Lothar Becker hat beim Kirchentag ungewöhnliche Begegnungen
Pastor trifft den Präsidenten

Steinhagen  (WB). Wenn das nicht wahre Ökumene ist: Amshausens früherer Pfarrer Lothar Becker trifft seinen Namensvetter, den Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, beim Dortmunder Kirchentag und versorgt ihn ob der Sommerhitze nicht nur mit einer Flasche Wasser, sondern überlässt dem Kirchentagsredner auch seine Mütze als Sonnenschutz.

Samstag, 06.07.2019, 07:30 Uhr
Da steckt er gerade wieder die verlorenen Papiere in die Brusttasche: Lothar Beckers Begegnung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war deshalb von einer Irritation der Sicherheitsleute begleitet. Auch Beckers Gruppe freut sich über das Treffen mit Steinmeier. Foto: WB

Becker trifft Becker: Das ist nur eine prominente Begegnung, die Lothar Becker jüngst bei der kirchlichen Großveranstaltung gemacht hat – und die Folgen hat: »Ich habe schon eine Einladung zum Kaffeetrinken nach Paderborn, um mir die Mütze wieder abzuholen«, plaudert Becker im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Aktivposten trotz Ruhestands

Eigentlich ist der 72-Jährige seit zehn Jahren im Ruhestand, doch tatsächlich immer noch ein Aktivposten, wenn die Westfälische Landeskirche – oder wie hier: ihr Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) – Bedarf hat. Und das war so kurz vor dem Kirchentag. Denn 50 Würdenträger, Bischöfe zumeist, aus Afrika und Indonesien waren durch das Großereignis in Dortmund zu führen. Lothar Becker – »eigentlich wollte ich gar nicht zum Kirchentag« – übernahm auf Bitten der MÖWe-Verantwortlichen Annette Muhr-Nelson und Dr. Christian Homann eine der drei Gruppen. Pastoraler Escortservice.

Und damit stürzte er sich ins volle Kirchentagsprogramm und nahm Logis bei der Gruppe im Pastoralkolleg in Villigst bei Schwerte. Von dort aus ging es jeden Tag mit dem Bus nach Dortmund. Es waren anstrengende, aber offenbar sehr inspirierende Tage: Lothar Becker saß mit den internationalen Gästen, allesamt Vertreter aus Partnerkirchen der Westfälischen Landeskirche, oftmals bis spät in die Nacht in der Kellerbar des Pastoralkollegs zusammen. Und nicht nur das. »Wir wurden in der ersten Nacht durch Feueralarm aus dem Bett gerissen. Ein Fehlalarm zwar, aber da wir nun alle wach waren, haben wir eine Pyjamaparty gemacht.«

Gemeinsame Bekannte: So klein ist die Welt

Mit seinem »Schulenglisch«, wie Becker selbst sagt, und einer Dolmetscherin kam er auch kommunikativ gut mit seinen Gästen zurecht. Man hat gemeinsame Bekannte. Eine Besucherin aus Indonesien beispielsweise kennt Beckers Amshausener Vorgänger, Pfarrer Werner Grothaus, und dessen Familie, eine Besucherin aus Argentinien lebt ausgerechnet in dem Haus, in dem einst der frühere Superintendent Wilhelm Arning während seiner Zeit in Südamerika wohnte. »So klein ist die Welt«, kommentiert Becker.

Und an jeder Ecke hat er offenbar weitere Bekannte getroffen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beispielsweise. Just in dem Moment des Zusammentreffens verlor Lothar Becker den Inhalt seiner Hemdtasche, was zu einem kleinen Aufruhr des Sicherheitspersonals führte – Präsident und Pastor blieben gelassen...

Im Gläsernen Restaurant des Kirchentages stellte er fest, dass die Grünen-Politiker Katrin Göring-Eckardt und Konstantin von Notz als Service-Kräfte im Einsatz sind. »Mit Konstantin von Notz hatte ich ein Gespräch, und er hat mir erklärt, dass er aus einem atheistischen Elternhaus kommt, aber über die Jugendarbeit den Weg in die Kirche gefunden hat.« Auch mit Mediziner und Kabarettist Eckart von Hirschhausen wechselte Becker ein paar Worte. Ebenso mit Mönch Anselm Grün.

Becker auf dem Weg in den Strandkorb

Und richtig beeindruckt ist er vom EKD-Ratspräsidenten Heinrich Bedford-Strohm. Denn dieser ist – ebenso wie Becker und die meisten Zuhörer – so mitgerissen von den Redebeiträgen der »Fridays for Future«-Aktivistin Luisa Neubauer in einer Podiumsdiskussion, dass er ihr spontan jedwede Unterstützung anbietet. Die Klimaschutz-Diskussion – unter kirchlicher Prämisse: die Bewahrung der Schöpfung – gehört zu dem, was Becker für sich als Gewinn des Kirchentages verbucht. »Ich habe viele Informationen bekommen und mich gefreut, dass es auf bischöflicher Ebene sofort aufgenommen wurde.«

Ein zweites starkes Thema auch für die Gruppe seiner ausländischen Gäste war das Thema Genozid. Der Völkermord in Ruanda hat eine kirchliche Initiative ausgelöst, die die Täter nach ihrer Haftentlassung psychologisch betreut, damit sie sich zum einen selbst ihrem mörderischen Tun moralisch stellen können und zum anderen den Familien der Opfer begegnen können. »Für mich ist das Friedensarbeit«, so Becker.

Inzwischen ist der Kirchentag vorbei. Lothar Becker aber packt wieder die Koffer. Als nächstes geht es zur Strandseelsorge nach Neuharlingersiel. Und auch eine Reise nach Ungarn zu der dortigen Partnerkirche mit Landessozialpfarrerin Heike Hilgen steht an.

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