Beklemmend: »Tod eines Handlungsreisenden« mit Helmut Zierl in Steinhagen
Amerikanischer Traum scheitert

Steinhagen (WB). Der Glaube an den Amerikanischen Traum – am Ende bezahlt ihn Willy Loman mit dem Leben. Es sind nur wenige, die am Grab des Handlungsreisenden Abschied nehmen und das Unerklärliche zu greifen suchen.

Freitag, 01.02.2019, 11:30 Uhr aktualisiert: 01.02.2019, 11:40 Uhr
Berufliche Erfolglosigkeit und ständige Geldnot lassen alle Träume am Ende platzen: Auch Linda (Patricia Schäfer) kann ihren Ehemann Willy Loman (Helmut Zierl) nicht von seiner Depression heilen, verstärkt sie nur noch. Foto: Nikolas Müller

Arthur Millers Drama »Tod eines Handlungsreisenden« aus dem Jahre 1945 wirft einen deprimierend-beklemmenden Blick in die Welt eines Mannes, der an seiner beruflichen Erfolglosigkeit scheitert und an seinen Lebenslügen zugrunde geht. Er zeichnet ein Bild von einer Welt, in der Erfolg und Geld über den Wert eines Menschen entscheiden. Alles andere wird ausgeblendet, wird Status und Stellung untergeordnet.

Das Kulturwerk traf am Mittwoch vor fast ausverkaufter Aula einen Nerv, denn das Motiv der Überalterung im Arbeitsmarkt und die restriktive Antwort der Arbeitswelt sind mittlerweile auch hierzulande allgegenwärtig. Willy Lomans gibt es überall, ihr Schicksal, auch wenn es nicht im Selbstmord enden muss, zeigt die Ohnmacht in einer Arbeitsexistenz, in der meist nur der Jugendwahn seinen Platz hat.

Besessen vom Erfolg

Willy Loman (Helmut Zierl), Handlungsreiseneder, 63 Jahre, kann mit seiner Arbeit schon lange keine Rechnungen mehr bezahlen. Er ist immer noch besessen davon, soviel Geld zu verdienen und so erfolgreich zu sein wie möglich, aber längst gescheitert. Er flüchtet sich in Tagträume mit seinem verstorbenen Bruder Ben, versucht sich im Selbstmord, leiht sich Geld von seinem Freund Charley, das er als seinen Lohn ausgibt. Er bemüht sich gegenüber seiner Frau Linda (Patricia Schäfer) die Fassade aufrecht zu erhalten, spielt ihr vor, was für ein toller Verkäufer er immer noch ist. Auch sie kann ihn nicht von seiner Depression heilen, verstärkt sie nur noch, indem sie ihm immer wieder die Begleichung der Rechnungen vorhält.

Sohn ertappt ihn beim Ehebruch

Dazu gesellt sich der Konflikt mit Biff (Julian Härtner), seinem ältesten Sohn, der ihn inflagranti in Boston beim Ehebruch ertappte und daraufhin seine vielversprechende Karriere am College in den Sand setzte. Nun hält er sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, träumt wie sein Vater den Amerikanischen Traum. Am Schluss verlässt Biff sein Elternhaus im Streit, Willy Loman verliert nach einer demütigenden Szene mit seinem Chef (Martin Molitor) seinen Job. Mit geliehenem Geld begleicht er die Forderungen der Lebensversicherung und nimmt sich das Leben.

Beseelt agierendes Ensemble

Fernsehstar Helmut Zierl verkörpert diesen Willy Loman, diesen innerlich zerrissenen Mann, in dessen Welt sich Vergangenheit und Gegenwart vermischen. Es gelingt ihm, in diesen Menschen hinabzutauchen, seine Konflikte sichtbar zu machen. Beeindruckend offenbart er das Gefühlsspektrum eines Mannes, der keinen Ausweg mehr sieht. Berührend agiert Patricia Schäfer als Ehefrau, Fundament und Unterstützung für ihren Mann. Eindringlich gestaltet sie die stillen, zurückhaltenden Momente, lässt das Publikum Schmerz und Verzweiflung in ihren Gesichtszügen ablesen. Julian Härtner als Biff bildet einen dynamischen Gegenpol in dieser eingespielten Beziehung. Er durchströmt die Szenen immer wieder mit seiner Unberechenbarkeit, stellt sich dem Vater und seiner unglaublichen Zerrissenheit entgegen. Doch auch er scheitert, gelingt es ihm doch nicht, Geld zu leihen, um sich den Traum einer eigenen Farm zu verwirklichen.

Der Tod bildet den Schlusspunkt und lässt das Publikum nach dem Schlussbild innehalten. Doch nicht lange, feiert es schließlich begeistert das beseelt agierende Ensemble.

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