Tine Wittler schmeißt musikalische Lokalrunde in der Kiefernklause
Wo das Säuferherz schlägt

Steinhagen(WB). »Ich mag solche Läden«, gesteht Tine Wittler zu Beginn ihres Auftritts in der Steinhagener Kiefernklause. Kaschemmen, denen man ansieht, dass sie Kaschemmen sind, findet die ehemalige Wohnfee und passionierte Wirtin zauberhaft. Was nach einem fragwürdigen Kompliment klingt, ist allerdings nett gemeint.

Montag, 01.04.2019, 04:00 Uhr
Die gebürtige Rahdenerin Tine Wittler versteht ihre Beobachtungen aus dem Nachtleben als Hommage an alle Wirtskollegen und Tresengäste dieser Welt. Mit ihrem Auftritt in der Steinhagener Kiefernklause kann sie viele Gäste nicht überzeugen. Foto: Kerstin Panhorst

Nett ist leider auch alles, was man zu Tine Wittlers neuer Laufbahn als Sängerin sagen kann. Denn ihr Gastspiel mit dem Musikkabarett- und Chansonprogramm »Lokalrunde - Tresenlyrik schlückchenweise« ist kein kultureller Hochgenuss, sondern eher so etwas wie das Pendant zu Buletten mit Senf in der nächsten Kneipe.

Etwas mehr als 30 Besucher sind am Wochenende in die Kiefernklause gekommen, um die 45-Jährige zu sehen und zu hören. Die studierte Kultur- und Kommunikationswissenschaftlerin war zehn Jahre lang mit ihrer Sendung »Einsatz in vier Wänden« Bestandteil des RTL-Programms, verkaufte danach Wandtattoos und eine eigene Modekollektion für Mollige. Zudem betrieb sie in Hamburg von 2004 bis 2018 die »Parallelwelt Kulturbar«, im Mai 2018 eröffnete sie die Dorfkneipe »Wittlerins Wohnzimmer«, in Jabel bei Lüchow im Wendland.

Über die Geheimnisse im Nachttisch einer Wirtin

Genug Erfahrung hinterm Tresen hat die selbsternannte »Wirtin Wittlerin« also gesammelt, die sie nun in ihre selbst geschriebenen Texte fließen lässt und mit der Musik des Hamburger Pianisten Greg Baker zu Liedern komponiert. Der ist allerdings nicht mit nach Steinhagen gekommen. Also singt Tine Wittler allein auf der schlecht ausgeleuchteten Bühne ihre Liedchen über die »kleine Bar voller Wunder« für die ihr »Säuferherz schlägt«.

Oder über die Geheimnisse im Nachttisch einer Wirtin, die Abneigung von Gastronomen gegenüber der Sommerzeit (»Die gelbe Sau«) oder auch die verschiedenen Gästetypen vom Schmarotzer bis zum ewig schlecht Gelaunten.

Tine Wittler fehlt hörbar die Luft für hohe oder lange Töne

Thematisch hat das ganze Potential, das musikalisch leider nicht abgerufen wird. Monoton plätschern die Melodien dahin, nur kleine Ausflüge in die Welt des Tango bieten Abwechslung. Und Tine Wittler, die eigentlich eine angenehme Singstimme hat, kann nicht wirklich viel aus ihren Stücken heraus holen.

Weil ihr hörbar die Luft für lange oder hohe Töne fehlt ist das alles zu brav, zu uninteressant. »Gut, dass jetzt Pause ist. Sonst wäre man fast eingeschlafen«, meinte eine Besucherin. Nach der Pause gab es dann sogar noch eine tatsächliche Lokalrunde von Tine Wittler, die zwar ganz sympathisch mit dem Publikum, in dem auch ihre in Bielefeld wohnende Schwester Marion saß, plauderte, aber mit ihrem Auftritt keinen so richtig vom (Bar-)Hocker reißen konnte.

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