Spielzeit 2019/20: Kulturwerk Steinhagen bietet ein hochkarätiges Programm
Dominique Horwitz, Peer Gynt und »Der Vetter aus Dingsda«

Steinhagen (WB). »Wilsberg« Leonard Lansink war es in der aktuellen Spielzeit – Dominique Horwitz ist es in der nächsten Saison: der Superstar im Programm des Kulturwerks.

Freitag, 07.06.2019, 11:30 Uhr
Wann gab es je eine Operette im Kulturwerk? Simone Krampe als Julia de Weert und Stephen Chambers, der als fremder Handwerks­geselle Julias Herz erobert, spielen und singen in »Der Vetter aus Dingsda«. Foto: Landestheater Detmold/Birgit Hupfeld

Der bekannte Schauspieler tritt am Sonntag, 1. Dezember, mit Ivan Bunins »Liebe und andere Unglücksfälle« auf – kein Schauspiel, sondern eine Lesung, die musikalisch vom Jourist-Quartett begleitet wird. »Ich bin schon vielfach auf Karten angesprochen worden«, so Kulturwerks-Programmverantwortliche Adelheid Meyer-Hermann. Gut also, dass die Karten bereits buchbar sind. Die Lesung verspricht den ganzen Zauber russischer Literatur. Bunin, nach der Revolution Kosmopolit wider Willen, hat die Novellen zwischen 1916 und 1944 verfasst – und alle haben ein Thema: das Unvorhergesehene im Leben.

Junge Sinfoniker planen eine Uraufführung

Apropos unvorhergesehen: Den Beginn des Kulturwerks-Programms machen am Samstag, 14. September, wieder die Jungen Sinfoniker. Doch was gegeben wird und wie dabei die Bühne aussieht, ist noch ein Stück weit unbekannt. Denn das Orchester plant eine Uraufführung und braucht dafür drei Schlagwerker. Das zieht eine Vergrößerung der Bühne auf Kosten der ersten drei Stuhlreihen nach sich. Übrigens nicht nur dieses eine Mal: Vorstandsmitglied Frank Pohl kündigt eine solch aufwändige Umgestaltung gleich für mehrere Veranstaltungen an.

Weitere musikalische Termine des Jahres sind der Auftritt des Notos Klavier-Quartetts am Samstag, 16. November. Die Musiker haben sich unbekannteren Werken verschrieben, spielen etwa »El Chan« des US-Rockmusikers und Komponisten Bryce Dessner ebenso wie einen im Klavierquartett c-moll Op. 20 ganz ungewohnt klingenden Bartok. Den Schlusspunkt der Spielzeit setzt am Mittwoch, 22. April 2020, die Nordwestdeutsche Philharmonie.

Die erste Operette seit vielen Jahren

Dazwischen gibt es noch reichlich Theater – und die erste Operette seit vielen Jahren. Ibsens Klassiker »Peer Gynt«, inszeniert von der Stuttgarter Theaterakademie, wird Donnerstag, 20. Oktober, gespielt. Das Schauspiel, das in Steinhagen seine Vorpremiere feiert, zeigt ein Motiv, das zahlreiche Kulturwerks-Aufführungen in der nächsten Spielzeit durchzieht, wie Adelheid Meyer-Hermann erläutert: die Suche nach Identität. Der Egozentriker Peer Gynt findet sich nach langem Irrweg erst bei der treuen Solveig.

Auch die Operette »Der Vetter aus Dingsda« (24. Januar) mit den schmissigen Melodien von Eduard Künneke folgt mit dem Verwechslungsspiel zweier Männer um die Liebe einer Frau diesem Motiv. Und das lässt sich fortführen: Das Schauspiel »Geächtet« bringt einen Muslim, eine weiße Christin, einen Juden und eine Afroamerikanerin an einen Tisch. Ein Stück um Tradition, Glaube und Vorurteile – »letztlich um die Schlüsselfragen west-östlicher Identitätskrise«, so Meyer-Hermann.

Multikulturelle Zusammenstöße

Daran schließt »Willkommen bei den Hartmanns an«. Der Kinofilm kommt auf die Bühne: Die multikulturellen Zusammenstöße stehen laut Meyer-Hermann unter der Frage nach unserer Identität. Aber auch die frisch pensionierte Hauptdarstellerin Angelika Hartmann muss ihre neue Rolle erst noch finden...

Auch ein Familienstück zu Weihnachten gibt es natürlich: »Petterson und Findus« wird am 22. Dezember gespielt.

Kommentar

Das Steinhagener Kulturwerk wird – einmal mehr – seinem Ruf als kultureller Leuchtturm der Gemeinde gerecht: Ein vielversprechendes, qualitativ hochwertiges, innovatives und zeitgemäßes Programm erwartet die Musik- und Theaterfreunde der Region auch in der Spielzeit 2019/20. Dass ein ehrenamtlich geführter Verein so kontinuierlich hochrangige Künstler und Werke in ein »Dorf« wie Steinhagen bringt, verdient Hochachtung. Umso mehr, da der Brückenschlag zwischen den Gattungen und den Generationen gefragt ist. Denn es gehört durchaus Mut dazu, mit Klassikern nicht zu brechen und dennoch Neues zu wagen – etwa im Crossover der Genres. Schön, wenn das das Publikum durch Präsenz auch honoriert. Annemarie Bluhm-Weinhold

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