DRK verurteilt Tat in Brockhagen – Deeskalationstraining für Sanitäter
»Der Angriff war feige«

Steinhagen (WB). Bislang kannte man solche Szenen nur aus Großstädten: Doch nun ist bei einem Einsatz beim Tanz in den Mai in Brockhagen erstmals auch im Kreis Gütersloh eine Rote-Kreuz-Sanitäterin tätlich angegriffen worden (WB vom 3. Mai).

Mittwoch, 08.05.2019, 11:30 Uhr
Deeskalationstraining beim DRK Halle für die ehrenamtlichen Retter – da wird auch praktisch geübt: Michael Wille (links) und Michael Flohr zeigen hier, wieviel erhobene Hände und Achtsamkeit bewirken können. Foto: Sara Mattana

»Pöbeleien und Schubsereien, das hat es alles schon gegeben – aber noch keinen Angriff wie in Brockhagen«, so Dennis Schwoch, hauptamtlicher Vorstand des DRK-Kreisverbandes Gütersloh. Denn das Besondere an der Situation in Brockhagen: Die DRK-Mitarbeiterin kniete gemeinsam mit einer Kollegin neben einer verletzten jungen Frau, als sie von hinten angefasst und dann in den Rücken getreten wurde. »Der Angriff kam aus dem Rücken und unerwartet. Das ist völlig unverständlich und feige«, sagt Michael Flohr vom DRK Halle, ehrenamtlicher Gewaltschutztrainer im Kreisverband Gütersloh.

Frau erleidet Prellungen und mentale Belastung

Die junge Frau trug Prellungen davon, wie Dennis Schwoch sagt. Doch der Angriff belastet sie auch mental: »Dass es sie im Dienst aus heiterem Himmel trifft, macht ihr zu schaffen«, so Schwoch. Der Kreisverband verurteilt den Angriff scharf und hat Strafanzeige gestellt. »Das ist Körperverletzung und Behinderung der Arbeit«, so Schwoch.

Die Empörung ist auch in der Öffentlichkeit groß: Die Tat wurde auf Facebook als »asozial« verurteilt, harte Strafen gegen den Täter wurden verlangt. Der aber ist bislang unbekannt.

Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren droht

Rechtlich sind Rettungskräfte der Polizei gleichgestellt, tätliche Angriffe werden mit Strafen von drei bis fünf Jahren geahndet. Dennoch sehen sich auch die Sanitätskräfte des DRK – 1400 sind es im Kreis und alle ehrenamtlich tätig – zunehmend Konflikten ausgesetzt. »Es scheint übergriffiger zu werden«, sagt Michael Flohr. Das ist sowohl an der Zahl der Anzeigen wegen Körperverletzung als auch durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. Flohr weiß: »Immer mehr Rettungsdienstler wünschen sich Fortbildungen.«

Die leistet der Haller seit zwei Jahren, zuerst für Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung und des DRK Halle, demnächst auch für das gesamte DRK im Kreis. Und an diesem Freitag, bringt er auch den Profis vom Rettungsdienst des Kreises Gütersloh Grundregeln der Deeskalation und der Selbstverteidigung bei – begleitet von einem Kamerateam von Sat.1.

Retter lernen Kampfkunst zur Selbstverteidigung

Für Flohr ist essenziell, dass die Rettungskräfte zuerst eine verbale Deeskalation zu erreichen versuchen. Stichwort: Kommunikation. »Das Motto auch für uniformierte Kräfte ist ›Sicher nach Hause‹. Die Kunst ist, eine Situation nicht gewalttätig werden zu lassen«, so Flohr. Und so bringt er seinen Schülern die richtige Kommunikation in einer aufgeladenen Situation bei. Doch mitunter muss sich auch der Sanitäter körperlich zur Wehr setzen. Und deshalb lehrt Michael Flohr Techniken des Krav maga, der Kampfkunst der israelitischen Streitkräfte.

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