Zahlreiche Besucher lassen sich Ein-Tages-Ausstellung im Museum nicht entgehen
Böckstiegel so nah

Steinhagen  (WB). Böckstiegel in Steinhagen: »So nah kommt er uns nicht wieder«, sagt Edelgard Adloff. Und so gehörte sie zu den zahlreichen Besuchern, die sich am Sonntag die einmalige Gelegenheit nicht entgegen ließen, den großen westfälischen Expressionisten Peter August Böckstiegel im Historischen Museum zu erleben.

Montag, 01.07.2019, 11:30 Uhr
Böckstiegels »Bauernkinder« ist eine Farblithografie von 1920, diese ist in Besitz der Gemeinde Steinhagen. Aber noch 20 weitere Werke des expressionistischen Malers regen die zahlreichen Besucher zum Schauen und Diskutieren an. Foto: Bluhm-Weinhold

21 seiner Bilder haben Museumsvereinsvorsitzender Gerhard Goldbecker und sein Team dank dreier Leihgeber zusammengetragen. Sie zeigen sie nur an diesem einen Tag. Die neun Bilder aus dem Besitz der Gemeinde kennen viele vielleicht sogar noch von der Ausstellung im Rathaus 2017. Doch dazu gesellen sich fünf Werke aus Privatbesitz eines Museumsvereinsmitglieds, das nicht genannt werden möchte, und acht von Kunsthändler Jan Henneken aus Bad Iburg.

Böckstiegel stellt das Leben in seiner Härte dar

Vielfach erkennen die Besucher den »typischen« Böckstiegel in den Werken. Etwa im Holzschnitt »Bauerngehöft in Westfalen« von 1936/37: ein Bauernhaus unter hohen Bäumen und einem wolkenreichen Himmel, der nach Sturm aussieht, davor ein Arbeiter auf dem Felde. Böcksiegels Motive sind vielfach die Menschen seiner westfälischen Heimat. Und das macht ihn für Jan Henneken so beeindruckend: »Das Verwurzelte fasziniert mich. Da kommt einer aus diesem Kötterhäuschen, der innerlich brennt und der sein Umfeld, das Leben in seiner Härte auch darstellt.« »Der Greis« etwa oder »Alter Mann mit Hut« stehen dafür stellvertretend in der Steinhagener Ausstellung.

Aber auch in Dresden begegnet Böckstiegel prägnanten Gestalten, die er abbildet. Kunstshistoriker Karl Woermann, vormals Leiter der Kunstakademie, war so jemand, der Böckstiegel begeisterte, wie Jan Henneken berichtet. Kein Wunder: Woermanns Vorfahren kamen aus Spenge. Da erkannte er offenbar den Westfalen. Die markanten Züge Woermanns, die Augenpartie mit buschigen Brauen und kritischem Blick etwa, bringt Böckstiegel 1925 mit einer Kaltnadelradierung besonders zur Geltung. Bei dieser Arbeitstechnik wird in Metallplatten geritzt. Schwarze Farbe bleibt in diesen Vertiefungen zurück, aber nicht nur als harter Strich, sondern mit weicheren Ausläufern über den Grat der Ritzung. Das gibt dem Bild Tiefe und Lebendigkeit. Was für Woermann gilt, das gilt auch für die Eheleute Schild, Sammler aus Hagen, die den Maler 1922 mit Portraits beauftragten.

»Der Schmerz« zeugt von Erlebnissen im Ersten Weltkrieg

Böckstiegels Traumabewäligung vom Ersten Weltkrieg hängt gleich daneben. Der Arroder Künstler verarbeitete seine Erlebnisse etwa in dem Bild »Der Schmerz«, zwei auf der Erde knieende nackte Frauen, die schreien, weinen, flehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Böckstiegel etwa das Pastell »Junge Flüchtlingsfrau« gemalt. Jan Henneken findet, dass sich Böckstiegels Bilder mit den Jahren verändert haben. »Man sieht ihnen an, was er erlebt hat. Gerade im Zweiten Weltkrieg, als er in Dresden sein Atelier verlor.«

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