Viele Anwohner im Steinhagener Gebiet Diekmann fühlen sich durch die Autobahn beeinträchtigt Mitten im A33-Lärmtrichter

Steinhagen (WB). Die Autobahn nervt. Morgens um 5 Uhr holt sie einen aus dem Bett, nachmittags ist sie auf der Terrasse als Dauerton nicht zu überhören – und wenn dann noch ein Motorrad richtig aufdreht... Aus dem Wohngebiet Diekmann kommen kurz nach der Eröffnung der A33 viele Klagen über deren Lautstärke.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Die Karte zeigt die Eindrücke des WESTFALEN-BLATTES am Freitagvormittag bei leichtem Ostwind: Im Wohngebiet Diekmann nimmt der Lärm zwar mit dem Abstand zur Autobahn ab, doch da die A33 eine Kurve Richtung Obersteinhagen macht, trifft der Lärm von Nordosten her das Gebiet. Bei Messpunkt 9 am Himmelreich/Gabriele-Münter-Hof ist anzumerken, dass die Emissionen aus einem Gewerbebetrieb an der Langen Straße nicht auszublenden waren.
Die Karte zeigt die Eindrücke des WESTFALEN-BLATTES am Freitagvormittag bei leichtem Ostwind: Im Wohngebiet Diekmann nimmt der Lärm zwar mit dem Abstand zur Autobahn ab, doch da die A33 eine Kurve Richtung Obersteinhagen macht, trifft der Lärm von Nordosten her das Gebiet. Bei Messpunkt 9 am Himmelreich/Gabriele-Münter-Hof ist anzumerken, dass die Emissionen aus einem Gewerbebetrieb an der Langen Straße nicht auszublenden waren. Foto: Grafik Kathrin Fischer

Bei östlichen Windrichtungen ist es besonders schlimm: »Dann denkt man, man hätte sein Haus auf der Mittelleitplanke gebaut«, sagt Ludger Wallmeyer, der am Böttcherhof 4 wohnt. Die Werte, die das WESTFALEN-BLATT dort am Freitagvormittag bei leichter Brise aus Osten mit einer eigenen Messung erhoben hat, sind zwar nur als Momentaufnahme – beispielhaft und ohne wissenschaftlichen und repräsentativen Anspruch – zu werten. Sie zeigen deutlich, dass die Grenzwerte von 59 dBA tags in Wohngebieten insgesamt zwar nicht überschritten werden, aber auch, dass eine gewisse Grundbelastung vorhanden ist. »In Spitzenzeiten frühmorgens und bei östlichen Winden haben meine Lärmmessungen im Schnitt weit über 65 dBA ergeben«, sagt Ludger Wallmeyer.

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Früher haben wir nachts nur die Käuzchen gehört. Wenn jetzt morgens ab 4.30 Uhr der Berufsverkehr einsetzt, können wir nicht mehr schlafen.

Thomas Mindt

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»Früher haben wir nachts nur die Käuzchen gehört. Wenn jetzt morgens ab 4.30 Uhr der Berufsverkehr einsetzt, können wir nicht mehr schlafen«, sagt Thomas Mindt, Modersohn-Becker-Hof 15. 50 bis 55 dBA, in Spitzen 70 dBA haben er und seine Frau gemessen. Besonders schlimm: Lkw. »Wenn die am Wochenende nicht fahren, ist es deutlich ruhiger.«

Der Schall dringt offenbar zu einem guten Teil von Osten her ins Wohngebiet, denn die A33 macht eine Kurve Richtung Obersteinhagen – und dort ist der Lärmschutz niedriger. Bei Niederwahrenbrock ist die Wall-Wand-Kombination sieben Meter hoch, an der Bielefelder Straße 6,50 Meter. Doch dann sinkt der Wall ab auf vier Meter. »Absolut ungenügend«, sagt Ludger Wallmeyer und fordert sieben Meter. Seinem Empfinden nach kommt der Lärm trichterförmig aus unterschiedlichen Richtungen .

Wand und Häuser brächten etwas, Wald nicht

Ohne die Gemeinde Steinhagen und den Kreis Gütersloh wäre der Lärmschutz noch dürftiger – nämlich nur das, was das Gesetz fordert. Die gesamte Nordseite der Autobahn wäre, weil dort Gewerbegebiete sind oder Wohnbebauung weiter entfernt ist, komplett ohne Lärmschutz, die Patthorst ebenfalls. Die Gemeinde hat mit dem Kreis Boden beschafft und auf eigene Rechnung Wälle bauen lassen. In Richtung Dorf hat sie den vorgesehenen Lärmschutz erhöht. Insgesamt hat sie 1,2 Millionen Euro investiert und 80.000 Kubikmeter Boden für knapp zwei Kilometer Wall und 768 Meter Wallerhöhung um anderthalb Meter einbauen lassen. Lärmminderung lässt sich, wie Bürgermeister Klaus Besser sagt, nur durch Masse erzielen. »Eine dicke Wand, ein Haus, das bringt etwas, ein Wald nichts.«

Kommentare

Bei diesen Artikeln stellt sich mir die Frage, wann die Häuser dort gebaut wurden?
Dass die Autobahn durch Steinhagen führen würde, dürfte doch bereits vor Jahren bekannt gewesen sein.
Wenn ich direkt an der Autobahn baue, dann darf ich nicht meckern, wenn es lauter wird (zumal es Grundstücke gab, die deswegen günstiger zu kaufen waren (ob das hier der Fall war, weiss ich nicht))...
Was haben die Anwohner denn gedacht, was passieren würde, wenn die A33 kommt?!?

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