Zwischen Steinhagener Biogas und Stall: Luisa Hagemeier (19) will Landwirtin werden
Erste Idee war ein Pferdehof

Steinhagen (WB). Die Motorenwartung an der Biogasanlage hat sie gerade hinter sich, schon morgens absolvierte sie den Kontrollgang durch die Schweineställe. Zwischendurch hat Luisa Hagemeier etwas Zeit, über sich und ihren Beruf zu erzählen. Die 19-Jährige ist angehende Landwirtin und absolviert ihre Ausbildung auf dem Hof von Jörg Düfelsiek.

Sonntag, 04.08.2019, 07:30 Uhr
Landwirt Jörg Düfelsiek (44) schätzt das Engagement »seiner« Auszubildenden Luisa Hagemeier (19): »Eine richtig gute Kollegin!«, lobt er. Foto: Volker Hagemann

Gleich vorweg: Es ist kein familiärer Druck oder gar Zwang, sich unbedingt frühzeitig auf eine Hofnachfolge im Elternhaus festlegen zu müssen, betont Luisa Hagemeier. Auch wenn der Gedanke nahe liegt, denn zu Hause, in Rödinghausen, bewirtschaften ihre Eltern einen Mastschweinebetrieb. Nein, Luisa steht zu ihrer Wunschausbildung. Auch wenn der Arbeitstag mitunter hart und lang sein kann. »Aber wo ist das nicht so?«, sagt sie. Einzelhandels- oder Bürokauffrau, medizinische Fachangestellte? Tolle Berufe, die teils auch in ihrem Freundeskreis gefragt sind, aber nichts für die blonde 19-Jährige.

Direkt ins zweite Ausbildungsjahr

Obwohl – eine zumindest etwas andere Idee hatte sie ursprünglich ja doch: »Ich hatte erst überlegt, man könne doch aus dem elterlichen Hof einen Pferdehof machen, aber das habe ich dann doch wieder verworfen«, erinnert sie sich. Nach dem Fachabi also nun die Ausbildung zur Landwirtin. Luisa Hagemeiers Eltern kennen die Düfelsieks und ihren Hof, und da vor einem Jahr ein Azubi bei Jörg Düfelsiek kurzfristig vor Beginn abgesagt hatte, war für Luisa schnell klar: Das soll es sein.

Dank Fachabi ist die eigentlich dreijährige Ausbildung auf zwei Jahre verkürzt. »Weil ich von zu Hause ohnehin schon viele Abläufe kenne, bin ich hier bei Jörg gleich ins zweite Ausbildungsjahr eingestiegen«, erklärt sie die Besonderheit.

Jede Menge Abwechslung

Auch die Düfelsieks betreiben einen Mastschweinebetrieb, 2010 kam die Biogasanlage hinzu, die Strom auch ins öffentliche Netz einspeist. Die kennt Luisa Hagemeier praktischerweise bereits vom elterlichen Hof. Nach einem Jahr sagt die 19-Jährige aus voller Überzeugung: »Das ist mein Ding! Denn bei aller täglichen Routine wie dem Kontrollgang durch die Ställe mit Füttern und Reinigen gibt es reichlich Abwechslung. Wir müssen darauf achten, dass genügend und richtig zusammengesetzte Biomasse für die Biogasanlage da ist – Mais, Mist, Grünroggen und andere Feststoffe.« Dafür werden täglich 20 Tonnen Mais und zwölf Kubikmeter Gülle in einen großen Behälter gepumpt, der auf 45 Grad aufgeheizt wird. Mit der Abwärme werden 25 weitere Haushalte beheizt.

Passt die Temperatur, ist das Silo sauber?

»Wir müssen ausreichend Gülle organisieren, auch von anderen Höfen. Schon bei der Lagerung geht es ums Silomanagement: Passt die Temperatur, ist das Silo sauber?« Und immer haben Luisa Hagemeier und ihre Kollegen ein Auge aufs Wetter: »Wenn ich am Anfang der Woche schon merke, dass gutes Wetter im Anmarsch ist, brauche ich mir die nächsten Abende nichts vorzunehmen. Dann gibt’s auch mal sehr lange Arbeitstage, gerade zur Erntezeit.« Dafür gehe es im Winter eben etwas ruhiger zu.

Es ist Mittag, auf Luisa warten weitere Aufgaben. Die 19-Jährige klettert auf den Radlader, befüllt die Biogasanlage. Ihr Chef Jörg Düfelsiek weiß, was er an seiner Mitarbeiterin hat: »Luisa hat einen super Blick für die jeweils anstehenden Aufgaben, eine richtig gute Kollegin!«

Hof-Wechsel steht fürs dritte Lehrjahr bevor

Doch die Tage sind gezählt: In Kürze wechselt die Auszubildende im dritten Lehrjahr auf einen anderen Hof, um weitere Aufgaben kennenzulernen. »Im Anschluss daran geht’s wahrscheinlich auf die Höhere Landbauschule, die Höla«, sagt sie. Dort, so Jörg Düfelsiek, geht es dann um Betriebsplanung, Kapitaleinsatz, Auslastung und Ähnliches. Ihre weitere Zukunft in der Landwirtschaft lässt Luisa Hagemeier dann auf sich zukommen: »In der Branche bleibe ich auf jeden Fall. Ich könnte mir vorstellen, später mal den Nachwuchs auszubilden.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6823419?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516077%2F
Als Arminia Rapolder wegschoss
Erst zusammen aufgestiegen, dann sorgten Mathias Hain und Co. für das vorzeitige Trainer-Aus von Uwe Rapolder (hinten) in Köln. Foto: Starke
Nachrichten-Ticker