Steinhagenerin ist Opfer unerwünschter Telefonwerbung – Polizei gibt Tipps 200 Anrufe in nur sechs Wochen

Steinhagen (WB). Helga Kleins Strichliste füllt mittlerweile mehrere DIN-A 4-Blätter. Jeden einzelnen Anruf hat sie dokumentiert. Denn seit Anfang Dezember 2018 hat sie etwa 200 Anrufe bekommen, bei denen es meist um unerwünschte Reklame ging.

Von Volker Hagemann
Die Zahl der Beschwerden über unerlaubte Werbeanrufe reißt nicht ab. Die Polizei rät im Extremfall zur Anzeige.
Die Zahl der Beschwerden über unerlaubte Werbeanrufe reißt nicht ab. Die Polizei rät im Extremfall zur Anzeige. Foto: dpa

Vorweg: Helga Klein ist auf Zack, die 70-Jährige weiß, dass Werbeanrufe jeden treffen können und vor allem für ältere Menschen oft ein Problem sind. »Mir ist klar, nicht gleich meinen Namen zu nennen oder dubiose Fragen mit Ja zu beantworten – und damit einem Vertrag zugestimmt zu haben«, beteuert die Seniorin.

Zur Verlängerung eines angeblichen Lotterie-Abos gedrängt

Hilft alles nichts, der Telefonterror bei ihr hört nicht auf. »Auslöser war ein Anruf Anfang November«, erinnert sich Helga Klein. »Eine Frau sagte, ich habe an einer Lotterie teilgenommen. Für einen Gewinn müsse ich ›nur zwei Monate weiterspielen‹, sonst verlängere sich mein ›Abo‹ um ein Jahr.« Die Steinhagenerin legte kommentarlos auf. »Ich habe nie an so etwas teilgenommen. Aber vielleicht hat irgendeine Institution einst meine Adresse weitergegeben«, mutmaßt sie. Zur Münchner Nummer der Anruferin fand sie beim Nachforschen im Internet keine Firma, wohl aber Warnungen mehrerer Betroffener.

Anrufer droht mit dem Gerichtsvollzieher

Vier Wochen lang war Ruhe – »bis Anfang Dezember ein Mann unter gleicher Nummer anrief, mich wiederum drängte, ein Lotterieabo zu verlängern«, berichtet Klein. Obwohl sie erneut auflegte, gingen die Anrufe weiter: »Neben der Münchner auch andere Festnetznummern, so dass ich teilweise dranging. Am 21. Dezember drohte mir eine Anruferin mit Gerichtsvollzieher und Kontenpfändung. Bis dahin hatte ich 71 Anrufversuche allein der Münchner und einer englischen Telefonnummer im Display. Ich war stinksauer, erstattete am selben Tag Anzeige.«

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Oft reicht schon die Zustimmung zu den AGB, die man vielleicht nicht gelesen hat, und schon sind Daten im Umlauf.

Marco Hein, Kreispolizei Gütersloh

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Richtig gehandelt, sagt die Polizei, und legt ihr nahe, einen Anrufbeantworter anzuschaffen. Marco Hein vom Kriminalkommissariat Prävention und Opferschutz der Gütersloher Kreispolizei hört immer wieder von ähnlichen Fällen. »Oft als Folge von Datenhandel selbst unter seriösen Firmen. Da reicht schon die Zustimmung zu AGB, die man vielleicht nicht gelesen hat, und schon sind Daten im Umlauf.« Hein empfiehlt, bei extremer Belästigung die Telefonnummer zu wechseln. »Aber dann müsste ich ja alle Angehörigen darüber informieren«, gibt Helga Klein zu bedenken. »Doch dieser Aufwand lohnt sich«, betont Marco Hein: »Wenn man obendrein seinen Telefonbucheintrag löschen lässt, wird es für Werbeanrufer schwieriger, durchzukommen.«

Beratungen zum Thema

Der Polizeiexperte bietet individuelle Beratungen und Vorträge zu diesem Thema an; erreichbar ist er unter 0 52 41/8 69-0. Zur »Sicherheit am Telefon« informiert er am Montag, 25. Februar, im Steinhagener Matthias-Claudius-Haus (15.30 Uhr im »Treffpunkt«). Für Dienstag, 12. Februar, lädt er Interessierte zum gleichen Vortrag nach Halle ein; Beginn ist um 19.30 Uhr bei der Kolpingsfamilie im Pfarrzentrum »Oase« (Bismarckstraße/Ecke Schulstraße).

Verhaltens-Tipps der Polizei

Um sich gegen unerwünschte Anrufe wie Telefonwerbung zu wehren, empfiehlt Marco Hein von der Kreispolizeibehörde Gütersloh folgende Maßnahmen:

  • Lassen Sie sich nicht auf die Werbeanrufe ein. Am besten einfach auflegen.
  • Häufen sich solcherart Anrufe, notieren Sie sich Datum, Uhrzeit, Grund des Anrufs sowie Namen, Firma und Telefonnummer des Anrufers. Diese Daten helfen bei einer Anzeige bei der Polizei.
  • Geben Sie am Telefon nicht Ihre Kontonummer preis.
  • Lassen Sie im Zweifel erst Ihren Anrufbeantworter laufen; zurückrufen können Sie dann immer noch.
  • Achtung: Am Telefon abgeschlossene Verträge sind gültig! Wenn Sie eine Auftragsbestätigung erhalten, obwohl Sie lediglich der Zusendung von Informationsmaterial zugestimmt haben, widerrufen Sie umgehend, und zwar schriftlich, am besten per Einschreiben.
  • Stimmen Sie nicht der Nutzung Ihrer Telefonnummer zu Werbezwecken zu. Falls Sie es doch einmal tun: Ein einmal gegebenes Einverständnis können Sie auch telefonisch widerrufen.
  • Häufen sich unerwünschte Anrufe immer mehr, können Sie eine so genannte Whitelist einrichten; dann werden nur noch die zuvor individuell bestimmten Telefonnummern »durchgelassen«, alle anderen Anrufe landen auf dem Anrufbeantworter.
  • Im Extremfall sollte man überlegen, seine Telefonnummer dauerhaft zu wechseln. Auch wenn man vorübergehend die Mühe hat, Familie und Freunden die neue mitzuteilen. Auch der Telefonbucheintrag kann nachträglich gelöscht werden.

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