30-Jähriger wegen Erwerb, Besitz und Verbreitung von Kinderpornos verurteilt »Froh, dass ich aufgeflogen bin«

Gütersloh/Steinhagen (WB). Als die Polizeibeamten Laptop und Handy des Angeklagten durchsucht haben, stießen sie auf mehr als 2000 erschütternde Bilder und auf viele Filmdateien. Fotos und Videos zeigten sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen.

Von Uwe Caspar
Symbolbild
Symbolbild Foto: dpa

Wegen der Verbreitung von sechs pornografischen Videosequenzen im Internet ist der in Steinhagen wohnende Angeklagte zu einer neunmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Zudem muss er wegen Erwerb und Besitz von kinder- und jugendpornografischen Materials eine Geldbuße von 3600 Euro zahlen, die dem Kreis-Kinderschutzbund zugute kommt.  »Ich bin froh, dass ich aufgeflogen bin, mit der Sache endlich abschließen kann und nun eine weitere Chance bekomme«, zeigte sich der bis dato nicht vorbestrafte und voll geständige Kälte-Anlagebauer vor dem Amtsgericht Gütersloh erleichtert über das für ihn günstig ausgefallene Urteil.

Therapie in Gütersloh

Dazu beigetragen hat vor allem seine Eigeninitiative: Sofort nach der Entdeckung seiner Porno-Sammlung – im Zeitraum zwischen Ende Oktober 2014 und Anfang 2018 zusammengestellt – begann der heute 30-Jährige eine Einzeltherapie in Gütersloh, die nach rund 20 Sitzungen noch nicht abgeschlossen ist und die von dem Angeklagten selbst finanziert wird. »Er wollte individuell betreut werden, in einer Gruppe hätte er sich unwohl gefühlt«, erläuterte sein Therapeut. Sein Patient hatte nichts dagegen, dass der positiv ausgefallene Bericht in der Verhandlung am Montag von Richter Dr. Markus Seip vorgelesen wurde. »Der Angeklagte hat nicht nur sein Bemühen auf Besserung gezeigt, sondern mit der vorliegenden Therapie-Bewertung das auch dokumentiert«, äußerte sich der zuständige Staatsanwalt Nils Wennemann wohlwollend über die Offenheit des 30-Jährigen.

Die pädophilen Neigungen des Steinhageners, der ohne häusliche Gewalt aufwuchs (»Meine Eltern waren immer gut zu mir«), machten sich im Alter von 16 Jahren erstmals bemerkbar. »Als ich dann meine Freundin kennen lernte, hatte ich während dieser Zeit kein Interesse mehr, solche Fotos runterzuladen«, sagte er.

Verteidiger nimmt das Urteil sofort an

Doch als die Fernbeziehung nach einigen Jahren zerbrach, suchte er wieder auf illegale Weise sexuelle Befriedigung im Netz.  Eltern, Verwandte und Bekannte sind darüber nicht eingeweiht worden: »Das hätte meine Mutter kaum verkraftet.« Nur der Therapeut kennt seine dunkle Seite. Und natürlich auch der Anwalt des Angeklagten. »Da gibt es nichts zu beschönigen, wir nehmen das Urteil an«, verkündete der Bielefelder Jurist Ralf Kaiser, der nur die Geldstrafe für seinen Mandanten als zu hoch empfand: »2000 Euro hätten auch gereicht.«

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