Das Trio Lansink, Schafmeister und Feit brilliert im Kulturwerk Er ist und bleibt Wilsberg

Steinhagen  (WB). Was für ein Theatererlebnis! Voll besetzte Reihen mit restlos begeisterten Zuschauern, eine geistreiche-flotte Komödie mit viel Sprachwitz und noch mehr Tiefsinn, und dazu drei Schauspielmimen erster Güte.

Von Nikolas Müller
Drei Männer auf der Couch: (von links) Serge (Luc Feit), Yvan (Heinrich Schafmeister) und Marc (Leonard Lansink) stellen ihre Männerfreundschaft auf eine harte Probe – und das alles wegen eines Kunstwerks.
Drei Männer auf der Couch: (von links) Serge (Luc Feit), Yvan (Heinrich Schafmeister) und Marc (Leonard Lansink) stellen ihre Männerfreundschaft auf eine harte Probe – und das alles wegen eines Kunstwerks. Foto: Nikolas Müller

Mit »Kunst« von Yasmina Reza präsentierte das Kulturwerk Steinhagen am Dienstagabend in der nahezu ausverkauften Aula einen der Höhepunkte der diesjährigen Spielzeit.

Und dieses verdankte es nicht zuletzt den vor Verve und Spielfreude strotzenden Akteuren, alle bekannte namhafte und beliebte Fernsehschauspieler. Allen voran sicherlich Leonard Lansink, der »Wilsberg« aus der Studentenstadt Münster, und seinem früheren Rollenkollegen »Manni«, Heinrich Schafmeister. Zu ihnen gesellte sich Luc Feit, ebenfalls ein populäres Fernseh-Gesicht mit hohem Erkennungswert. Mit diesem hochkarätigen Dreiergespann geriet dieser Theaterabend zu einem wahrlich unvergesslich-amüsanten Erlebnis.

Die Freunde sind entsetzt: 200.000 Francs für »so einen Mist«

Serge (großartig dargestellt von Luc Feit), von Beruf Dermatologe, hat sich ein Ölgemälde gekauft. Sicherlich ist das noch kein Grund, diesem Umstand ein abendfüllendes Theaterstück zu widmen. Doch das Bild, ein Meter sechzig auf ein Meter zwanzig, ist ganz in Weiß. Und ein echter Antrios. Für den Schnäppchenpreis von 200.000 Francs! Nun entbrennt plötzlich verständlicherweise ein heftiger Streit zwischen dem bodenständigen Luftfahrtingenieur Marc (Leonard Lansink) und seinem Freund Serge über dessen augenscheinlich missratene Investition. Denn bei aller Liebe zur Kunst kann Marc nicht begreifen, warum Serge soviel Geld für »so einen Mist« aus dem Fenster wirft.

Denn für ihn ist das alles andere, nur nicht Kunst. Auch Yvan (Heinrich Schafmeister) kann mit seiner eher hybriden Einstellung die Situation nicht entschärfen, kann er sich doch wie immer in seinem bisherigen Dasein für keine Seite so recht entscheiden. So stellt das Bild die langjährige Männerfreundschaft auf eine harte Probe, lässt es doch Risse in den Seh- und Beziehungsgewohnheiten sichtbar werden. Schließlich gipfelt die Bilderschau in einem turbulenten, sogar in Handgreiflichkeit endenden Konfliktreigen, in dem alle Akteure über sich und den anderen ein vollkommen neues Bild erhalten werden.

Federleichte, bisweilen hintergründige Unterhaltung

Yasmina Rezas »Kunst« ist federleichte, bisweilen hintergründige, aber kurzweilige Unterhaltung. Angereichert mit spitzfindigen Wortgefechten, brüllender Situationskomik und dem Hang zur übertriebenen Theatralik entführt es das Publikum mit einem leichtem Augenzwinkern hinein in einen Diskurs über die Wertigkeit von Kunst. Und schließlich auch über den Wert von Freundschaft, die am Schluss sogar zu zerbrechen droht.

Leonard Lansik streift sich die Rolle des Intellektuellen Marc über, füllt sie mit Präsenz und dem Gespür für präzise Mimik und die treffsichere Pointe. Dennoch kann er nicht aus seiner Haut. Er ist und bleibt Wilsberg. Und wer ihn in der Rolle als Privatermittler erlebt, spürt sie an diesem Abend in vielen Gesten und Worten wieder auf.

Stehende Ovationen

Heinrich Schafmeister zeigt sich wandlungsfähig und entwickelt seinen Yvan mit enormer Exaltiertheit und lustvoller Hingabe. Die Erzählung von seinen ein wenig aus den Fugen geratenen Hochzeitsvorbereitungen und dem nachgeahmten Telefongespräch mit seiner Mutter, die Schuhe als Telefonhörer, sorgt im Publikum für permanente Heiterkeitsausbrüche und macht dem Werk als Komödie alle Ehre.

Serge hat sich ein Gemälde gekauft, und auch wenn danach alles aus den Fugen gerät, am Ende feiert das Publikum diesen höchst vergnüglichen Theaterabend mit stehenden Ovationen.

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