Landkarte.

Mit 16 auf große Fahrt

Tobias Böhmer hätte bodenständig bleiben und in der Baumschule Upmann auf dem Ströhen eine Ausbildung machen können. »Die wollten mich gerne haben«, sagt er. Doch dann traf er auf einer Berufsmesse in Detmold »Käpten Iglu« – sprich: einen waschechten Kapitän mit Rauschebart, der ihm von Berufen auf See erzählte. »Ich war Feuer und Flamme«, sagt Böhmer. So sehr, dass er mit 16 Jahren bei Hapag-Lloyd für ein Praktikum anheuerte und mitfuhr von Hamburg nach Peru. Danach stand fest: »Ich möchte Kapitän werden.«

Er machte seinen Abschluss an der Realschule Steinhagen, sein Fachabi am Berufskolleg Halle, besuchte die Zweijährige Höhere Berufsfachschule für Technik und absolvierte die Schiffsmechaniker-Ausbildung bei der Reederei Claus Peter Offen, Hamburg. Tobias Böhmer fuhr zur See – immer auf den großen »Pötten«, den endlos langen Containerschiffen. »Unter 200 Meter waren die nie.« Und er absolvierte seine weitere Ausbildung zum Schiffsmaschinisten und schließlich zum Nautischen Wachoffizier.

Umgestiegen auf Tanker

Inzwischen Ist Tobias Böhmer umgestiegen von Container- auf Tankschiffe. Die erfordern wegen ihrer explosiven Ladung und den damit verbundenen Sicherheitsvorkehrungen noch speziellere Qualifikationen.

So sehr er das internationale Zusammenleben mit den Kollegen – und vermehrt auch Kolleginnen – an Bord schätzt: »Mir ist wichtig, wegen der sozialen Absicherung unter deutscher Flagge zu fahren«, sagt er. Und so ist er glücklich, nun bei der Bremer Tankreederei German Tanker, die im europäischen Raum vor allem Richtung Schottland und Norwegen unterwegs ist, eine Stelle bekommen zu haben.

Finanzkrise und Piraterie

Dafür nimmt er auch in Kauf, während der derzeitigen ersten Fahrt noch einmal als Decksmann und erst von Januar an als Nautiker beschäftigt zu sein. Die Jobs sind, da die Finanzkrise von 2008 auch die Schifffahrt bis heute beutelt, rar. Die Krise führte zu Überkapazitäten auf den Schiffen – und so hat auch Tobias Böhmer schon mal zwei Monate auf Reede vor Singapur gelegen. »Da wurde es nicht nur mit dem Essen, sondern auch mit dem Sprit langsam knapp«, so Böhmer. Dann kam doch noch ein rettender Auftrag.

Auch die moderne Seefahrt ist noch voll von Abenteuern. Vom Hafen in Haifa in Israel aus hat Tobias Böhmer einen Raketenangriff gesehen. Und Piraten gibt es insbesondere an der somalischen Küste noch immer. Während seiner Ausbildung fuhr Tobias Böhmer auch in der Golf-Region. »Da zieht man Stacheldraht ums Schiff und schaltet so gut wie alle Lichter aus.« Überfallen worden ist er glücklicherweise nie selbst.

Langweilig wird es auf dem Ozean aber auch sonst nicht. »Man hat genug mit der Instandhaltung des Schiffs zu tun, hält Kontakt zur Reederei und zu Kunden«, sagt der Steinhagener. Ein Schiff sei eine eigene Firma. Nur schlechter erreichbar: Erst seit kurzem ist die Erreichbarkeit per E-Mail etwas besser geworden.

Weihnachten ist er wieder zu Hause. Und dann muss er die zwei Monate Landurlaub gut nutzen, um Freunde zu treffen, Arztbesuche zu erledigen, Hobbys zu pflegen – alles das, was die Leute an Land eben jeden Tag tun, bevor es wieder für Wochen an Bord geht.

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