Gottesdienst: Die Fenster im Busch-Haus werden 20 Jahre alt Die sieben Tage der Schöpfung

Steinhagen  (WB). Sie stellen die sieben Tage der Schöpfung dar und begleiten die Gläubigen im Johannes-Busch-Haus seit 20 Jahren. Die Fenster des Gemeindehauses stehen an diesem Sonntag im Mittelpunkt des Gottesdienstes.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Blau, die Farbe des Himmels, des Wassers und der Unendlichkeit, dominiert in den Fenstern. Pfarrerin Dagmar Schröder fühlt sich mit ihnen wohl, denn sie seien für festliche Gottesdienste ebenso passend wie für die Treffen der Gruppen.
Blau, die Farbe des Himmels, des Wassers und der Unendlichkeit, dominiert in den Fenstern. Pfarrerin Dagmar Schröder fühlt sich mit ihnen wohl, denn sie seien für festliche Gottesdienste ebenso passend wie für die Treffen der Gruppen. Foto: Bluhm-Weinhold

Die Fenster waren im Januar 1999 neu – ebenso wie die Pfarrerin. Dagmar Schröder hatte erst im Dezember 1998 die Pfarrstelle am Busch-Haus angetreten. Sie erinnert sich: »Als ich mich in Steinhagen bewarb, waren da nur weiße Scheiben. Es war ein kaltes Licht.« Doch das änderte sich mit den sieben blau dominierten Schöpfungsfenstern, die als zweite Schicht davor gesetzt wurden. Entworfen hat sie die Künstlerin Prof. Christine Triebsch aus Halle/Saale. Jedes Fenster ist kassettenartig gerahmt, zeigt 16-mal das gleiche Bild. Handwerklich war das eine aufwändige Arbeit damals, denn erst seit kurzem war man technisch in der Lage, so große Scheiben zu brennen.

Spannungsfeld zwischen weltlicher und theologischer Ausdeutung

Die Fenster bauen strukturell aufeinander auf. Das ist auf den ersten Blick zu sehen, denn von Fenster zu Fenster nimmt der Weiß-Anteil ab, der Blau-Anteil zu, und ganz zurückhaltend kommen Gelb und Rot dazu. Und viel Schwarz. Am ersten Tag schuf Gott das Licht: Das nimmt das erste Fenster, rechts vom Altar aus gesehen, auf. »Genial ist, dass das Fenster nach Osten geht, hier scheint morgens auch die Sonne hinein«, sagt Dagmar Schröder zu einer besonderen Symbolik. Christine Triebsch habe, so Schröder, keine religiösen Gedanken gehabt. »Es ist ein Spannungsfeld zwischen weltlicher und theologischer Ausdeutung«, so Schröder.

Geschichte der Fenster

Einst waren die Fenster des Busch-Hauses Glasbausteine. Als das Presbyterium 1992 die Sanierung des Gemeindehauses beschloss, wurde auch eine künstlerische Aufwertung angestrebt. Über die Paderborner Glasmalerei Peters entstand der Kontakt zur Künstlerin Christine Triebsch. Sie war damals Leiterin der Studienrichtung Bild, Raum, Objekt, Glas der Kunsthochschule Halle/Saale, zuletzt dort bis 2014 Prodekanin des Fachbereichs Kunst. 1997 wurden zum Erntedankfest die ersten drei Bilder eingeweiht. Am 24. Januar 1999 waren die sieben komplett und wurden im Gottesdienst vorgestellt. Insbesondere der damalige Baukirchmeister Ulrich Bardehle hat sich für die Fenster eingesetzt. Knapp 58.000 Mark haben sie gekostet

Triebschs Leitgedanken waren, wie Schröder erklärt, erstens: »Licht bringt Ordnung, denn Helligkeit und Dunkelheit machen die Tageseinteilung möglich«, so Schröder. Zweitens hat sie ausschließlich mit den Grundfarben Blau, Rot, Gelb und Schwarz sowie Weiß als Fülle der Farben gearbeitet. Drittens gibt es keinen Anfang und kein Ende. Das Wiederkehrende zeichnet die Fenster aus – das widerspricht dem christlichen, auf ein Endziel gerichtetem Denken. Am Ende ist die Schöpfung vollendet, alle Strukturen haben aufeinander aufgebaut: »Von der Arbeit geht es hin zur Ruhe.«

Eigentlich sind es zehn Fenster

Dagmar Schröder weiß, dass sich Gemeindeglieder mitunter (erst) nicht in den Fenstern wiederfinden: »Man sucht etwas Konkretes, aber das gibt es nicht. Es ist aber interessant, was Menschen hineindeuten.« Das tut sie selbst auch: Die Farbe Rot nimmt im Fenster zum sechsten Tag Kreuzform an. »Am sechsten Tag wird der Mensch erschaffen. Insofern gibt es über die Menschwerdung Jesu einen Zusammenhang.«

Eigentlich sind es nicht nur sieben, sondern zehn Fenster von Christine Triebsch. Drei befinden sich im hinteren Teil des Raumes. Diese sind anders, in ihrem Weiß sind Buchstaben und Worte erkennbar. Denn auch das gehört zur Schöpfungsgeschichte: »Am Anfang war das Wort.«

Der Gottesdienst am Sonntag beginnt um 9.30 Uhr. Im Anschluss wird nach Amshausener Tradition zur Kirchsuppe geladen.

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