Ricke war hochträchtig – Hundehalter melden sich bei der Polizei Drei Hunde reißen Reh

Steinhagen  (WB). »So etwas Schreckliches habe ich noch nicht gesehen«, sagt Jagdpächter Hans-Jürgen Raeder. Am Ostermontag haben drei freilaufende Hunde in seinem Revier ein Reh gerissen – und zwar eine hochträchtige Ricke.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Auf den Wegen bleiben, Hunde am besten anleinen: Dann bleiben Rehe und alle anderen Wildtiere ungestört.
Auf den Wegen bleiben, Hunde am besten anleinen: Dann bleiben Rehe und alle anderen Wildtiere ungestört. Foto: dpa

Auch zwei Tage nach dem Ereignis ist Hans-Jürgen Raeder noch geschockt. Am Montagnachmittag gegen 15 Uhr ist er von der Polizei angerufen worden, dass sich Hundehalter gemeldet hätten, deren unangeleinte Vierbeiner ein Reh gewildert hätten. Mit seinem Mitpächter Mario Gundel ist Raeder sofort zum früheren Hof Detert an der Bahnhofstraße gefahren, dessen Flächen zu seinem Revier gehören. Doch sie konnten das Tier nur noch von seinen Leiden erlösen und mussten es erschießen.

Positiv, dass sich Hundehalter gemeldet haben

»Es war eine hochträchtige Ricke, eine werdende Mutter, die kurz davor war, ihre Kinder auf die Welt zu bringen. Vielleicht konnte sie deshalb den Hunden nicht entkommen. Das Tier war von den Hunden niedergerungen worden, sein Körper an vielen Stellen zerfetzt. Und es lebte noch«, so Raeder. Auch die Kitze waren nicht zu retten.

Ebenso geschockt waren die Hundehalter, eine Familie mit Kindern. »So schlimm die Sache ist. Positiv ist, dass sich die Hundehalter bei der Polizei gemeldet haben. Häufig tun Hundebesitzer das nicht, auch wenn ihre Hunde mit blutiger Schnauze zurückkommen. Und wir bekommen dann irgendwann einen Anruf, dass irgendwo ein totes Reh liegt.«

Bußgeld droht

Er hat Anzeige beim Steinhagener Ordnungsamt erstattet. Wie Rathaus-Mitarbeiterin Annika Eilers sagte, wird nach dem Landeshundegesetz ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet: »Denn Hunde sind so zu führen und zu halten, dass von ihnen keine Gefahr für Mensch und Tier ausgeht.« Bußgelder von bis zu 100.000 Euro sind theoretisch möglich – das ist aber abzuwägen. Und ebenso kann gegebenenfalls für die Hunde ein Verhaltenstest vom Kreisveterinäramt angeordnet werden.

Steinhagens Hegeringsleiter Frank Meise erwägt zudem eine Zivilklage gegen die Hundehalter wegen Wilddieberei und Sachbeschädigung, überlässt aber die Entscheidung den Revierinhabern. Hans-Jürgen Raeder sagt: »Wir wollen mit der Familie noch einmal sprechen und uns auch innerhalb der Jagdgenossenschaft besprechen.« Er betont: »Die Leute haben sich gut verhalten. Aber insgesamt sollten Hundehalter besser auf ihre Tiere aufpassen, denn alle Hunde haben einen Jagdtrieb.« Er rät: »Alle sollten einfach auf den Wegen bleiben!«

In der Woche vor Ostern ist auch in Gütersloh zwischen Avenwedde und Spexard ein junge Reh offenbar von Hunden totgebissen worden. »Die Verletzungen sehen danach aus, aber wir haben niemanden auf frischer Tat ertappt«, sagte Hegeringsleiter Michael Zaturski.

Appell des Hegerings

Das Problem freilaufender Hunde ist derzeit ein besonders sensibles. Denn bei den Vögeln ist der Nachwuchs da, auch die ersten Junghasen sind geboren worden, und bei den Rehen kommen im Mai und Juni die Kitze zur Welt. Und gerade deshalb ist es wichtig, dass die Kinderstuben nicht gestört werden. Der Hegering appellierte daher schon Mitte März, wie berichtet, an die Vernunft aller Hundehalter: »Selbst wenn auf den ersten Blick weit und breit scheinbar keine anderen Tiere zu sehen sind – es ist wichtig, gerade jetzt im Außenbereich die Hunde an der kurzen Leine zu führen«, sagt Hegeringsleiter Frank Meise. »Wir haben durchaus Verständnis dafür, dass Hunde viel Bewegung brauchen. Bleibt man mit ihnen auf den Wegen, ist das auch völlig in Ordnung«, sagt er weiter.

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