Wilken Ordelheide und Rolf Szymanski führten 27 Interessierte durch Post-Bunker
Wichtige Gespräche hinter Beton und Stahl

Steinhagen (WB). Er ist von außen mit Klinkern verkleidet und hat nie zum Schutz der Menschen gedient. Den »Post-Bunker« in Brockhagen kennen viele. Doch was hier geschah, wusste kaum jemand. Jetzt besichtigten 27 Interessierte mit Wilken Ordelheide und Rolf Szymanski das Bauwerk.

Montag, 08.04.2019, 06:00 Uhr
27 Interessierte haben Rolf Szymanski (links) und Wilken Ordelheide (rechts daneben) tief unter die Erde in den Bunker am Birkenvenn geführt. Foto: Eische Loose

Heimatvereinsvorsitzender Wilken Ordelheide hat sich für das Bauwerk interessiert und wollte es dringend jedermann vorstellen. Im Jahr 1971 wurde es im Rahmen einer NATO-Maßnahme für Telekommunikationsfachleute erbaut, 1975 in Betrieb genommen. Alle Anwohner der Kölkebecker Straße und des Birkenvenn sahen damals die Bauwagen rollen. Die Bauern im Umfeld waren sich darüber bewusst, dass in ihren Äckern und Böden meterweise Kabel verlegt wurden. Die meisten von ihnen lagen nicht tiefer als 1,2 Meter. Alle Kabel liefen zum Bunker oder von ihm weg.

Telefonate weitergeleitet

Doch alles andere blieb ein Mysterium. Um es zu lüften lud Wilken Ordelheide jetzt Pensionär Rolf Szymanski ein. Als Ingenieur für Telekommunikation arbeitete er 1985/86 in dem mittlerweile recht verfallenen Gebäude. 1999 war es aufgelassen worden, auch weil sich die Technik längst weiter entwickelt hatte. Denn der Bunker diente der Weiterleitung von Telefonaten für das das Bundesgebiet und Ferngespräche.

In den dicken, nun gekappten Leitungen kamen sie an, wurden gesammelt und an die jeweiligen Orte verteilt. Dabei war Brockhagen für alle Gespräche in OWL zuständig. »Für diese wichtigen Gespräche kamen Kabel durch Städte nicht in Frage«, erzählte Rolf Szymanski, »man hatte Angst vor Unterbrechungen.« So bildeten im westdeutschen Bundesgebiet nur 16 Bundes-Stationen eine Acht. Sie schützte das Netz. Besser gesprochen waren es zwölf Menschen, die sich um das Netz kümmerten. Vier von ihnen sollten zum Militär gehören. Denn natürlich erreichten auch Militär-Nachrichten den Raum.

Alte Technik fasziniert

Für die Menschen gab es einen Gemeinschaftsraum. Die Interesssierten begutachteten jetzt Stockbetten, verfallene Toiletten und Sitzgelegenheiten mit Kopfstütze. Denn als Gebäude des Kalten Krieges wurden Gerät und Besetzung in sechs Meter Tiefe auch vor Strahlung geschützt. »Wenn der Bunker beschossen werden sollte, wäre er rund drei Meter gehüpft«, erklärte Rolf Szymanski die Dämpfungen. Auch ein Duschraum sollte potentieller Kontamination entgegen wirken. Darüber hinaus erkennt man heute noch Reste der Motoren, Lüftungen und natürlich der Gesprächssortierer. Da der unterirdische Rundgang bei rund acht Grad recht kühl wurde, hatte Wilken Ordelheide im Anschluss für Kaffee gesorgt. Die Gespräche ergaben sich dabei vor dem Bunker von allein. Die alte Technik faszinierte. Auch die Nutzung nach dem Verkauf des Gebäudes von der Telekom an einen Landwirt war immer wieder Thema. Schließlich ist die Baumasse auf den 4000 Quadratmetern bis heute sehr stabil und hat seinerzeit schon ohne Technik sechseinhalb Millionen gekostet.

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